Franz Josef Hehl (* 5. August 1940; † 10. März 2019 in Ratingen-Homberg) war ein deutscher Psychologe und emeritierter Professor an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.Traueranzeige Franz Josef, abgerufen am 10. Sep. 2026.
Leben Er studierte Psychologie und promovierte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; hier habilitierte er sich 1978 mit der Arbeit Ein psychodiagnostisches System für die medizinische Praxis: Konstruktion, Praktikabilität, Validität er sich an der dortigen Abteilung für Medizinische Psychologie.
Kurz nach seiner Habilitation bekam er die Professur für Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie am Institut für Experimentelle Psychologie der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät Universität Düsseldorf. 2005 wurde er emeritiert. Zudem war er seit 1974 als Paar- und Familientherapeut sowie in der Systemischen Therapie und Beratung tätig.
Werk In seinen ersten Jahren in Düsseldorf beschäftigte er sich mit der Entwicklung von Fragebögen zur diagnostischen Erfassung von Persönlichkeitseigenschaften. Für die Validierung des Persönlichkeitsmodells von Hans-Jürgen Eysenck („PEN-Modell“ mit den drei Faktoren Psychotizismus, Extraversion und Neurotizismus) wurde er von 1999 bis 2002 durch Sachbeihilfen der DFG unterstützt. Dabei wurden auch alternative Modellen der Persönlichkeit wie das Fünf-Faktoren-Modell einbezogen. Zudem wurde die Validität der Annahme einer „Suchtpersönlichkeit“ untersucht und die Frage, ob Extraversion eine Disposition für die Intensität positiver Affekte darstellt. Auch die Kohärenz zwischen mimischem Verhalten und emotionalem Erleben wurde geprüft. Untersuchungen zum PEN-Modell der Persönlichkeit auf DFG, abgerufen am 10. September 2026.
Er selbst entwickelte das „Persönlichkeits-Skalen-System 25“ (PSS 25), das 25 Persönlichkeits‑ und Einstellungsdimensionen (u. a. Einstellungen zu Gesundheit und Körper, Selbstwert und Selbstsicherheit, Abhängigkeit und Autonomie, Konfliktverhalten, Emotionale Stabilität, Interpersonelle Sensitivität) umfasst und einer der umfangreichsten Persönlichkeitsfragebögen seiner Zeit war. Die darin enthaltenen Skalen wurden teils nach dem Rasch-Modell, teils nach der Klassischer Testtheorie konstruiert. Aus diesem wegen seiner Komplexität wenig angewandtem Verfahren entwickelte er 1983 den „Psychosomatischen‑Einstellungs‑Fragebogen“ (PEF) zur Erfassung von Einstellungen, Krankheitskonzepten und subjektiven Krankheitstheorien von Patienten im Kontext psychosomatischer Störungen. Seine zehn Einstellungsdimensionen (Körperbezogene Einstellungen, Krankheitsverarbeitung, Selbstwert und Selbstunsicherheit, Abhängigkeit und Nähebedürfnis, Konfliktvermeidung, Emotionalität und Belastbarkeit) sind Rasch‑skaliert.
Ein späteres seiner Forschungsthemen betraf die Untersuchung des Einflusses der Herkunftsfamilie auf das Erleben und Verhalten von Menschen sowie die Diagnostik anhand von Familienkonstellationen. Seine Arbeiten zur Familienkonstellation und Herkunftsfamilie gelten als frühe Beiträge zu einer stärker systemischen Sichtweise in der Persönlichkeitspsychologie. Hier entwickelte innovative diagnostische Methoden. Sein „Familien‑Skulptur‑Test“ (FST) erfasst die Beziehungsstrukturen der Herkunftsfamilie durch räumliche, nonverbale Darstellung mittels Figuren. Ziel ist es dabei, die frühen Beziehungserfahrungen aufzudecken, die später Partnerschaft, Bindung, Sexualität und Selbstwert prägen. Die Klienten stellen dabei ihre Herkunftsfamilie mit Holzfiguren räumlich dar; dadurch werden implizite Beziehungsschemata sichtbar, die verbal oft nicht zugänglich sind. Er ging davon aus, dass Bindungsstile, Liebesbedürfnisse, Konfliktmuster und sexuelle Schwierigkeiten aus frühen familiären Erfahrungen entstehen und dass diese Muster später in Partnerschaften weiterwirken. Später Entwickelte er den FST zum „FamilienSchach“ weiter – ein therapeutisches Brettspiel, das Diagnostik und Intervention verbindet. Das Spiel soll Einfluss, Nähe, Konflikte und Rollen sichtbar machen.
