Esther Jenny-Keshava, geb. Jenny (* 28. November 1950 in Basel),Marianne Mühlemann: Esther & Keshava. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 543 (online). ist eine Schweizer Tänzerin des klassischen indischen Tanzes (Bharatanatyam), Yogalehrerin und Kulturvermittlerin. Sie gründete 1976 gemeinsam mit ihrem Ehemann die erste Fachschule für Yoga und indischen Tanz in der Schweiz.
Leben und Ausbildung Esther Jenny kam als Tochter der Schweizer Schauspielerin und Märchenerzählerin Trudi Gerster und des Chemieprofessors Walter Jenny in Basel zur Welt. Sie wuchs in einem künstlerisch geprägten Umfeld auf, nahm seit ihrer Kindheit Gesangs- und Tanzunterricht, wirkte bei Tonträgeraufnahmen mit und spielte verschiedene Theaterrollen.
Nachdem sie im Alter von 18 Jahren eine Darbietung des indischen Tanzes gesehen hatte, reiste sie 1969 nach Indien. Von 1969 bis 1975 absolvierte sie als erste europäische Studentin ein professionelles Studium des Bharatanatyam am Fine Arts College in Mysore (Südindien). Sie wurde von Padmashri K. Venkatalakshamma in der Traditionslinie einer hochgeachteten Tempeltänzerinnen-Dynastie sowie von dem Tanzmeister Vidwan D. Keshava ausgebildet. Ihre Ausbildung schloss sie 1974 mit dem Solo-Debüt (Arangetram) ab. Während dieser Zeit nahm sie zudem Unterricht in karnatischem und Hindustani-Gesang.
Parallel dazu absolvierte sie ab 1970 eine Ausbildung zur Yogalehrerin bei K. Pattabhi Jois am Ashtanga Yoga Research Institute in Mysore, die sie 1974 mit einem Zertifikat abschloss. Später folgten Weiterbildungen bei Yogiraj Deshikacharya und B.N.S. Iyengar sowie ab 1992 im indischen Tanzstil Odissi bei Dr. Menati Mishra.
Während ihres Studiums in Indien lernte sie ihren Lehrer und späteren Ehemann Vidwan D. Keshava kennen. 1999 erwarb sie zusätzlich ein Diplom in klassischer Konditionsmassage und bildete sich in ayurvedischen Heilmethoden weiter.
Wirken Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz gründete Jenny-Keshava 1976 gemeinsam mit ihrem Ehemann in Basel die Institution Kalasri (Schule für Yoga und Indischen Tanz). Zudem erhielt sie einen über 20 Jahre andauernden Lehrauftrag für Yoga am „Studio für Musik und Theater“ der Musik-Akademie der Stadt Basel.
Neben dem Unterrichtsbetrieb formierte das Ehepaar das Kalasri Tanzensemble, mit dem sie als Duett „Esther und Keshava“ sowie im Ensemble Auftritte und Tourneen in der Schweiz, Indien sowie im europäischen Ausland (Deutschland, Italien, Frankreich und Österreich) absolvierten. Sie tanzte Hauptrollen in den hauseigenen Tanzdrama-Produktionen Mohini Bhasmasura (1980), Buddha Charitam (1987) und Ramayana (1993). Das von ihr gemeinsam mit ihrem Ehemann geschriebene Mohini Bhasmasura feierte Premiere auf der kleinen Bühne des Stadttheater Basel und wurde später auch in der Komödie Basel und dem Häbse-Theater Basel aufgeführt. Das gemeinsame Stück Der Tiger und die ehrliche Kuh feierte 1980 ebenfalls auf der kleinen Bühne des Theaters Basel Premiere. Buddha Charitam wurde erstmals im Foyer des Stadttheaters Basel aufgeführt. Für die Eiskunstläuferin Denise Biellmann entwarf sie mit ihrem Mann die Choreographien „Der Tod und das Mädchen“ zur Musik von Franz Schubert 1985 in Zürich und „Indischer Tanz auf dem Eis“, 1985 Paris.Esther & Keshava im Theaterlexikon der Schweiz
Sie war im Verlaufe ihrer Karriere auch im Fernsehen zu sehen, so zum Beispiel in der Ratesendung Was bin ich?. Die von Lekha Sarkar produzierte und im Schweizer Fernsehen DRS 2002 ausgestrahlte Fernsehdokumentation Zwei Kulturen – zwei Welten widmete sich ihr und ihrem Partner. Seit 2007 widmet sie sich verstärkt dem sakralen Tanz in Kirchen und Klöstern.
In ihrer Yogaschule unterrichtet Jenny-Keshava seither Yoga (u. a. Hatha-, Vinyasa- und Ashtanga-Yoga) in der Traditionslinie von T. Krishnamacharya sowie Yoga in der Schwangerschaft und Grundlagen des Ayurveda. 1990 veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrem Ehemann das im GU-Verlag erschienene Lehrbuch Yoga – Grundkurs für Anfänger, das auch ins Dänische und Italienische übersetzt wurde. Sie wirkte zudem als Co-Autorin an weiteren Publikationen über Naturmedizin und Gesundheit mit. Neben ihrer eigenen Lehrtätigkeit unterstützte sie ihre Mutter Trudi Gerster bei der Weiterführung ihres Lebenswerkes.
Die Schule sowie das Tanzensemble werden in zweiter Generation von den beiden Töchtern, Anjali und Sumitra Keshava, mitgestaltet. Zum 50-jährigen Bestehen der Institution im Januar 2026 führte das Ensemble die Jubiläumsproduktion Kala Chakra unter anderem am Theater Basel auf, bei der die Gründer weiterhin aktiv mitwirkten.
Weblinks
Eintrag zu Esther Jenny-Keshava auf der Website der Schule Kalasri Esther Jenny-Keshava: Indische Tänzerin. Porträt in der Sendung Musik für einen Gast, Radio SRF 2 Kultur, 30. Oktober 2022.
Einzelnachweise Esther Jenny Keshava – Kalasri. Abgerufen am 18. September 2026 (Kalasri Website, Künstlerbiografie). Radio SRF 2 Kultur: Esther Jenny-Keshava, indische Tänzerin. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 30. Oktober 2022, abgerufen am 18. September 2026. Tagesschau: Faszination indischer Tanz: 50 Jahre «Kalasri». Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), 11. Januar 2026, abgerufen am 18. September 2026.
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