Das Carl Johan Teatret war ein Kino und Theater in der Karl Johans gate 39 im Zentrum Oslos. Es wurde am 30. März 1913 als privates Stummfilmkino eröffnet, das 1926 in den Besitz der Kommune Oslo überging. Der Regisseur Anton Heiberg und der Schauspieler Thorleif Reiss erwarben das Kino und bauten es zu einem Boulevardtheater um (wobei sie den Namen weiterführten). Sie eröffneten am 5. Oktober 1931 mit der Operette Der Vetter aus Dingsda von Eduard Künneke. Das Theater inszenierte Komödien und Possen und gelegentlich Revuen. Während des Kriegs, unter der Leitung von Ellen Isefiær, wurden auch niveauvollere Stücke ins Repertoire aufgenommen. Mehrere norwegische Schauspieler/-innen feierten ihren Durchbruch am Carl Johan Theatret, z. B. Wenche Foss 1937 in der Rolle der Champagnepiken.
1946 löste sich die Theatergesellschaft auf und die Bühne wurde für fünf Jahre vom Studioteatret übernommen. Von 1951 bis 1952 wurde die Bühne vom Det Nye Teater als Nebenbühne genutzt und trug während dieser Zeit den Namen Carl Johan-Scenen. Danach ging sie erneut in den Besitz der kommunalen Kinogesellschaft Oslo Kinematografer über, die am 25. September 1952 das Kino mit einem Dokumentarfilm über den Himalaya wiedereröffnete. Das erneut Carl Johan Teatret genannte Kino bestand bis 1982. Dann wurde es geschlossen und das gesamte Gebäude abgerissen, um Platz für ein Einkaufszentrum zu schaffen.
Carl Johan Teatret war auch der Name eines von 1893 bis 1896 im Christiania Tivoli beherbergten Theaters.
Örtlichkeit und Gebäude links|mini|Karl Johan-Viertel. In der Mitte die Karl Johans gate mit dem Paleet shoppingcenter links (Nr. 43/41/39/37) und dem Grand Hotel (Nr. 31) rechts. Darunter die massiven Türme des Rathauses. Der schwarze Kasten links oben ist Det norske Teatret. mini|Paleet shoppingcenter auf Carl Johans gata 41/39/37, Sicht vom Eidsvolls plass, 2011 Karl Johans gate 39, der Standort des ehemaligen Carl Johan Teatret, liegt im Karl-Johan-Kvartal, dem Häuserblock zwischen Kristian IVs gate (Nord), Rosenkrantz’ gate (Ost), Karl Johans gate (Süd) und Universitetsgata (West). Unmittelbar gegenüber erstreckt sich der Eidsvolls plass zwischen dem Nationaltheatret im Westen und dem Parlament im Osten. Westlich des Häuserblocks liegt die Universität und östlich das Grand Hotel. Außer dem Nationaltheater befinden sich noch zwei weitere Theater in der Nähe, Det Norske Teatret (Kristian IVs gate 8) im selben Häuserblock und Oslo Nye Teater Hovedscenen (Rosenkrantz’ gate 10) um die Ecke nach Osten in etwa 200 Meter Entfernung.
Das Gebäude wurde 1844 von dem aus Dänemark stammenden Architekten Thøger Binneballe (1815–1900) als Privathaus für Generalkonsul Jacob Faye errichtet. Es wurde – wie die Nachbargebäude Nr. 43 und Nr. 41 – abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, in dem 1990 das Einkaufszentrum Paleet eröffnet wurde. Paleet erstreckt sich über die vier Gebäude Nr. 43, Nr. 41, Nr. 39 und Nr. 37 und beherbergt fast 30 Geschäfte und acht Gastronomiebetriebe (Architekt: Viksjøs arkitektkontor AS, Innenausstattung und Geschäfte: Sentrumsutvikling AS). Die Fassaden sind Nachbildungen der Originale.
Karl Johans gate 39 ist im Kulturminne-Verzeichnis unter der Id 162807 eingetragen und unterliegt den Schutzbestimmungen des Plan- og bygningsloven (Raumordnungsgesetz). Es genießt als Bestandteil des Gebäudekomplexes Karl-Johan-Kvartal Ensembleschutz. Die Fassade ist sogar denkmalgeschützt.
Die ehemaligen Gebäude zur Linken wurden ebenfalls in den 1840er Jahren errichtet. Auf Nummer 41 befand sich ein Kino – Theatre Amusant (1904–1914), danach Palassteatret (1914–1982) – und im Nebengebäude Nr. 41b das Restaurant Blom, in dem die Künstler des Kunstnerforeningen verkehrten. Auf Nummer 43 befand sich ab 1872 die Buchhandlung von H. Aschehoug, die 1928 von Johan Grundt Tanum übernommen wurde.
