mini|Carl Heinrich von Klevenow, 1820 (Porträt von Carl Sieg, Kupferstich von Ludwig Buchhorn) Carl Heinrich von Klevenow (* 9. September 1749 in Stettin; † 3. Mai 1822 in Magdeburg), bis 1798 Carl Heinrich Klevenow, von 1808 bis 1813 auch französisch Charles-Henri de Klevenow, war ein Jurist in hohen Staats- und Justizämtern unter der königlich-preußischen sowie zeitweise der westphälischen Krone.

Er war Regierungsdirektor und Vizepräsident der Regierung in Magdeburg, während der napoleonischen Herrschaft Präsident des Kriminalgerichtshofes des Elbe-Departements im Königreich Westphalen und seit 1816 Chefpräsident des Oberlandesgerichts Magdeburg.

Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Johann Christian Philipp wurde Carl Heinrich Klevenow am 5. Juni 1798 durch Friedrich Wilhelm III. geadelt; fortan führten beide den Namen von Klevenow und das ihnen verliehene Familienwappen.

Ein 1813 von Jérôme Bonaparte ausgestelltes Patent bestätigte Klevenows Adel im Königreich Westphalen und erhob ihn zugleich zum Ritter des Königreichs.

Leben Werdegang Carl Heinrich Klevenow wurde 1749 in Stettin geboren, das seit 1720 zum Königreich Preußen gehörte und ein bedeutendes Verwaltungszentrum Pommerns war; sein Vater stammte ursprünglich aus Mecklenburg. Von 1758 bis 1766 besuchte er das Pädagogium des Klosters Unser Lieben Frauen in Magdeburg und studierte anschließend bis Ostern 1769 Rechtswissenschaften in Halle. Nach praktischer Ausbildung beim Magdeburger Kriminalrat Werner wurde er im Januar 1770 als Referendar bei der Magdeburger Regierung angenommen. Das Große Examen bestand er 1773; am 11. März desselben Jahres wurde er zum Regierungsrat ernannt. Seit 1795 war er daneben Kommissarius und Justitiar des Magdeburger Bankkontors, 1797 folgte seine Ernennung zum Regierungsdirektor.

1800 wurde Klevenow für eine Stelle am Obertribunal in Betracht gezogen. Eine zeitgenössische Konduitenliste bezeichnete ihn als besonders fleißigen und akkuraten Beamten, der wesentlich zur guten Ordnung des Magdeburger Regierungskollegiums beitrage.

1803 lehnte er die Leitung der neu eingerichteten Regierung in Heiligenstadt ab und wurde stattdessen am 4. September desselben Jahres zum Vizepräsidenten der Magdeburger Regierung ernannt. Die Ernennung wurde mit seiner bereits 34-jährigen Tätigkeit im Justizdienst und dem erweiterten Aufgabenbereich der Behörde begründet. Bis 1806 nahm er wesentlichen Anteil an den Präsidialgeschäften; nach Straubel trug er dazu bei, dass die Magdeburger Regierung zu den angesehensten Kollegien des preußischen Staates gehörte.

Nach der preußischen Niederlage von 1806 und der Eingliederung Magdeburgs in das neu gegründete Königreich Westphalen wechselte er in dessen Justizdienst. 1808 wurde er Präsident des Kriminalgerichtshofs des Elbe-Departements mit Sitz in Magdeburg. 1811 wurde er zum Ritter des Ordens der Westphälischen Krone ernannt. König Jérôme Bonaparte bestätigte 1813 seinen preußischen Adel und verlieh ihm zugleich den Rang eines Ritters des Königreichs Westphalen.

Nach dem Ende des Königreichs Westphalen kehrte Klevenow 1814 in den preußischen Justizdienst zurück. 1816 wurde er als Nachfolger von Wilhelm Gottlieb von Vangerow Chefpräsident des Oberlandesgerichts Magdeburg. 1817 erhielt er den Roten Adlerorden.

Im März 1822 ließ er sich auf eigenen Wunsch aus dem Amt entbinden;Staats- und Gelehrte Zeitung, Hamburg, vom 22. März 1822 (Am 19. März 1822 wurde er pensioniert) zu seinem Nachfolger wurde Hans Carl Erdmann von Manteuffel, bis dahin Chefpräsident des Oberlandesgerichts Ratibor, berufen. Wenige Wochen später starb Klevenow im Alter von 72 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hatte er insgesamt 52 Jahre in königlichen Diensten gestanden.

