Die Schwarztangare (Tachyphonus rufus, Syn.: Oriolius melaleucus, Tachyphonus rufus rubrirostris, Tachyphonus rufus subulirostris) ist eine Vogelart aus der Familie der Tangaren (Thraupidae), die in Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Argentinien und auf Trinidad und Tobago verbreitet ist. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingeschätzt. Die Art gilt als monotypisch.

Merkmale mini|links|Schwarztangare ♀ Die Schwarztangare erreicht eine Körperlänge von ca. 17,0 cm bei einem Gewicht von ca. 25,7 bis 42,2 g. Das Männchen ist vollständig glänzend blauschwarz, mit Ausnahme der weißen Unterflügeldecken, die aussehen wie ein weißer Blitz, wenn der Vogel fliegt. Eine kleine Menge Weiß befindet sich am Flügelbug und gelegentlich auf den Randdecken. Sitzt der Vogel, ist diese fast immer verdeckt. Die Iris ist dunkel braun, der Schnabel schwärzlich, der Unterschnabel blaugrau mit Schwarz an der Spitze, das sich oft über die vordere Hälfte erstreckt und die Beine sind horngrau bis dunkel grau. Das Weibchen ist einheitlich fuchsrot, nur auf der Unterseite etwas heller. Die dunklen Schwungfedern sind fuchsrot gesäumt und getönt. Jungvögel ähneln dem Weibchen. Das subadulte Männchen ist ähnlich, hat aber einen variablen Anteil an schwarzer Scheckung und Flecken, die fast überall im Gefieder auftreten können.Steven Leon Hilty u. a. (2020)

Lautäußerungen Der Gesang der Schwarztangare ist in Venezuela nur selten zu hören und wird bisweilen im Flug vorgetragen. Es ist ein lebhafter geschwätziger Laut, der wie tschui, tschuit, tschuit-tschuit-tschuit usw. klingt, bei dem die erste Silbe am stärksten betont ist. Aus Mérida ist ein leises zögerliches tschiwank, wink, tschiwank, wink, tschiwank... bekannt, wobei der erste Ton in einem gemächlichen hypnotischen Rhythmus fällt und der zweite steigt. Auf Trinidad wird der Gesang als ein einigermaßen musikalisches tschip-tschiwer, tschip-tschur, tschip-whiio, tschiru, tschip-tschui oder tschip-tschip-whir beschrieben, das rasch und wiederholt vorgetragen wird. Der Morgengesang besteht aus 2 bis 4 Phrasen, die durch Pausen von 5 bis 6 Sekunden voneinander getrennt sind. In Ecuador wird der Gesang als ein musikalisches, aber repetitives tschip tschirp wip tschirp tschip tschirp wip... beschrieben. Der Ruf ist ein leises, ansteigendes suit.

Fortpflanzung Nachweise für die Brutsaison der Schwarztangare liegen für Panama im Mai vor, in Venezuela im Februar, April, Juni und Oktober bzw. am Oberlauf des Orinoco im März bis Mai, auf Trinidad im Februar bis August und November, aber überwiegend von April bis Juni, in Peru vom Januar bis März sowie in Pará von Oktober bis Januar und in Mato Grosso im Oktober. Das Nest ist massig und napfförmig und wird aus Blättern, Ranken und feinen Wurzeln gebaut. Meist geschieht das in 1,2 bis 6 Meter Höhe in Sträuchern oder Bäumen. Einmal wurde eines auch in hohem Gras gefunden. Gelegentlich befindet es sich auch in bis zu 12 Meter Höhe in Bäumen oder Bananenstauden. Ein Gelege besteht aus zwei bis drei weiß bis hell purpurfarben Eiern, selten auch nur aus einem Ei, mit dunklerer Zeichnung. Die Bebrütung der Eier erfolgt nur durch das Weibchen und dauert 14 bis 15 Tage. Die Fütterung der Küken erfolgt durch beide Altvögel. Der Seidenkuhstärling (Molothrus bonariensis) parasitiert das Nest der Schwarztangare.

