mini|Porträt Alina Margolis-Edelman, Wandmalerei, Galeria Witamy w Domu, Warschau Alina Margolis-Edelman (geboren 18. April 1922 in Łódź, Zweite Polnische Republik; gestorben 23. März 2008 in Paris, Frankreich) war eine jüdische polnische Ärztin, Holocaust-Überlebende und Kämpferin im Aufstand im Warschauer Ghetto. Nach dem Wiederaufleben des Antisemitismus in Polen im Jahr 1968 wurde sie gezwungen, das Land zu verlassen. Nachdem sie sich zunächst Ärzte ohne Grenzen angeschlossen hatte, wirkte sie später an der Gründung von Ärzte der Welt (Médecins du Monde) mit. 1990 kehrte sie nach Polen zurück und gründete die Organisation Fundacja Dzieci Niczyje („Niemands Kinder“), die sich gegen Kindesmisshandlung und Gewalt gegen Kinder engagiert.

Leben Margolis-Edelman war die Tochter der Ärzte Aleksander Margolis und Anna Margolis, geborene Markson. Die Mutter war Leiterin der radiologischen Abteilung und Leiterin der Tuberkuloseabteilung des Anna-Maria-Krankenhauses in Łódź. Der Vater, auch bekannt unter dem Pseudonym „Paweł Gart“, war Internist und Leiter des Städtischen Allgemeinkrankenhauses im Stadtteil Radogoszcz sowie Mitglied des Stadtrats von Łódź.

Direkt in Folge des deutschen Überfalls auf Polen 1939 wurde der Vater von der der Gestapo hingerichtet und die Familie wurde in das Warschauer Ghetto umgesiedelt, um dort auf die Deportation nach Treblinka zu warten. Der Mutter gelang es, Margolis-Edelman in der von Lama Blum-Bielica gegründeten jüdischen Krankenpflegeschule anzumelden, und sie arbeitete in einem der Krankenhäuser im Ghetto. Als der Abtransport unmittelbar bevorstand, verließ die Mutter mit ihren Kindern das Ghetto, wobei sich alle als „Arier“ ausgaben. Sie brachte ihren Sohn John in einem christlichen Waisenhaus unter und tauchte unter.

Margolis-Edelman versteckte sich bei einer polnischen Familie, die antisemitisch war und glaubte, sie sei die Tochter eines polnischen Offiziers in Kriegsgefangenschaft. Sie arbeitete als Kurierin für den Widerstand und setzte ihre Tätigkeit als Krankenschwester im Ghetto fort, wodurch sie zu einem festen Bestandteil der Rettungsbemühungen nach dem Aufstand im Warschauer Ghetto wurde.

Der Aufstand dauerte drei Wochen und bestand größtenteils aus jüdischen Jugendlichen, angeführt von einem fünfköpfigen Kommando. Einer der Kommandanten des Aufstands war Marek Edelman. Als deutsche Truppen das Ghetto niederbrannten, versuchte Edelman über das Kanalisationssystem zu fliehen. Mitglieder des Untergrunds, die sich als Mitarbeiter des Polnischen Roten Kreuzes verkleidet hatten, trugen ihn auf einer Trage aus dem Ghetto. Eine der Trägerinnen war Margolis-Edelman. Um sicherzustellen, dass niemand zu genau nachforschen würde, brachte der Untergrund ein Schild an Edelmans Körper an, auf dem stand, er habe Typhus, wodurch sie bewaffnete Kontrollpunkte problemlos passieren konnten.

Noch vor Kriegsende kehrten Margolis-Edelman und Edelman nach Łódź zurück; nach Kriegsende kamen ihre Mutter und ihr Bruder zu ihnen. Mitte 1945 heirateten Margolis und Edelman, zogen in das Haus, in dem die Familie vor dem Krieg gewohnt hatte, und sie begann ihr Medizinstudium.

