Madeleine (Milou) Jacob, verheiratete Jampolsky (geboren 18. März 1923 im 15. Arrondissement, Paris; gestorben 14. August 1952 in Meaux, Département Seine-et-Marne), war eine jüdische französische Holocaust-Überlebende. Sie überlebte die Internierung im KZ Auschwitz, in das sie gemeinsam mit ihrer Mutter Yvonne Steinmetz und ihrer jüngeren Schwester, der späteren Politikerin Simone Veil, deportiert worden war. Die Mutter starb 1945 im KZ Bergen-Belsen an Typhus. Ihre jüngere Schwester, die Widerstandskämpferin Denise Vernay, überlebte die Internierung im KZ Ravensbrück.
Leben Jacob war das erste von vier Kindern von André Jacob (1891–1944), einem Architekten, und Yvonne Steinmetz (1900–1945). Sie hatte zwei jüngere Schwestern, die Widerstandskämpferin Denise Vernay und die Politikerin Simone Veil, sowie einen jüngeren Bruder namens Jean. 1924 zog die Familie von Paris nach Nizza.
Am 18. März 1944 traf sich die Familie zum 21. Geburtstag von Madeleine Jacob in Nizza. Nur zehn Tage später wurden ihre Eltern, der Bruder und die Schwestern außer Denise, die bereits im Untergrund war, als Juden verhaftet. Die Frauen wurden in das KZ Auschwitz deportiert. Der Vater und der Bruder wurden am 15. Mai 1944 mit dem Convoi No. 73 vom Sammellager Drancy aus nach Deutschland deportiert. Ihre Spur verliert sich in Litauen, sie wurden nie wiedergefunden.Eintrag zu „André Jacob“, Acte de naissance n° 207 du 3 février 1891, Paris, Mairie du IXe arrondissement.
Im Januar 1945 evakuierten die Nationalsozialisten die Lager von Auschwitz angesichts des Vormarsches der Sowjets. Die drei Frauen waren Teil eines Todesmarsches von Auschwitz in die Außenläger in Gleiwitz. Von dort wurden sie per Zug weitertransportiert. Die männlichen Gefangenen wurden ins KZ Mittelbau-Dora verbracht, der einzige Waggon mit Frauen hingegen in das KZ Bergen-Belsen. Die Mutter starb dort am 15. März 1945 an Typhus. Nach dem Tod der Mutter kümmerte sich Jacob, obwohl sie selbst auch krank war, um ihre jüngere Schwester. Am 15. April 1945 wurden Madeleine und Simone Jacob in Bergen-Belsen von britischen Streitkräften befreit.
Die Schwestern blieben in den Jahren nach Kriegsende eng befreundet. Jacob heiratete 1949 Pierre Jampolsky, mit dem sie einen Sohn, Luc, hatte. Im Sommer 1952 luden Simone und ihr Ehemann Antoine Veil, die in Stuttgart lebten, Madeleine Jacob und deren Familie zu einem Urlaub ein. Am 14. August 1952 prallte ihr Auto auf dem Rückweg in der Nähe von Meaux gegen einen Baum. Jacob starb auf der Stelle, und ihr einjähriger Sohn Luc erlag im Krankenhaus einer nicht diagnostizierten Schädelfraktur. Pierre Jampolsky überlebte. Er heiratete am 27. August 1953 in zweiter Ehe Rosina Clauser.
2022 produzierte der Regisseur David Teboul einen Dokumentarfilm über das Schicksal der Schwestern Jacob mit dem Titel Simone Veil et ses sœurs nées Jacob, der auf ihren Briefen und denen ihrer Eltern, insbesondere zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung im Jahr 1944, sowie auf den Schriften von Madeleine Jacob basierte.
Einzelnachweise
Kategorie:Person des jüdischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus Kategorie:Häftling im KZ Auschwitz Kategorie:Häftling im KZ Bergen-Belsen Kategorie:Überlebender des Holocaust Kategorie:Unfallopfer (Straßenverkehr) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 1952 Kategorie:Frau