Die Zyklonsaison im Nordindik 1992 war eine überdurchschnittlich aktive Saison. Das India Meteorological Department (IMD) erfasste zwölf tropische Tiefdrucksysteme, von denen sieben die Stärke eines zyklonischen Sturms erreichten. Acht Systeme entstanden im Golf von Bengalen und vier im Arabischen Meer. Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) führte zusätzlich die im September entstandene Depression 05B.
Stärkstes System war der aus dem westlichen Pazifik eingewanderte Zyklon Forrest. Die schwersten Schäden verursachte der schwere zyklonische Sturm BOB 07 in Südindien. Insgesamt kamen während der Saison mindestens 400 Menschen ums Leben; weitere Hunderte galten als vermisst.
Stürme
Zyklonischer Sturm BOB 01
Eine Störung in der Monsunrinne entwickelte sich am 16. Mai im Golf von Bengalen zu einer Depression. Sie zog zunächst nach Nordwesten, drehte dann nach Nordosten und verstärkte sich nach Einschätzung des IMD zu einem zyklonischen Sturm. Am 19. Mai traf BOB 01 mit dreiminütig anhaltenden Windgeschwindigkeiten von 65 km/h im Rakhaing-Staat auf Myanmar. Das JTWC schätzte die einminütigen Windgeschwindigkeiten auf bis zu 120 km/h. Am folgenden Tag löste sich das System nahe der Grenze zu China auf.
In den Küstengebieten Myanmars wurden 433 Häuser zerstört und 24 Boote versenkt. Mindestens 27 Menschen kamen ums Leben, 19 weitere galten als vermisst.
Zyklonischer Sturm ARB 01
Anfang Juni entstand im südöstlichen Arabischen Meer ein Tiefdruckgebiet. Es entwickelte sich am 5. Juni zu einer Depression, wurde jedoch zeitweise durch starke Windscherung an einer raschen Intensivierung gehindert. Das System beschrieb zunächst eine schleifenförmige Zugbahn und erreichte am 11. Juni mit Windgeschwindigkeiten von 85 km/h seine größte Stärke. ARB 01 löste sich am folgenden Tag nördlich der Insel Sokotra auf, ohne Land zu erreichen.
Deep Depression BOB 02
Eine Monsunstörung organisierte sich am 17. Juni im Golf von Bengalen zu einer Depression und verstärkte sich wenig später zu einer Deep Depression. Sie zog nach Nordwesten und traf noch am selben Tag an der Küste von Orissa auf Land. Das Resttief zog anschließend bis nach Madhya Pradesh, wo es sich am 20. Juni auflöste. Das JTWC schätzte das System zeitweise stärker ein als das IMD.
Windböen bis 135 km/h und eine Sturmflut beschädigten Häuser und die Stromversorgung in den Distrikten Puri und Cuttack. Im Distrikt Puri starben sieben Menschen durch umstürzende Bäume. Vor der Küste galten 370 Fischer als vermisst. Das mit dem Monsun verbundene Resttief brachte auch weiter westlich Starkregen.
Deep Depression BOB 03
Am 24. Juli entwickelte sich im nördlichen Golf von Bengalen eine Depression. Sie zog westwärts, verstärkte sich zur Deep Depression und überquerte die Küste Orissas. Über dem östlichen Indien schwächte sich das System ab und löste sich am 28. Juli auf. Größere Schäden wurden nicht gemeldet.
Tropische Depression 05B
Ein Monsuntief zog am 21. September von Nordthailand in den Golf von Bengalen. Das JTWC stufte es am folgenden Tag als tropische Depression 05B ein. Das breit angelegte System erreichte einminütig anhaltende Windgeschwindigkeiten von 55 km/h und traf am 24. September im Süden Bangladeschs auf Land. Am folgenden Tag löste es sich über Indien auf. Das IMD führte 05B nicht als tropisches Tiefdrucksystem.
Zyklonischer Sturm ARB 02
Ein über Indien entstandenes Tiefdruckgebiet gelangte Ende September in das Arabische Meer und entwickelte sich dort zu einer Depression. ARB 02 zog westwärts und verstärkte sich am 1. Oktober zu einem zyklonischen Sturm. Vor dem Landfall im Osten Omans schwächte er sich ab und löste sich am 4. Oktober auf. In Sur fielen beim Durchzug 33 mm Regen und damit ein Vielfaches der dort üblichen Monatsmenge im Oktober.
