mini|Adolf Fredrik Munck. Portraitgemälde von Jonas Forsslund (1799). Adolf Fredrik Munck, ab 1788 Graf Munck af Fulkila (* 28. April 1749 in Mikkeli, Schwedisch-Finnland; † 18. Juli 1831 in Massa, Herzogtum Massa), war ein finnlandschwedischer Adliger und Hofbeamter der gustavianischen Ära. Er war zeitweise ein enger Vertrauter des schwedischen Königspaars Gustav III. und Sophie Magdalena.
Biografie Adolf Fredrik Munck war der Sohn von Anders Erik Munck (* 28. Oktober 1720 in Särestad, Skaraborg; † 4. September 1779) und dessen Ehefrau Hedvig Juliana Wright (* 1729; † 30. Dezember 1808 in Lakspojo, Gemeinde Lojo), die er am 15. November 1747 in der damaligen Landkirche von St. Michel geheiratet hatte.William Addams Reitwiesner: The Ancestry of Adolf Fredrik greve Munck (1749–1831). Abgerufen am 19. September 2026. Das Paar lebte zunächst auf dem Hof Tarkia, einem zum Gut Rantakylä gehörenden Anwesen für Unterleutnants, in Mikkeli, dem Geburtsort ihres Sohnes Adolf Fredrik. Sie hatten insgesamt zehn Kinder von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten.
Er trat in den Dienst des schwedischen Königshofs, wo er ein enger Vertrauter von König Gustav III. wurde. Munck erlangte durch seine Liebschaften Berüchtigkeit. Zu seinen Geliebten zählte Anna Sofia Ramström, eine Kammerzofe der Königin.Hedvig Elisabeth Charlotta: Hedvig Elisabeth Charlottas dagbok. Hrsg.: Carl Carlson Bonde. Band I (1775–1782). P.A. Norstedt & Söners förlag. Stockholm. 1902. Link auf Google Books. Link auf WorldCat.Wilhelmina Stålberg & P. G. Berg: Anteckningar om svenska qvinnor. P. G. Berg. Stockholm. 1864. 1775 wurde er vom König, der von sich behauptete, sexuell unerfahren zu sein, beauftragt, ihm bei der Vollziehung seiner Ehe mit Königin Sophie Magdalena zu helfen; er sollte als „Sexuallehrer“ für das Paar fungieren und dieses in die Praktiken des Geschlechtsverkehrs einzuweisen und ihnen physisch zu demonstrieren, wie die Ehe vollzogen wird. Über seine Geliebte Anna Sofia Ramström nahm Munck daraufhin Kontakt zu Ingrid Maria Wenner auf, die damit beauftragt wurde, die Königin über den Wunsch des Königs zu informieren, da Wenner verheiratet und eine Vertraute der Königin war.Gerd Ribbing: Gustav III's hustru. Sofia Magdalena. Alb. Bonniers Boktryckeri. Stockholm. 1958. Munck und Ramström sollten sich in einem Zimmer nahe dem Schlafgemach aufhalten, um bei Bedarf Hilfe zu leisten; tatsächlich wurde er zuweilen in das Schlafgemach gerufen. Munck selbst schrieb in seinem schriftlichen Bericht, der im Schwedischen Reichsarchiv aufbewahrt wird, dass er, um Erfolg herbeizuführen, gezwungen war, beide körperlich zu berühren.
Diese „Hilfe“ führte 1778 zur Geburt des späteren Königs Gustav IV. Adolf. Als diese Gefälligkeiten bekannt wurden, lösten sie einen großen Skandal aus. Munck galt daraufhin weithin als Liebhaber sowohl des Königs als auch der Königin. Als bekannt wurde, dass Munck an der Vereinigung des Königspaares mitgewirkt hatte, kamen zudem Gerüchte auf, er sei der Vater von Sophia Magdalenas Kind.