Geschichte Stummfilmkino mini|Erna Schøyen in Skjønnhetsinstituttet, Premiere 26. Januar 1933 Das Stummfilmkino Carl Johan Teatret war eine Gründung von Andreas Kvinnsland, der in der Nachfolge von Hugo Hermansen die Rolle des führenden Kinobesitzers in Kristiania übernommen hatte. (Im selben Jahr gründete er auch das Kino Boulevardteatret in der Stortingsgata 10). Die Eröffnungsvorstellung war am 30. März 1913; es wurde der dänische Film En hoffintrige (1913) gezeigt mit Gerd Egede-Nissen (der späteren Gerd Grieg) in einer der Hauptrollen.
Schon 1913 war ein Kinogesetz beschlossen worden, das den Gemeindeverwaltungen das Recht einräumte, alle Kinos in ihrem Gebiet zu übernehmen. In Oslo wurde das kommunale Kinomonopol im Juni 1918 vom Stadtrat beschlossen, doch es dauerte bis zum 1. Januar 1926, bis dieser Beschluss vollständig umgesetzt wurde. Zu diesem Stichtag wurde auch das Carl Johan Teatret kommunalisiert. Die Betreibergesellschaft Oslo Kinematografer (ab 2007 Oslo Kino AS, seit 2013 Nordisk Film Kino) errichtete zahlreiche neue Kinos, schloss aber auch bestehende.
In dieser Zeit hielt der Tonfilm Einzug, was Investitionen in die bestehenden Stummfilmkinos erforderte. Die Filmrevy im Aftenposten berichtete am 25. November 1930 über ein „volles Haus und überschwänglichen Jubel“ im Carl Johan, als eine Zusammenstellung von Ausschnitten alter Filme von Charlie Chaplin vorgeführt wurde. Die Kollage Charlies abenteuerliches Leben bestand aus zwanzig Jahre altem Material „aus seinen frühesten Filmen, und es gibt tausend Details, an denen man sich erfreuen kann.“ (zitiert bei.)
Boulevardtheater mini|Per Aabel in der Detektivkomödie Hvite syriner, Premiere 10. April 1934 Trotz dieses Erfolges befand sich das Kino auf der Liste der abzustoßenden Altbestände. Es wurde an den Regisseur Anton Heiberg und den Schauspieler Thorleif Reiss verkauft, die den Saal in ein Boulevardtheater in den Farben Rot, Gold und Schwarz umbauen ließen, den Namen aus der Zeit als Kino jedoch beibehielten. Heiberg und Reiss leiteten das Theater gemeinsam mit Leif Enger.
Das Theater wurde am 5. Oktober 1931 mit der Operette Der Fetteren fra Batavia (Der Vetter aus Dingsda) von Eduard Künneke eröffnet. Mille Waitz sang die Julie, Karen-Marie Flagstad die Hanna, Magnus Samuelsen bzw. Øivind Berne den ersten bzw. zweiten Fremden. Regie führte Anton Heiberg. Das Orchester war ein kleines Kammerensemble mit Marie Flagstad als Pianistin und Dirigentin.
Im Sommer 1933 wurde das Theater erneut umgebaut und danach übernahmen Per Aabel und Thorleif Reiss die Leitung. Sie führten das Carl Johan Teatret über fünf Jahre, in denen vorwiegend Komödien und Possen aufgeführt wurden. In den Sommermonaten wurde das Theater für Revuen vermietet.
mini|Anzeige für Familiens sorte faar, Premiere 15. Januar 1937 Ein zeitgenössischer Kritiker beschreibt das Carl Johan Teatret als ein Unternehmen, „wo das Publikum mit Oberbekleidung hereinkommen kann, ohne mehr zu bezahlen als im Kino – und wo man herzlich lachen kann, ohne dafür an ausländische Filmgesellschaften zu zahlen.“ Und in diesem Theater könne man feststellen, „dass die Schauspielkunst hier eine besondere Aufgabe hat, nämlich Stücken, die zwar gute humoristische Ansätze haben, aber als Literatur kein besonderes künstlerisches Leben besitzen, einen Hauch von Leben einzuhauchen.“
Der nämliche Kritiker würdigt auch Per Aabels Fähigkeiten als Darsteller, Regisseur, Zeichner von Kulissen und Kostümen, Sänger und Klavierspieler: Eigenschaften, die „für ein Operettentheater von besonderem Nutzen sein dürften“. 1938 gab Aabel die Theaterleitung auf und wechselte zunächst für ein Gastspiel zum Centralteatret und anschließend zum Nationaltheatret. 1939 schied auch Thorleif Reiss aus, als er zum Rundfunk wechselte.
