Die Alte Synagoge Würzburg in der Domerschulstraße 21 war bis zur Vernichtung der Jüdischen Gemeinde in Würzburg durch den Holocaust deren zentrale Gebetsstätte.
Errichtung Nach 1803 wurde es Juden erlaubt, sich in Würzburg wiederanzusiedeln, jedoch fehlte es zunächst an einem Synagogenbau und die Gemeindemitglieder kamen in insgesamt sieben privaten Beträumen zusammen, die sich in den Häusern angesehener Familien (Hirsch, Jeidels, Mayer) und beim Oberrabbiner Abraham Bing befanden. Mit Verordnung vom 29. November 1829 wies dann die Regierung von Unterfranken die jüdische Gemeinde an, stattdessen eine Synagoge zu errichten, da man in privaten Räumen nur private Andachten, wie sie auch für Christen erlaubt waren, dulden wollte, sodass man den Betreibern dieser Beträume mit deren Schließung für den Fall drohte, dass keine Synagoge gebaut würde. Nachdem zunächst 1831 zur Durchführung eines gemeinschaftlichen Gottesdienstes ein Saal über den Stallungen des Bauers Joseph Endres in der heutigen Ursulinergasse 8 angemietet wurde, entschlossen sich 11 wohlhabende Juden 1834 zum Ankauf eines Teils des „Hofes zum Fresser“ in der Domerschulstraße 21 zum Preis von 9.050 Gulden und überließen dann am 30. Januar 1834 das Grundstück der Gemeinde zum Bau einer Synagoge. Mit dem Bau im „ägyptischen Stil“ wurde, nach mehreren vorgelegten und verworfenen Entwürfen, unter Leitung des Architekten Friedrich von Gärtner 1838 begonnen. Am 10. September 1841 erfolgte die feierliche Einweihung. Der Innenraum wurde von Zimmermeister Anton Eckert entworfen und bot Platz für 110 Männer-Betstühle und je 47 Frauensitze auf zwei Emporen. Die Einweihungsrede hielt Rabbiner Seligmann Bär Bamberger, der seit 1840 als Nachfolger von Abraham Bing der Gemeinde vorstand.
Ausbau 1862/63 wurden auf der Empore weitere 80 Betstühle für Männer und 21 für Frauen eingerichtet, wofür die Empore auf zwei Seiten verlängert wurde. Der Synagogen-Chor, der 1863 gegründet wurde, erhielt seinen Platz auf einer weiteren Galerie an der Westwand gegenüber dem Toraschrein. 1865 wurde das Vorderhaus mit der Wohnung des Gemeindedieners an der Domerschulstraße abgebrochen und es wurden zwei eingeschossige Neubauten errichtet, die den Durchgang zum Hof flankierten. Dort gab es ein Depot für die Beerdigungsrequisiten und den Leichenwagen; ein Raum war für die Schächtungen und ein weiterer für die Toiletten bestimmt. 1889 erhielt die Synagoge eine moderne Heizungsanlage. Mit dem schnellen Anstieg der Zahl der Gemeindemitglieder – 1900 gab es in der Stadt 2.567 Juden – erwies sich auch die 1863 vergrößerte Synagoge schon bald wieder als zu klein, sodass Gläubige, die keinen Platz im Hauptraum fanden, die Gottesdienste im angemieteten „Schrannersaal“ besuchen mussten. Ab der Jahrhundertwende plante die Würzburger Kultusgemeinde daher den Bau einer neuen Hauptsynagoge.
Umbau von 1926 1903 wurde ein Synagogen-Neubau-Verein gegründet, der Spendengelder für das Vorhaben sammelte. Der Erste Weltkrieg und die anschließende Inflationszeit verhinderten jedoch die Realisierung. Statt einem kompletten Neubau entschloss man sich nun zu einem größeren Umbau und einer Renovierung des Baus, die der seit 1920 der Gemeinde als Distriktsrabbiner vorstehende, promovierte und orthodoxe Siegmund Hanover aus Hamburg initiierte. Dadurch fanden weitere 100 Betstühle für Männer Platz. Die Wiedereinweihung der Synagoge erfolgte am 3. September 1926. Die Mittel der Gemeinde reichten in der Folge nur noch für ein paar Umbauten an der Frauenempore und der Heizungsanlage.