Herkunft Familie Johann Heinrich (Vater) aus Mecklenburg

Carl Heinrich Klevenow war ein Sohn des aus Sternberg in Mecklenburg stammenden Johann Heinrich Klevenow (1709–1781), der das Gymnasium in Güstrow besuchte und anschließend in Rostock und Jena studierte. Später trat er in preußische Dienste und stieg in der Finanz- und Kameralverwaltung auf. In einer Kabinettsorder Friedrichs II. vom 9. Juni 1755 erscheint er in der Schreibweise „Klevenau“ als bisheriger Kriegsrat und Kammersekretär in Stettin; zugleich wurde er an die Magdeburger Kriegs- und Domänenkammer versetzt und dort zum Kriegs- und Domänenrat mit Sitz und Stimme ernannt. Sein jährliches Gehalt betrug 654 Taler, hinzu kamen eine freie Dienstwohnung in Magdeburg sowie die Aufgabe, die Messen in Leipzig und Braunschweig zu bereisen. In der bereits am 12. Juni 1755 ausgefertigten Bestallung wird sein Name wieder als Klevenow geführt; zugleich erhielt er das Amt des Commissarius loci für Alt- und Neustadt Magdeburg sowie Sudenburg.

Zur Namensform: „Klevenau“ und „Klevenow“ sind historische Varianten desselben Namens; vergleichbar ist der Wechsel von Spandow zu Spandau.

Johann Christian Philipp (Bruder)

Carl Heinrichs älterer Bruder Johann Christian Philipp (von) Klevenow (1744 in Stettin; † 1818/19 in Berlin) trat wie der Vater in den höheren preußischen Verwaltungsdienst ein und führte die familiäre Tradition in der Finanz- und Kameralverwaltung fort. 1776 berief ihn Friedrich II. bei der Besetzung einer vakanten Stelle im Königsberger Kammerkollegium gegen einen anderweitigen Vorschlag zum Kriegs- und Domänenrat. 1784 wechselte Klevenow nach Berlin und wurde Finanzrat, später Geheimer Oberfinanzrat im General-Ober-Finanz-Kriegs- und Domänen-Direktorium, einer der obersten Zentralbehörden des preußischen Staates. Um 1800 gehörte Johann Christian Philipp mit einem Jahreseinkommen von 3.405 Talern zu den überdurchschnittlich besoldeten älteren Finanzräten des Generaldirektoriums.

Während der Staatskrise von 1806 erscheint Johann Christian Philipp von Klevenow auch in den Aufzeichnungen des Prinzenerziehers Friedrich Delbrück. Nach der Niederlage bei Jena und Auerstedt hielten sich die aus Berlin geflohenen Königskinder auf dem Weg nach Königsberg acht Tage in Danzig auf, darunter der fünfjährige Prinz Carl und die erst dreijährige Prinzessin Alexandrine. Am 30. Oktober saß Delbrück bei einem Abendessen, die Kinder speisten für sich, unmittelbar neben dem Geheimen Oberfinanzrat von Klevenow. So wird Klevenow in Delbrücks Tagebuch für einen Abend unmittelbar im Umfeld jener königlichen Reisegesellschaft greifbar, die auf der Flucht vor den französischen Truppen nach Ostpreußen unterwegs war.

Namensherkunft Vom Ortsnamen zum Familiennamen mini|Mittig im Bild ist die als „Dorp-Städte“ bezeichnete Stelle des untergegangenen mittelalterlichen Dorfes Clevena südwestlich von Reinstorf zu erkennen; Ausschnitt aus der Schmettauschen Karte von 1788.