Diese Gerüchte bildeten auch die Grundlage für Anschuldigungen der politischen Opposition in den Jahren 1786 und 1789Annie Mattson: Komediant och riksförrädare. Handskriftcirkulerande smädeskrifter mot Gustav III. Edita Västra Aros. Stockholm. 2010. ISBN 978-91-554-7780-6., der König habe Munck gebeten, die Königin zu schwängern. Entsprechende Schmähschriften wurden an Straßenecken in ganz Stockholm ausgehängt.
Zudem kursierte das Gerücht einer heimlichen Ehe zwischen Munck und der Königin.Hedvig Elisabeth Charlotta: Hedvig Elisabeth Charlottas dagbok. Hrsg.: Cecilia Klercker. Band V (1795–1796). P.A. Norstedt & Söners förlag. Stockholm. 1923. Link auf Google Books. Link auf WorldCat. Die Geschichte über diese geheime Ehe wurde von der Schwägerin des Königs, Hedwig Elisabeth Charlotte von Holstein-Gottorp, wie folgt geschildert: „Als die Ehe des Bruders des Königs kinderlos blieb, bat der König 1775 die Königin, sich einen Liebhaber zu nehmen, um dem Thron einen Erben zu verschaffen. Nachdem sie diesen Vorschlag abgelehnt hatte, strebte er eine Versöhnung an und wählte Munck als Vermittler aus, in der Annahme, die Königin würde Munck attraktiv finden, da sie seine Gesellschaft zu schätzen schien und er ihr äußerlich ähnelte. Als Munck den wahren Wunsch des Königs offenlegte und sie bat, dem Wohl des Staates zuliebe nachzugeben, sie dies jedoch erneut verweigerte, ließ sich der König heimlich von der Königin scheiden und verheiratete sie in einer von Johan Wingård vollzogenen geheimen Zeremonie mit Munck. Die einzigen Zeugen dieser Eheschließung – abgesehen von Munck sowie dem König und der Königin – waren Wingård, der trotz seiner Jugend zur allgemeinen Überraschung zum Bischof von Göteborg ernannt wurde, und Anna Sofia Ramström; Letztere verlor ihre Stellung bei Hofe und wurde später vergiftet, wenngleich die Umstände ihres Todes nie zweifelsfrei geklärt wurden. Damals kursierten weitverbreitete Gerüchte, wonach Ramström 1779 aufgrund der Eifersucht der Königin zum Rücktritt gezwungen worden sei und eine Pension unter der Bedingung erhalten habe, über die Beziehung zwischen Munck und der Königin zu schweigen.“
Man nahm an, dass Munck sowohl vom König als auch von der Königin für seine Unterstützung belohnt wurde. Er erhielt ein mit Diamanten besetztes Porträt der Königin, wurde zum Oberstallmeister (: Riksstallmästare), zum Ritter und zum Kanzler des Königlichen Seraphinenordens ernannt. Am 27. Dezember 1778 wurde er in den Freiherrenstand erhoben (als Munck af Fulkila; Eintragung in die Adelsmatrikel 1788 unter Nr. 309) und schließlich am 4. Juli 1788 in den Grafenstand (als Greve Munck af Fulkila; Eintragung am 16. Mai 1789 unter Nr. 103). 1787 zahlte Sophia Magdalena eine Summe von 50.000 Riksdaler auf ein Konto für Munck ein; allgemein galt dies als „Abschiedsgeschenk“. Zu diesem Zeitpunkt hatte Munck eine Affäre mit der Ballerina Giovanna Bassi begonnen, der Sophia Magdalena mit starker Abneigung begegnete. Der König war entsetzt, als er von der Einzahlung der Königin erfuhr, und versuchte zu verhindern, dass die Transaktion öffentlich bekannt wurde – was ihm jedoch nicht gelang.
mini|Miniaturporträt von Munck, gemalt von Anton Ulrik Berndes Ein Kind von Giovanna Bassi, bei dem es sich Gerüchten zufolge um Muncks Kind handelte, wies eine starke Ähnlichkeit mit dem Kronprinzen auf.
