Rosalie Jacqueline Mesnil-Amar, geborene Perquel (geboren 23. April 1909 im 16. Arrondissement, Paris; gestorben 19. April 1987 im 6. Arrondissement, Paris), war eine jüdische französische Holocaust-Überlebende, Journalistin und Autorin mehrerer Veröffentlichungen über diese Zeit. Als Tochter einer assimilierten bürgerlichen Familie geboren, hob sie darin besonders hervor, wie die Verfolgung sie zwang, sich wieder als Jüdin zu begreifen.Soweit nicht explizit anders angegeben folgt die Darstellung:
Leben Mesnil-Amar wurde in eine assimilierte jüdische Familie aus Lothringen hineingeboren, die nur noch eine sehr entfernte Verbindung zum Judentum hatte. Ihr Vater Jules Perquel (1871–1953), ein Finanzier, war Eigentümer der Zeitung Le Capital. Ihre Mutter Ellen Allatini (1880–1972) war aus einer italienisch-stämmigen Familie.
Am 9. Februar 1930 heiratete sie in der Großen Synagoge in Paris André Amar (1908–1990), einen jungen Absolventen der École normale supérieure aus einer jüdischen Bankiersfamilie aus Thessaloniki, der ebenfalls vollständig vom Judentum entfremdet war. Diese Ehe hinderte sie nicht daran, ihr Studium fortzusetzen und an der Sorbonne einen Bachelor-Abschluss in Vergleichender Literaturwissenschaft zu erwerben. 1934 wurde ihre Tochter Sylvie geboren.
Nach dem Ende des Westfeldzugs 1940 wurde André Amar in Vichy aus dem Militärdienst entlassen und das Ehepaar ging nach Aix-les-Bains und anschließend nach Marseille. Schockiert von den auch sie betreffenden antijüdischen Gesetzen des Vichy-Regimes, beteiligten sie sich an der Gründung einer zionistischen Zeitung namens Chem. Es gelang ihnen jedoch nicht, die Freilassung ihrer Eltern zu erwirken, die in Paris geblieben und im Sammellager Drancy interniert worden waren. Mesnil-Amars Eltern, die Großeltern von André Amar und sein Bruder Emmanuel wurden in Auschwitz-Birkenau ermordet.
1942 schloss sich André Amar der Résistance an und trat der Organisation juive de combat bei. Am 18. Juli 1944 wurde er verhaftet und mit dem letzten Transport (Convoi no 79), der am 17. August vom Sammellager Drancy noch nach Auschwitz-Birkenau aufbrach, deportiert. Es gelang ihm zu fliehen, und am 25. August 1944 kehrte er in Begleitung von etwa fünfzehn Deportierten in das gerade befreite Paris zurück. Während der Zeit irrte Mesnil-Amar von Versteck zu Versteck und unternahm vergeblich zahlreiche Schritte, um die Freilassung ihres Mannes zu erwirken. Mesnil-Amar führte in den Tagen ein Tagebuch. Darin hielt sie ihre Angst fest, dass ihr Mann gefoltert und hingerichtet werden könnte. Sie berichtete darin auch von ihren unbeschwerten Jahren, von der Wiederentdeckung ihrer jüdischen Identität, die ihr wider Willen widerfuhr: „Man hat uns langsam von außen zu Juden gemacht, uns, die wir das so gut vergessen hatten“, sowie von der Freude der Pariser bei der Befreiung von Paris, an der sie keinen Anteil haben konnte.
Die Ausgebrochenen aus der Gruppe um André Amar gründeten den Service Central des Déportés Israélites (SCDI), um alle Informationen über Deportierte und ihre Familien zentral zu bündeln. Jacques Lazarus wurde Generalsekretär des SCDI. André Amar stellte Büroräume der Banque Amar am Boulevard Haussmann zur Verfügung. Mesnil-Amar leitete die Redaktion eines monatlichen Bulletins. Sie dokumentierte vor allem die Berichte der nach Paris zurückgekehrten Deportierten, die im von De Gaulle requirierten Hôtel Lutetia untergebracht worden waren. Die Berichte waren zum Beispiel: Nous sommes tous responsables (15. November 1944, „Wir sind alle verantwortlich“) Pour eux (15. Dezember 1944, „Für sie“) Pas un deuil, pas une larme en vain (15. Mai 1945, „Keine Trauer, keine Träne umsonst“) Ceux qui dorment la nuit (20. September 1945, „Diejenigen, die nachts schlafen“) Une enfance perdue et retrouvée (5. Mai 1946, „Eine verlorene und wiedergefundene Kindheit“)
Eine Auswahl der Texte bildete 1957 den zweiten Teil Des temps tragiques aux temps difficiles („Von tragischen Zeiten zu schwierigen Zeiten“) ihres Buches Ceux qui ne dormaient pas („Die, die nicht schliefen“). Das zwischen dem 8. Juli und dem 25. August 1944 verfasste Journal des temps tragiques bildete den ersten Teil dieses Buches. Das Buch hatte keinen Erfolg, wurde jedoch 2009 neu aufgelegt.
Mesnil-Amar und ihr Ehemann wandten sich dem Judentum zu. Sie beschäftigten sich intensiv mit jüdischer Literatur und jüdischen Quellen, lernten Hebräisch und reisten mehrfach nach Israel. Sie schrieb für Zeitschriften wie Europe, Les Cahiers du Sud, La Revue de la pensée juive und Les Nouveaux Cahiers. Sie widmete sich insbesondere jüdischen Themen in der französischen Literatur, Schriftstellern jüdischer Herkunft sowie jüdischen Figuren in den Werken von Honoré de Balzac oder Anatole France.
1976 veröffentlichte Mesnil-Amar in Les Nouveaux Cahiers, einer Publikation der Alliance Israélite Universelle, einen autobiografischen Bericht mit dem Titel Nous étions les juifs de l’oubli („Wir waren die Juden des Vergessens“). Darin schilderte sie ihre Illusionen als junge, säkularisierte Bürgerliche:
Mesnil-Amar starb im April 1987 in Paris.
Werke
2009 erhielt das Werk den Grand Prix de l’Héroïne Madame Figaro in der Kategorie „Biografie/Erzählung“. Neuauflage: Englische Ausgabe:
Einzelnachweise
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