Der Familienname Klevenow stammt aus Mecklenburg und ist besonders früh in Güstrow belegt. Nach einer landesgeschichtlichen Untersuchung führte die alte Güstrower Familie ihren Namen nach dem mittelalterlichen Dorf Clevena südwestlich von Reinstorf bei Viezen, nordwestlich von Bützow, in einem ursprünglich westslawisch besiedelten Gebiet. Das spätestens im 13. Jahrhundert zum Besitz des Bistums Schwerin gehörende Dorf wurde 1280 von Bischof Hermann dem Kollegiatstift Bützow übertragen; als Zeuge des Rechtsgeschäfts ist etwa der Ritter Detlef von Reventlow belegt.Finn Holbek: Hr. Detlef von Reventlow. In: Skeel, Schaffalitzky og Ahlefeldt, Eintrag zu Detlef von Reventlow; dort für den 17. August 1280 als Ritter und Zeuge beim Verkauf des Dorfes Clevena durch Bischof Hermann von Schwerin an das Kollegiatstift Bützow genannt. Im 15. Jahrhundert war Clevena bereits wüst; seine Hufen wurden fortan von Viezen aus bewirtschaftet. Auf der Schmettauschen Karte des 18. Jahrhunderts ist seine ehemalige Lage noch als „Dorp-Städte“ bezeichnet. mini|Burg Clevenow bei Grimmen, Lithographie aus dem 19. Jahrhundert von Alexander Duncker. Der bereits 1370 als Clevena belegte Ort gelangte im späten 15. Jahrhundert an die Familie von Wakenitz. mini|Renaissance-Epitaph des Güstrower Ratsherrn Christian Clevena/Clevenow († 1576), mit den Wappen seiner Söhne, des Ratsherrn Sigismund und des Bürgermeisters Lorenz, sowie ihrer Ehefrauen Elisabeth Knoll und Anna Hagemeister. Historische Kirchenbücher, Universitätsmatrikeln und archivalische Quellen belegen zahlreiche wechselnde Schreibungen des Familiennamens. Zu den älteren, dem Ortsnamen nahestehenden Formen zählen Clevna, Klevena, außerdem Cleuene und Glebna; später sind insbesondere Clevenow, Klevenow und Klebenow überliefert,Kirchenbuch St. Georg Parchim, Taufen 1828/1829, Eintrag Nr. 181 („Maria Dorothea Friederike geb. Klebenow (Clevenow)“), Sicherungsverfilmung Landesarchiv Greifswald, Film-Nr. 10.72-4, Aufnahme 0942.Town of Corning History Book (Richard Berndt), Klebenow Family. The Klebenow (Klevenow) ancestors were from Mestlin in the District of Schwerin, Province of Mecklenburg, Prussia, in the northern most part of Germany. There were five villages in that area where the Klebenows (Klevenows) and related families lived. The first direct Klebenow (Klevenow) ancestors to arrive in the United States were the Johann Klebenow (Klevenow) family. Reindl Printing 2019, Merril, Wisconsin.Ein privater genealogischer DNA-Vergleich bei MyHeritage stützt zusätzlich den Zusammenhang der Namensformen Klebenow, Clevenow und Klevenow. Bei einem getesteten Namensträger Klebenow wurde eine DNA-Übereinstimmung mit einem Namensträger Clevenow von 9,7 cM auf einem gemeinsamen Segment festgestellt; in den hinterlegten Stammbäumen erscheint zugleich Klevenow als gemeinsamer Familienname. Angesichts der Seltenheit dieser Familiennamen stellt diese Kombination einen starken genealogischen Hinweis auf einen gemeinsamen familiären Ursprung der Namensformen dar. ferner Klevenau sowie die nur vereinzelt vorkommenden Schreibweisen Clebenow,Volkszählung im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin vom 3. Dezember 1867, Zählungsliste, Familienname „Clebenow“, Landeshauptarchiv Schwerin; Digitalisat bei Ancestry, Sammlung Mecklenburg-Schwerin, Volkszählung, 1867, Bildkennung CSDEU1867_15016-0342. Kläbenow und Klewenow.Universität Greifswald, GeoGREIF – Geographische Sammlungen: Boltenhagen, Klevenow (Klewenow), Amt/Distrikt Grimmen, Matrikelkarte der Landesaufnahme von Schwedisch-Pommern, Signatur AIV a 14, Landesarchiv Greifswald.

Eine Herkunft der Familie Cleve/Clevena aus dem westlichen Raum zwischen Westfalen, Niederrhein, Brabant und den Niederlanden erscheint im Zusammenhang mit der Ostsiedlung Mecklenburgs seit dem späten 12. und besonders im 13. Jahrhundert möglich. Für die im 13. Jahrhundert entstehenden Ostseezentren Wismar und Rostock ist ausdrücklich die Ansiedlung westfälischer Kaufmannsfamilien unter anderem aus Lemgo belegt. In Westfalen sind zudem die Namensformen Cleve, Cliven, Cleven und selbst Clevena überliefert (wohl mit Bezug zu Kleve); letzteres etwa bei Bruno Clevena, 1370–1373 Vizearchidiakon von Lemgo; zudem sind rund 30 km von Lemgo entfernt ein Haus Clevena (1330)Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, D 356u / Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden / Urkunden, Nr. 71, 20. November 1330. und ein Kotten Clevena (1363)Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen, D 356u / Kloster St. Mauritz und Simeon, Minden / Urkunden, Nr. 101, 18. November 1363. überliefert. Vergleichbare Wanderungen sind auch bei anderen angesehenen Cleve-Familien greifbar, etwa bei der aus Antwerpen überlieferten Beamtenfamilie Cleve, die sich in braunschweigisch-lüneburgischen Diensten dauerhaft etablierte, sowie bei den Cleven/Clewen im niederrheinischen Gangelt, die dort als Schöffen und Bürgermeister erscheinen. Das 1280 bei Viezen i.M. belegte Dorf Clevena und der 1370 bei Grimmen ebenfalls noch als Clevena bezeichnete, ab 1387 Clevenow genannte Ort könnten auf die Verlagerung eines Familienzweiges innerhalb des Schweriner Herrschaftsraums hindeuten.