Ein weiteres seiner Gebiete war die Humorforschung; hierbei untersuchte er mit Willibald Ruch die psychologischen Mechanismen von Humor und dessen therapeutischer Nutzen.
Privates Er war verheiratet mit Heidrun Hehl. Aus der Ehe stammten die Kinder drei Kindrr. Er wird auch als ein leidenschaftlicher Maler bezeichnetAusstellung in der ULB: Forschung - Praxis - Kunst auf Universität Düsseldorf, abgerufen am 10. September 2026Franz Josef Hehl auf Mutual Art, abgerufen am 10. September 2026. der seine Bilder zu diagnostischen und therapeutischen Zwecken nutzte.
Publikationen (Auswahl) Monografien FamilienSchach: ein therapeutisches Spiel im Lebensspiel. R. Asanger, Kröning 2006, ISBN 978-3-89334-453-6. Humor in Therapie und Beratung. R. Asanger, Heidelberg 2004, ISBN 978-3893344185. Von der Herkunftsfamilie zur Paartherapie: Die Abhängigkeit zwischen frühen familiären und späteren Beziehungsproblemen. R. Asanger, Heidelberg 2002, ISBN 978-3893343829. Mit Michael Wirsching: Psychosomatischer Einstellungs-Fragebogen (PEF): Handanweisung. Verlag für Psychologie, Hogrefe, Göttingen 1983. Persönlichkeits-Skalen-System 25 (PSS 25). Beltz‑Verlag, Weinheim 1975.
Herausgeberschaften Diagnostik psychischer und psychophysiologischer Störungen. Deutscher Psychologen-Verlag, Bonn 1985, ISBN 978-3-925559-01-3. Mit V. Ebel; W. Ruch: Diagnostik und Evaluation bei betrieblichen, politischen und juristischen Entscheidungen. Deutscher Psychologen-Verlag, Bonn 1985, ISBN 978-3-925559-02-0. Psychologische Diagnostik: Kinder, Familie, Schule, Sport Deutscher Psychologen-Verlag, Bonn 1985, ISBN 978-3-925559-00-6. Mit Franz Petermann: Einzelfallanalyse. Urban und Schwarzenberg, München 1979, ISBN 978-3-541-08941-3.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Willibald Ruch: Humour appreciation and needs: Evidence from questionnaire, self-, and peer-rating data. In: Personality and Individual Differences, 1993, 15 (4), S. 433–445. Mit Franz Petermann; Wolfgang Schneider: Veränderungsmessung im Rahmen der klassischen Testtheorie. In: Franz Petermann (Hrsg.): Methodische Grundlagen Klinischer Psychologie (S. 129–154). Beltz, Weinheim 1977, ISBN 978-3407511133. Mit Joachim Küppers: Ein therapeutisches Gruppen-Programm für bosnische Kinder mit Kriegserfahrung. In: Journal für Psychologie, 1998, 6 (1), S. 59–72. Mit Renate Werkle: Eine retrospektive Untersuchung von familiären Beziehungsstrukturen bei sexuellem Mißbrauch - eine Pilotstudie. In: Zeitschrift für Familienforschung, 1993, 5 (3), S. 215–248. Mit Paul E. McGhee; Willibald Ruch: A personality-based model of humor development during adulthood. In: Humor, 1990, 3 (2), S. 119–146. Mit Willibald Ruch: Conservatism as a predictor of responses to humour—III. The prediction of appreciation of incongruity-resolution based humour by content saturated attitude scales in five samples. In: Personality and Individual Differences, 1990, 11 (5), S. 439–445. Mit Willibald Ruch: Personal values as facilitating and inhibiting factors in the appreciation of humor content. In: Journal of Social Behavior and Personality, 1987, 2 (4), S. 453–472.
Weblinks
Franz-Josef Hehl’s research while affiliated with Heinrich Heine University Düsseldorf and other places auf Research Gate, abgerufen am 10. September 2026.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe Kategorie:Persönlichkeitspsychologe Kategorie:Hochschullehrer (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) Kategorie:Geboren 1940 Kategorie:Gestorben 2019 Kategorie:Deutscher Kategorie:Mann