Chaike (Helen) Belchatowska Spiegel (geboren 11. November 1920 in Warschau, Zweite Polnische Republik; gestorben 26. März 2002 in Montreal, Kanada) war eine jüdische polnische Widerstandskämpferin und eine der letzten Überlebenden des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943.
Leben Spiegel wurde als Tochter einer radikalen Mutter geboren. Sie war Mitglied des marxistisch-sozialistischen Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes.
Unmittelbar mit Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen wurden polnische Juden systematisch deportiert und ermordet. Zu Spiegel ist bekannt, dass sie im November 1942 aus einem Zug fliehen konnte, der sie in das Vernichtungslager Treblinka bringen sollte. Sie schloss sich im Januar 1943 der Jüdischen Kampforganisation (Żydowska Organizacja Bojowa, ŻOB) im Warschauer Ghetto an.
In der ersten Nacht des jüdischen Passahfestes am 19. April 1943 drang unter dem Kommando von Oberst Ferdinand von Sammern-Frankenegg eine SS- und Polizei-Truppe in das Warschauer Ghetto ein, um das Ghetto vollständig aufzulösen. Für die Deutschen überraschend wurden sie von Kämpfern der ZOB und anderen Widerstandsgruppen zurückgeschlagen und mindestens 40 Deutsche wurden getötet. Dies gelang, obwohl die Kämpfer mit einer Handvoll eingeschmuggelter, veralteter Waffen, improvisierten Molotowcocktails und wenig Munition nur spärlich bewaffnet waren. Sammern-Frankenegg wurde durch SS-General Jürgen Stroop abgelöst, aber auch er wurde nach mehreren Tagen heftiger Kämpfe erneut von den Juden aufgehalten. Die Deutschen beschlossen daraufhin, ihre Vorgehensweise zu ändern, und setzten Flammenwerfer ein, um das Ghetto systematisch niederzubrennen. Am Ende versteckten sich die verbliebenen Kämpfer der ŻOB unter ihrem Kommandanten Mordechaj Anielewicz im Anielewicz-Bunker und kamen hier am 8. Mai 1943 ums Leben.
Spiegel gelang es, zusammen mit ihrem späteren Ehemann Boruch Yakir Spiegel, einem Anführer einer Kampfeinheit der ŻOB, sowie rund 50 weiteren jüdischen Widerstandskämpfern, aus dem Ghetto in die Wälder außerhalb Warschaus zu fliehen. Von dort aus setzten sie ihre Angriffe gegen die Deutschen bis zum Ende des Krieges fort. Zur Zeit des Warschauer Aufstands im August und September 1944 waren sie nach Warschau zurückgekehrt.
Nach der Befreiung Warschaus durch die Rote Armee am 17. Januar 1945 wollte Spiegel nach späterem Bericht ihres Schwiegersohnes in Polen bleiben, doch Boruch Spiegel hatte „das Gefühl auf dem Boden der Gräber seiner Angehörigen nicht leben zu können, und glaubte nicht daran dass es in Polen eine Zukunft für jüdisches Leben geben würde“. Das Paar ging nach Schweden, wo sie heirateten und ihr Sohn Chil, genannt Julius, geboren wurde. Ende des Jahres 1948 gingen sie nach Montreal, nachdem ihr Antrag auf ein Visum für die Vereinigten Staaten erfolglos geblieben war. In Montreal wurde ihre Tochter Mindy geboren.
Zu ihren Kriegserlebnissen wurde Spiegel mit folgenden Worten zitiert: „Wann immer wir ein Gespräch beginnen – sei es auch nur über das Wetter –, kommen wir am Ende immer auf die Jahre dort drüben zu sprechen. Ausnahmslos. Ich erinnere mich an alles. Es ist so präsent in meinem Kopf, so lebendig in meiner Erinnerung.“
Spiegel starb 2002 in Montreal und ist auf dem dortigen jüdischen Baron de Hirsch Cemetery beerdigt.
Einzelnachweise
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