Nach einer kurzen Unterbrechung wurde das Theater am 2. September 1939 mit Eigil Beck als neuen Leiter und der AS Comedia als neuer Eigentümerin wiedereröffnet. Es wurde Hele byens helt (The Whole Town´s Talking) von Anita Loos gegeben. Theodor Berge führte Regie, Einar Sissener und Hauk Aabel spielten die männlichen Hauptrollen.
Kriegsjahre mini|Fridtjof Mjøen (als Hagbart) und Ellen Isefiær (als Frau Falk) in Leonarda von Bjørnstjerne Bjørnson, Premiere 31. August 1944 Eigil Beck blieb jedoch nur kurz, im Folgejahr übernahm Ellen Isefiær die Leitung und führte das Theater durch die Kriegsjahre. Sie wollte eine eher literarische Bühne schaffen, entfernte die Farcen aus dem Repertoire und versuchte sich an anspruchsvolleren Stücken. Es wurden jedoch noch Revuen aufgeführt, in denen Lalla Carlsen regelmäßig auftrat.
1943 wurde das Carl Johan Teatret von der Besatzungsmacht offiziell geschlossen. Trotzdem fanden bis Kriegsende noch verschiedene Inszenierungen statt, z. B. Leonarda nach Bjørnstjerne Bjørnson unter der Regie von Arne Bang-Hansen, mit Ellen Isefiær in der Titelrolle und Fridtjof Mjøen als Hagbart. Das Stück hatte am 31. August 1944 Premiere.
Die für den folgenden November geplante Premiere von Candida von George Bernhard Shaw fiel jedoch aus, da der Hauptdarsteller Arne Bang-Hansen verhaftet worden war. Im Mai 1945 sollte die Premiere mit Espen Skjønberg als Ersatz nachgeholt werden, wurde jedoch erneut abgesagt. Auch der dritte Anlauf im Herbst war erfolglos; das Stück sollte nie aufgeführt werden.
Nach Kriegsende wurde Fridtjof Mjøen zum künstlerischen Leiter bestellt; er verantwortete bereits die Aufführung eines Kabaretts mit der Dänin Lulu Ziegler in den neu renovierten Räumlichkeiten. Die Premiere war am 14. September 1945; der genaue Titel des Stücks ist unbekannt, wird jedoch oft als Paletten angegeben.
Künstler/-innen
In Summe verzeichnet Sceneweb 100 Produktionen des Theaters. Die letzte war die Glassmenasjeriet (The Glass Menagerie) von Tennessee Williams, die am 16. April 1947 in Theater von Drammen Premiere hatte und anschließend auf Tournee ging. Sie wurde im Jahr nach der offiziellen Schließung des Theaters von den Künstlern des Theaters und unter dem Namen Carl Johan Teatret inszeniert.
Etliche norwegische Schauspieler/-innen feierten ihr Debüt im Carl Johan Teatret oder erzielten hier ihren Durchbruch. Ensemblemitglieder waren u. a.: Ragnhild Michelsen (1935–1940), Wenche Foss (Debüt, 1936–1939), Thora Neels-Hansson (Nøste Schwab) (Debüt, 1938–1940), Frank Robert (Debüt, 1939–1941), Stig Egede-Nissen (1940–1942), Lalla Carlsen (1940–1943), Arne Bang-Hansen (1941–1945), Axel Thue (1942), Alice Mürer Siem (Debüt, 1942), Jack Fjeldstad (1942–1944), Espen Skjønberg (1943–1945).
Im Carl Johan Teatret feierte Wenche Foss 1937 mit der Titelrolle von Champagnepiken ihren künstlerischen Durchbruch. Die Farce Naughty Cinderella von Avery Hopwood wurde von Theodor Berge inszeniert und hatte am 15. April 1937 Premiere.
Nachnutzung 1946 löste sich die eigenständige Theatergesellschaft auf und das Carl Johan Teatret wurde für fünf Jahre die Bühne des Studioteatret. Dieses Ensemble war erst im Vorjahr gegründet worden, um anspruchsvolle Dramatik aufzuführen (Tschechow, Brecht, O’Neill, Miller, Wilder, Sartre), und hatte bisher den Søilensalen in der Keysersgate 11 bespielt.
Anschließend wurde die Bühne während der Saison 1951/1952 vom Det Nye Teater als Nebenbühne genutzt und trug während dieser Zeit den Namen Carl Johan-Scenen. Die erste Premiere war am 13. März 1951 (Lystige koner von Jonas Lie), die letzte am 20. Juni 1952 (Falne engler d. h. Fallen Angels von Noël Coward).
Kinobetrieb mini|Anzeige für die Kinos von Oslo Kinematografer (1975) 1952 übernahm Oslo Kinematografer die Bühne und eröffnete sie erneut als Carl Johan Teatret mit dem Dokumentarfilm Himalaya – verdens tak (Himalaya – das Dach der Welt) des dänischen Abenteurers und Filmemachers Jens Bjerre. Die Premiere war am 25. September 1952.