Deep Depression BOB 04
Am 6. Oktober entstand im Golf von Bengalen eine Depression. Sie zog nach Westen, verstärkte sich zur Deep Depression und überquerte am 9. Oktober die Küste von Andhra Pradesh. Nach Einschätzung des JTWC erreichte das System kurzzeitig die Stärke eines tropischen Sturms.
Die Depression brachte dem südlichen Indien ergiebigen Regen. Besonders schwer betroffen war Kerala, wo Überschwemmungen und Erdrutsche 60 Menschenleben forderten. Mehr als 3000 Häuser wurden beschädigt; entlang der Flüsse Neyyar und Kallada mussten Bewohner in Notunterkünfte gebracht werden.
Zyklonischer Sturm BOB 05
Eine Depression entwickelte sich am 20. Oktober im nördlichen Golf von Bengalen und verstärkte sich nach Einschätzung des IMD zu einem zyklonischen Sturm. Sie zog nordostwärts und traf am folgenden Tag an der Küste Bangladeschs auf Land. Das System schwächte sich über dem Grenzgebiet zu Myanmar ab und löste sich am 22. Oktober auf.
Zyklonischer Sturm BOB 06
Anfang November organisierte sich im zentralen Golf von Bengalen eine Störung. Das System wurde am 3. November zum zyklonischen Sturm und erreichte Windgeschwindigkeiten von 85 km/h. Zunehmende Windscherung legte das Zirkulationszentrum frei; BOB 06 schwächte sich daraufhin ab und löste sich über dem offenen Meer auf.
Schwerer zyklonischer Sturm BOB 07
Ein aus dem Südchinesischen Meer stammendes Tief überquerte die Malaiische Halbinsel und gelangte am 8. November in den Golf von Bengalen. Das System zog westwärts, überquerte am 12. November den Süden Sri Lankas und verstärkte sich danach zu einem schweren zyklonischen Sturm. Nach einem weiteren Landgang in Südindien gelangte die abgeschwächte Zirkulation in das Arabische Meer, intensivierte sich erneut und traf am 17. November an der indischen Westküste auf Land.
Starkregen, Erdrutsche und Überschwemmungen verursachten vor allem in Tamil Nadu, Kerala, Karnataka und Andhra Pradesh schwere Schäden. Mindestens 263 Menschen kamen ums Leben, der überwiegende Teil davon in Tamil Nadu. Nahezu 100.000 Häuser wurden beschädigt oder zerstört; der Sachschaden belief sich auf etwa 69 Millionen US-Dollar. Mindestens 160 Menschen galten als vermisst.
Extrem schwerer zyklonischer Sturm Forrest
Der im westlichen Pazifik entstandene tropische Sturm Forrest überquerte am 15. November die Malaiische Halbinsel und gelangte in die Andamanensee. Er zog zunächst nach Nordwesten und dann nach Norden. Am 20. November erreichte Forrest im Golf von Bengalen seinen Höhepunkt mit dreiminütig anhaltenden Windgeschwindigkeiten von 185 km/h und einem minimalen Luftdruck von 952 hPa. Anschließend drehte der Zyklon scharf nach Osten und traf am 21. November abgeschwächt auf die Küste Myanmars.
Wegen der zunächst auf Bangladesch gerichteten Zugbahn wurden dort etwa 600.000 Menschen evakuiert. Die ostwärtige Kursänderung bewahrte das Land vor einem direkten Treffer; zwei Menschen kamen ums Leben, die Schäden blieben vergleichsweise gering.
Depression ARB 03
Am 29. November entwickelte sich südlich von Indien im Arabischen Meer eine Depression. Das JTWC schätzte das System zeitweise als deutlich stärker ein als das IMD. ARB 03 blieb über dem offenen Meer und löste sich am 4. Dezember unter dem Einfluss starker Windscherung auf.
Deep Depression ARB 04
Das letzte System der Saison entstand aus einer äquatornahen Störung im Arabischen Meer. Es entwickelte sich am 20. Dezember zu einer Depression, zog westwärts und verstärkte sich zur Deep Depression. Das JTWC stufte ARB 04 als tropischen Sturm ein. Am 24. Dezember traf das System in Somalia auf Land und brachte der trockenen Region ergiebigen, überwiegend nützlichen Regen. Schäden wurden nicht gemeldet.
Siehe auch Atlantische Hurrikansaison 1992
Einzelnachweise
Weblinks
India Meteorological Department Joint Typhoon Warning Center
Kategorie:Naturkatastrophe 1992 N1992