Gertrude (Gertie) Bojarski, geborene Salucki (geboren 1. Oktober 1922 in Dereczyn, Woiwodschaft Nowogródek, Zweite Polnische Republik; gestorben 19. September 2012 in den Vereinigten Staaten), war eine jüdische polnische Widerstandskämpferin und Holocaust-Überlebende. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs erhielt sie den Leninorden.

Leben Bojarski wuchs in einem mehrheitlich jüdischen Dorf auf. Sie war das zweite von vier Kindern von Israel und Riva Salucki. Sie hatte eine Schwester, Bela, und zwei Brüder, Avram und Moishe. Sie erhielt eine grundlegende Schulbildung, lernte Russisch und absolvierte eine Ausbildung zur Schneiderin.

Im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts wurde das Gebiet nach der sowjetischen Besetzung Ostpolens der Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik zugeschlagen. Als Deutschland im Rahmen des Unternehmen Barbarossa in die von der Sowjetunion kontrollierten Gebiete einmarschierte, geriet Dereczyn unter nationalsozialistische Herrschaft. Die Deutschen errichteten im Januar 1942 ein Ghetto für die jüdischen Einwohner. Dort befanden sich etwa 4.000 Menschen. Fast ein Jahr lang lebte Bojarskis Familie unmittelbar außerhalb des jüdischen Ghettos, da ihr Vater als Metzger und Hausmaler für die Deutschen nützlich war. Am 24. Juli 1942 ermordete eine Einsatzgruppe des SD im Versuch, das Ghetto auszulöschen, 3.000 bis 4.000 jüdische Einwohner des Ghettos. Bojarski und ihre unmittelbare Familie konnten zusammen mit anderen Überlebenden in die Lager der umliegenden Wälder fliehen. Dort gab es „Familienlager“ als Zufluchtsort unabhängig von Geschlecht, Alter oder körperlicher Verfassung, und Partisanenlager. Die Mutter von Bojarski und die beiden jüngeren Geschwister lebten in einem Familienlager, während ihr Vater und ein älterer Bruder Moishe zu einer nahegelegenen Partisaneneinheit stießen. Insbesondere die Familienlager waren anfällig für Überfälle durch deutsche Truppen und örtliche, antisemitische Kollaborateure. Bojarskis Mutter wurde vor den Augen von Bojarski bei einem solchen Überfall getötet. Sie selbst entkam. Bei solchen Überfällen starben am Ende neben den Eltern auch ihre Brüder und ihre Schwester.

Bojarski schloss sich den Partisanenkämpfern an, die gemeinsam mit der Roten Armee Widerstand gegen die deutsche Besatzung leisteten. Später gab sie als Motivation unumwunden Vergeltung für den Tod ihrer Familie an.

Partisanenlager waren für Frauen kein sicherer Ort. Bojarski berichtete aber später, dass in dem sowjetischen Lager, in dem sie war, der Kommandeur Frauen vor sexuellen Übergriffen schützte, als Teil seines Bemühens, eine stärkere Disziplin in den Kampfeinheiten durchzusetzen. Am 8. März 1943 meldeten sich Bojarski und eine weitere Partisanin freiwillig zu einer Sabotageaktion gegen eine von deutschen Truppen genutzte Brücke. Mit Petroleum und Stroh aus einem nahegelegenen Dorf setzten sie die hölzerne Brücke in Brand und gerieten dabei unter Beschuss mit Handfeuerwaffen. Für diese Tat wurden beide Frauen mit dem Leninorden ausgezeichnet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fand Bojarski 1945 einen überlebenden Cousin, Sam Bojarski, den sie heiratete. In einem Lager für Displaced Persons in Italien brachte sie einen Sohn zur Welt. Die Familie blieb zunächst in Italien und wanderte 1949 in die Vereinigten Staaten aus, wo sie weitere Kinder bekamen.

Noch weit über ihr achtzigstes Lebensjahr hinaus bemühte sich Gertie nach Kräften, in Schulen über ihre Kriegserfahrungen und ihr Leben als Partisanin zu sprechen.

Die Familie lebte nacheinander in Philadelphia,PA, Brooklyn, NY, und West Palm Beach, FL. Bojarski starb 2012 und wurde auf dem jüdischen Cedar Park Cemetery in Paramus, NJ, beigesetzt.

2022 produzierte Julia Mintz den Dokumentarfilm Four Winters, in dem Interviewaufnahmen von Bojarski als eine der vier vorgestellten Holocaust-Überlebenden gezeigt werden.

Einzelnachweise

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