Abgesehen von der Hauptsynagoge gab es zu dieser Zeit in Würzburg, der „Stadt der sieben Synagogen“, noch folgende Gebetsstätten: Die kleine Synagoge im Erdgeschoss des Gemeindehauses; sie wurde am 19. November 1924 eingeweiht und befand sich in der früheren Mazzebäckerei des Gemeindezentrums. Die Inneneinrichtung stiftete Siegmund Seligsberger aus dem Bestand einer fränkischen Dorfsynagoge. Die kleine Synagoge hatte 70 Plätze für Männer und 20 Plätze für Frauen. Die Privatsynagoge im Haus der Familie Bamberger in der Bibrastraße 17 Der Betsaal im jüdischen Altersheim in der Dürerstraße 20 Die Synagoge in HeidingsfeldHeidingsfeld (Würzburg) Synagoge, Haus der bayerischen Geschichte, abgerufen am 14. September 2026 Die Synagoge aus Kirchheim bei Würzburg
Novemberpogrom Nachdem es bereits in der Weimarer Republik zu antisemitischen Übergriffen gegen Gemeindemitglieder gekommen war, führte die systematische Entrechtung ab 1933 zur Emigration großer Teile der Gemeinde.
In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 drangen Würzburger Nationalsozialisten, unter ihnen Universitätsrektor Ernst Seifert, damals SA-Führer und SA-Obersturmbannarzt, gewaltsam in den Synagogenhof ein. Das jüdische Gemeindehaus, die Hauptsynagoge, die kleine Synagoge, die Mikwe und die Schulräume wurden geplündert, sämtliche Gemeindeakten, Bücher und Wertsachen wurden abtransportiert, die komplette Einrichtung wurde zerschlagen und die Trümmer, darunter die Torarollen und die Leuchter, im Hof verbrannt; das Gebäude selbst wurde aber, offenbar mit Rücksicht auf die benachbarten Häuser, nicht in Brand gesteckt. Clemens Schenk, Kustos am Mainfränkischen Museum, kam am Tag darauf in die geschändete und verwüstete Synagoge und soll die Toravorhänge und Silbergegenstände für das Museum sichergestellt haben. Den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde war in der Folge das Betreten des Gebäudes, in dem ein NSDAP-Parteibüro eingerichtet wurde, verboten. Die Synagoge wurde schließlich beim Bombenangriff vom 16. März 1945 weitgehend zerstört und schließlich 1956 zugunsten eines Sportplatzes für das Priesterseminar abgerissen; eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge wurde dort 1963 angebracht. Auch die anderen Synagogen in der Stadt sind nicht mehr erhalten. Das Grundstück in der Domerschulstraße, auf dem die alten Synagoge stand, gelangte am 9. November 1998, zum 60. Jahrestag der Pogromnacht, aus dem Besitz der Diözese Würzburg zurück in den der jüdischen Gemeinde. Hier ist längerfristig der Bau einer weiteren Synagoge geplant.
Shalom Europa 1945 kehrten nur 21 überlebende Juden aus den Konzentrationslagern nach Würzburg zurück.Würzburg (Unterfranken) Jüdische Geschichte / Synagogen nach 1945, abgerufen am 14. September 2026 Als Gemeindezentrum diente ihnen zunächst das im Krieg beschädigte Alters- und Krankenheim in der Valentin-Becker-Straße. Würzburgs Oberbürgermeister Helmuth Zimmerer sagte 1964 die Finanzierung und Bauträgerschaft der Stadt für eine neue Synagoge zu. Diese konnte schließlich am 24. März 1970 nach drei Jahren Bauzeit durch David Schuster, seit 1958 Vorsteher der Israelitischen Kultusgemeinde, unter Anwesenheit des Bischofs Josef Stangl am neuen Standort in der Valentin-Becker-Straße unweit des Bahnhofs Würzburg-Süd eingeweiht werden. Ab 2001 erfolgte der Umbau zu einem umfassenden Dokumentations-, Kultur- und Gemeindezentrum, das 2006 unter der Bezeichnung Shalom Europa eingeweiht wurde.
Weblinks Website zur Synagogengeschichte in Würzburg Website zum Jüdischen Leben in Würzburg Eintrag bei jewish-places.de Website von Shalom Europa
Einzelnachweise
Kategorie:Judentum in Würzburg Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Würzburg Kategorie:Sakralbau in Würzburg Wurzburg Kategorie:Erbaut in den 1830er Jahren Kategorie:Zerstört im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Zerstört in den 1950er Jahren