Verhalten und Ernährung Von 22 untersuchten Mägen der Schwarztangare enthielten sieben ausschließlich pflanzliche und elf ausschließlich tierische Bestandteile, während vier eine Mischung aus beidem aufwiesen. Das Nahrungsspektrum umfasste Ameisen, Käfer, Schnabelkerfen, Zweiflügler, Webspinnen, Federfragmente sowie Früchte, Beeren und Samen. Zudem wurde in Venezuela beobachtet, wie sie Raupen, einen Schmetterling und eine Laubheuschrecke fraß. Es wurde beobachtet, dass sie Papayas, Guaven sowie andere Kultur- und Gartenfrüchte verzehren. Auf Trinidad wurden 28 verschiedene Fruchtarten im Nahrungsspektrum nachgewiesen, wobei Epiphyten 35 %, Miconia-Arten 20 % und Cecropia-Arten 14 % des Gesamtanteils ausmachten. Sie tritt fast immer paarweise auf. Die Partner halten sich eng beieinander auf und verbleiben in niedriger Höhe in buschigen Lichtungen. Oft erscheint sie kurz im Freien, bevor sie davonfliegt, wobei ein Partner dem anderen im Tiefflug über die Lichtung folgt. Gewöhnlich schließt sie sich keinen gemischten Vogelschwärmen an. Es ist ein recht aktiver Vogel, der beim Hüpfen und beim Absuchen des Blattwerks oft mit den Flügeln zuckt. Die die Nahrungssuche erfolgt meist in den Straten von weniger als 6 Meter Höhe über dem Boden, häufig auch direkt am Boden. In allen Verbreitungsgebieten neigen sie dazu, sich während der Nahrungssuche verborgen zu halten. Von 238 auf Trinidad registrierten Nahrungsaufnahmen entfielen 60 % auf Früchte, 30 % auf die Insektenjagd und 10 % auf Blütenbesuche. Kleine Früchte werden vor dem Verzehr meist zerdrückt, Blüten oder Blütenteile werden abgepflückt oder ausgepresst, vermutlich um an den Nektar zu gelangen. Insekten sammelt sie von Blättern ab, unternimmt kurze Vorstöße in die Luft und lässt sich regelmäßig auf den Boden fallen, um Insekten zu erbeuten. Bei 74 beobachteten Fällen des Insektenfangs erfolgten 51 % am Boden, 32 % im Blattwerk, 14 % durch Vorstöße in die Luft und 3 % von Ästen aus. Gelegentlich wurden sie an Schwärmen von Wanderameisen sowie beim Fangen fliegender Termiten beobachtet.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Schwarztangare (grün) Die Schwarztangare ist eine Art, die nicht im geschlossenen Wald vorkommt, sondern auf buschigen Lichtungen, an feuchten Waldrändern sowie in Kulturflächen, Plantagen und Gärten anzutreffen ist. Sie bewegt sich in Höhenlagen vom Tiefland bis auf ca. 1800 Meter, gelegentlich etwas höher, in feuchten Vorgebirgs- und Bergregionen in Venezuela und Kolumbien.

Migration Die Schwarztangare ist vermutlich ein Standvogel.

Etymologie und Forschungsgeschichte

Die Erstbeschreibung der Schwarztangare erfolgte 1783 durch Pieter Boddaert unter dem wissenschaftlichen Namen Tangara rufa. Als Verbreitungsgebiet gab er Cayenne an.Pieter Boddaert (1847), S. 44. Bereits 1816 hatte Louis Pierre Vieillot die Gattung Tachyphonus für die Schwarztangare ein.Louis Pierre Vieillot (1816), S. 33 Das Wort ist griechischen Ursprungs und leitet sich aus den Worten „takhus “ für „schnell“ und „phōneō “ für „sprechen“ ab.Tachyphonus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Der Artname rufus leitet sich aus ab.rufus The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Tachyphonus rufus subulirostris , 1935Olivério Mário de Oliveira Pinto (1935), S. 268 und Tachyphonus rufus rubrirostris , 1935Olivério Mário de Oliveira Pinto (1935), S. 300 werden heute als Synonyme zur Nominatform betrachtet. Subulirostris ist ein Wortgebilde aus und subulirostris The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling, rubrirostris aus und .rubrirostris The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay acht Bälge, gesammelt durch Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973), Michael Mathias Kiefer (1902–1980) und Hans Krieg (1888–1970) in Zanja Moroti im Bergland des Río Apa, in Puerto Casado und Puerto Sastre im Gran Chaco, zur Verfügung. Er betrachtete Tachyphonus rufus als Art für das Land. In der Literatur sah er Nachweise für das Land in Fortín Page am Río PilcomayoJohn Graham Kerr (1892), S. 124. durch John Graham Kerr, in einem von Alfredo Borelli (1858–1943) gesammelten Exemplar aus der Colonia RissoTommaso Salvadori (1895), S. 4., in einem von Richard Otto Rohde (1855–1912) gesammelten Exemplar aus Lambaré, das durch Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch beschrieben wurdeHans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch (1887), S. 7., in einem von Félix Posner (1873–?1930) in Monte SociedadArnaldo de Winkelried Bertoni (1930), S. 254. gesammelten Balg, der von Arnaldo de Winkelried Bertoni beschrieben wurde und in Puerto PinascoAlexander Wetmore (1926), S. 197. im Departamento Presidente Hayes durch Alexander Wetmore. Viele dieser Publikationen nannten das Synonym Oriolus melaneucus , 1787.Anders Sparrman (1787), Tafel 31 & Text. Zusätzlich erwähnte Laubmann Yiperú del negro cobijas blancasFélix de Azara (1805), S. 326–328. von Félix de Azara als Nachweis für die Art.Alfred Laubmann (1940), S. 164.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

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