Nach Abschluss ihrer Ausbildung wurde Margolis-Edelman Kinderärztin und arbeitete in der Kinderklinik in Łódź. Sie spezialisierte sich auf Nierenerkrankungen und Jugenddiabetes und gründete eine Klinik im Kinderkurort Rabka-Zdrój. Sie forschte zu diesen Erkrankungen und veröffentlichte ihre Ergebnisse. 1951 brachte Margolis-Edelman ihren Sohn Alexander zur Welt und fünf Jahre später ihre Tochter Anna. Während sie sich auf ihre Habilitation vorbereitete, lösten die März-Unruhen 1968 in Polen eine neue Welle des Antisemitismus aus, und Margolis-Edelman durfte ihre Habilitationsschrift nicht verteidigen. Sie floh mit ihren Kindern nach Frankreich. Ihr Mann blieb in Łódź und leistete humanitäre Hilfe für alle Bedürftigen. Da es ihr nicht gelang, eine französische Universität davon zu überzeugen, ihren polnischen Abschluss anzuerkennen, begann sie ihr Studium von Grund auf neu und arbeitete in einem Labor, wo sie Rattenblut analysierte, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Nach fünf Jahren Studium erlangte Margolis-Edelman ihre Zulassung als Ärztin in Frankreich und wurde Leiterin des Labors, sowie Kinderärztin im Hôpital Necker–Enfants malades. Außerdem arbeitete sie im Dienst zum Schutz von Müttern und Säuglingen in Département Seine-Saint-Denis und war in den Gemeinden Aubervilliers und La Courneuve tätig. 1978 begann sie ihre Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen auf Krankenhausschiffen, auf denen sie vietnamesische Bootsflüchtlinge versorgte. Als Bernard Kouchner die Organisation verließ, gründeten er und Margolis-Edelman gemeinsam Ärzte der Welt. Sie nahm an medizinischen Einsätzen unter anderem in Afghanistan, im Tschad, in El Salvador, in Guatemala, im Libanon und in Nicaragua teil.

Während der Zeit des Kriegsrechts in Polen in den Jahren 1981–1983 unterstützte Margolis-Edelman die pro-demokratische Opposition. Sie organisierte Auslandspraktika für polnische Ärzte, half denen, die in Polen keine medizinische Versorgung erhalten konnten, und schickte Medikamente und Hilfsgüter an polnische Krankenhäuser, die diese zu dieser Zeit nicht beschaffen konnten. Sie war Mitbegründerin des französisch-polnischen Vereins SOS Aide aux Malades Polonais, der Polen dabei half, sich in Frankreich medizinisch behandeln zu lassen. Etwa zur gleichen Zeit war sie Vorsitzende des Vereins Les Cahiers Littéraires und gründete in Paris die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Zeszyty Literackie. 1990 kehrte sie nach Polen zurück und gründete die Organisation Fundacja Dzieci Niczyje („Niemands Kinder“), um Opfer von Kindesmissbrauch zu betreuen und sich für deren Schutz einzusetzen. Während des Bosnienkrieges war sie Mitbegründerin eines Hilfszentrums für Vergewaltigungsopfer. Sie war Mitbegründerin eines Zentrums in Sankt Petersburg zur Betreuung von Straßenkindern.

1994 verfasste Margolis-Edelman eine Autobiografie über ihre Erlebnisse in der Vorkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs mit dem Titel Ala z Elementarza („Ala aus dem Lesebuch“) Der Titel war eine Anspielung auf ein früheres Werk von Marian Falski. Als Kinder hatten Margolis und ihr Bruder Falski dazu inspiriert, ein weit verbreitetes Lesebuch für Anfänger über zwei Kinder, „Ala und Olek“, zu schreiben. 1997 veröffentlichte Margolis-Edelman eine weitere Autobiografie mit dem Titel Je ne le répéterai pas, je ne veux pas le répéter („Ich werde es nicht wiederholen, ich will es nicht wiederholen“).

Für ihr humanitäres Engagement wurde sie mit dem polnischen Tapferkeitskreuz ausgezeichnet und vom Orden des Lächelns zum Kavalier geschlagen.

Margolis-Edelman starb am 2008 in Paris und wurde auf dem Cimetière parisien de Bagneux beigesetzt. Zu ihrem Gedenken wurde auch auf dem Jüdischen Friedhof an der Okopowa-Straße in Warschau eine symbolische Grabstätte errichtet.

Im Jahr 2010 wurde ein Dokumentarfilm zu ihrem Leben unter dem Titel ihrer Autobiografie Ala z Elementarza veröffentlicht, der von Edyta Wróblewska inszeniert wurde.

2011 wurde zu ihren Ehren ein Preis gestiftet, der Personen würdigt, die sich für den Schutz von Kindern engagieren.

Einzelnachweise

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