Die Anschuldigungen hatten auch in der Zukunft weitreichende Folgen: Nach der Absetzung von Gustav IV. Adolf im Jahr 1809 versuchte die gustavianische Partei 1809 und 1810 vergeblich, die Anerkennung seines Sohnes Gustav – des schwedischen Kronprinzen – als Thronfolger durchzusetzen. Die schwedische Prinzessin Hedwig Elisabeth Charlotte von Holstein-Gottorp, die 1809 als Ehefrau von Karl XIII. Königin wurde, zählte zu den führenden Persönlichkeiten der gustavianischen Partei. Sie besuchte die ehemalige Königin Friederike häufig während deren Hausarrests und setzte sich dafür ein, dass Prinz Gustav als Thronfolger anerkannt würde. Über diese Angelegenheit schrieb sie in ihren Tagebüchern: „Während eines Abendessens berichtete ihr General Georg Adlersparre, Jean-Baptiste Bernadotte, der später als schwedischer König Karl XIV. Johann den Thron bestieg, habe sich erkundigt, ob sie Nachkommen habe, und Interesse gezeigt, als er erfuhr, dass dies nicht der Fall sei. Sie erklärte, der Thron habe bereits einen Erben in der Person des Sohnes des abgesetzten Königs. Adlersparre reagierte verärgert und vertrat den Standpunkt seiner Partei, dass keiner der Initiatoren des Staatsstreichs dies akzeptieren würde; man befürchtete, der Junge könne sich nach seiner Thronbesteigung an ihnen rächen. Um dies zu verhindern, wollte man sogar auf das alte Gerücht zurückgreifen, der abgesetzte König sei in Wahrheit unehelich und der Sohn von Königin Sophia Magdalena und Graf Adolf Fredrik Munck af Fulkila gewesen.“Hedvig Elisabeth Charlotta: Hedvig Elisabeth Charlottas dagbok. Hrsg.: Cecilia Klercker. Band VIII (1807–1811). P.A. Norstedt & Söners förlag. Stockholm. 1939. Link auf Google Books. Link auf WorldCat. Die Affäre fand auch Eingang in die Literatur: Sie bildete einen Teil der Handlung in Carl Jonas Love Almquists Drottningens juvelsmycke, dem ersten auf Schwedisch verfassten historischen Roman.
1791 wurde Munck dabei ertappt, wie er im Schloss Drottningholm gefälschte Schuldscheine anfertigte und dabei Charles Appelkvist unterstützte. Ebenfalls 1791 soll der König erwogen haben, sich von der Königin scheiden zu lassen, indem er ihre angebliche heimliche Ehe mit Munck öffentlich machte. Nach dem Tod des Königs 1792 wurde die Situation für Munck in Schweden unhaltbar und er war gezwungen, das Land zu verlassen. Vor seiner Abreise verlangte der Regent, Karl XIII., die Herausgabe bestimmter Dokumente, die bei Bekanntwerden für das Königshaus skandalös gewesen wären. 1795 bat Munck um die Erlaubnis zur Rückkehr nach Schweden; als diese ihm verweigert wurde, drohte er Berichten zufolge damit, die Heiratsurkunde zwischen ihm und der Königin offenzulegen. 1816 wurde er im Herzogtum Parma und Piacenza in den Grafenstand erhoben. Munck lebte nunmehr bis zu seinem Tod im Jahr 1831 im Alter von 82 Jahren in Massa (Toskana), der Hauptstadt des Herzogtums Massa und Carrara.
Weblinks
on WorldCat William Addams Reitwiesner: The Ancestry of Adolf Fredrik greve Munck (1749–1831). Abgerufen am 19. September 2026. Eintrag: Adolph Fredric Munck. In: Svenskt biografiskt lexikon. Band 25. S. 769. 1985-1987. Link. Abgerufen am 20. September 2026.
Einzelnachweise
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