Felicia Pratto (* 29. April 1961 in Boulder) ist eine US-amerikanische Psychologin und Professorin an der University of Connecticut.Felicia Pratto auf Social Psycholopgy Net, abgerufen am 9. September 2026. Felicia Pratto auf University of Connecticut, abgerufen am 9. September 2026.

Leben Sie wurde als Tochter von David John and Marlene Rose (geb. Massaro) Pratto in Colorado geboren. Sie studierte von 1979 bis 1983 an der Carnegie Mellon University und erwarb hier ihren Bachelor of Science (BS) in Psychologie. Hier arbeitete sie mit der Psychologin Susan Fiske über die öffentliche Wahrnehmung eines Atomkriegs zusammen. Es folgte ab 1984 ein M.A.-Studium an der New York University und 1988 promovierte sie unter der Mentorschaft von John A. Bargh hier zum Ph.D. in Social and Personality Psychology.

Von 1987 bis 1990 war sie als Lecturer an verschiedenen Colleges tätig (u. a. San Jose State University, College of the Holy Names of Jesus and Mary, California State University, East Bay, San Francisco State University). Von 1990 bis 1997 war sie Assistant Professor an der Stanford University. Seit 1998 ist sie Professorin an der University of Connecticut.

Werk Sie forscht zu den Themen Macht, Beziehungen zwischen Gruppen, Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen und Immigranten, Diskriminierung sowie zur sozialen Kognition und den Folgen von Ungleichheit. Ihre Arbeit ist der Sozialpsychologie, der politischen Psychologie und verwandten Disziplinen zuzuordnen. Ihre Forschung behandelt auch eine Vielzahl realer Probleme, darunter Rassen- und Geschlechterdiskriminierung, Vorurteile, Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht in Kriegszeiten, Terrorismus und Terrorismusbekämpfung sowie die Arabischen Aufstände.

Sie hat mit Jim Sidanius die Theorie der sozialen Dominanz (Social Dominance Theory, SDT) entwickelt. Diese wurde zu einem einflussreichen Rahmenwerk zur Erklärung der Struktur und Aufrechterhaltung gruppenbasierter sozialer Hierarchien. Sie besagt, dass Gesellschaften Gruppenkonflikte minimieren, indem sie Mythen legitimieren, die soziale Hierarchien fördern; diese Tendenzen sind teilweise auf menschliche Evolutionsprozesse zurückzuführen.

Sie und ihre Kollegen haben auch ein Instrument zur Messung individueller Unterschiede hinsichtlich der Dominanzorientierung entwickelt, und zwar die sogenannte Soziale Dominanzorientierung Skala (Social Dominance Orientation, SDO). Diese Skala erfasst die Präferenz einer Person für Hierarchien in sozialen Gruppen im Vergleich zu Egalitarismus. Die SDO ist ein Instrument, um Vorhersagen der Theorie sozialer Dominanz in verschiedenen kulturellen und politischen Kontexten empirisch zu überprüfen und ist auch eines der am häufigsten verwendeten Messinstrumente für individuelle Unterschiede in der Vorurteilsforschung und der Untersuchung politischer Einstellungen.

Später verfeinerte sie ihre theoretischen Konzepte und entwickelte die sog. Machtbasistheorie (Power Basis Theory; vgl. hierzu auch die Machtbasentheorie). Macht wird verstanden als die Fähigkeit, die eigenen grundlegenden Überlebensbedürfnisse innerhalb einer gegebenen Umwelt zu befriedigen (etwa Ressourcen zu konsumieren, einer Gemeinschaft anzugehören). Macht ist dabei nicht primär sozial oder interpersonal, sondern sie ist ontologisch. In diesem psychoökologischen Modell werden die verschiedenen Formen von Macht (Materielle Macht, Soziale Macht, Wissensmacht, Moralische Macht, Physische Macht, Sexuelle/reproduktive Macht) untersucht und auch, wie das Umfeld die Wirksamkeit von Machtstrategien beeinflusst. Es verdeutlicht dabei das Zusammenspiel zwischen Individuen und sozialen Systemen. Eine zentrale Erkenntnis der Machttheorie ist die Fungibilität von Macht: Verschiedene Machtarten können ineinander umgewandelt werden (z. B. materielle Ressourcen in sozialen Einfluss oder Wissen in materielle Sicherheit).

Ihr Forschungsspektrum erweiterte sie um multinationale Vergleichsstudien. In einem solchen Projekt wurden antimuslimische Vorurteile in Ländern mit unterschiedlicher Einwanderungs- und Diversitätspolitik untersucht. Diese Arbeit, die 2014 mit dem Gordon-Allport-Preis für Intergruppenbeziehungen ausgezeichnet wurde, zeigte, wie nationale Politiken mit individuellen psychologischen Prädispositionen interagieren und Vorurteile prägen.

Sie wandte ihre theoretischen Modelle auch an, um bedeutende Weltereignisse zu verstehen. In einer Studie zur internationalen Reaktion auf den Arabischen Frühling nutzten sie und ihre Kollegen die Theorie der sozialen Dominanz und die Theorie der sozialen Identität, um zu erklären, warum Menschen in anderen Ländern sich an solidarischen kollektiven Aktionen beteiligten.

Sie erforschte auch automatische kognitive Prozesse, insbesondere das Phänomen der „automatischen Wachsamkeit“, bei der negative soziale Informationen die Aufmerksamkeit stärker auf sich ziehen als positive. Dieser Forschungsfrage verknüpft grundlegende kognitive Mechanismen mit sozialem Funktionieren und emotionalem Wohlbefinden.

Ihre Forschungsmethoden sind vielseitig und spiegeln ihr Engagement für eine angemessene Überprüfung ihrer Hypothesen wider. So verwendet sie Daten aus internationalen Umfragen, Laborexperimente mit interaktiven Spielen (z. B. wie Ungleichheiten in kontrollierten Interaktionen entstehen und aufrechterhalten werden) und vergleichende Feldstudien. Diese methodische Flexibilität stärkt die Validität und Reichweite ihrer Schlussfolgerungen und ermöglicht es ihr, Hypothesen von der Ebene der individuellen Kognition bis hin zu internationalen Beziehungen zu überprüfen.

Ehrungen/Positionen „Profesora Honoraria del Departamento Académico de Psicología“ der Päpstlichen Katholischen Universität von PeruFelicia Pratto auf Päpstliche Katholische Universität von Peru, abgerufen am 9. September 2026. 2020: Präsidentin der International Society of Political Psychology (ISPP) 2015: Otto-Klineberg-Preis für interkulturelle und intergruppale Beziehungen der Society for the Psychological Study of Social Issues (SPSSI) 2011, 2014: Gordon-Allport-Award 2008: Morton-Deutsch-Preis Jeanne Knutson Award für Verdienste um die Internationale Gesellschaft für Politische Psychologie Mitherausgeberin von „Social Justice Research“, „Journal of Personality and Social Psychology“, „Group Processes“, „Intergroup Relations“, „Social Influence and Political Psychology“ Mitglied der Association for Psychological Science Mitglied der Psychometric Society

Privates Sie ist seit dem 6. September 1987 mit Thomas Anthony Wood verheiratet.

Publikationen (Auswahl) Monografien Mit Jim Sidanius: Oppression and Its Psycho-Ideological Elements (Part II), Cambridge University Press, Cambridge 2012. Mit Jim Sidanius: The Circle of Oppression: The Myriad Expressions of Institutional Discrimination (Part III) . Cambridge University Press, Cambridge 2012. Mit Jim Sidanius: Social Dominance: An Intergroup Theory of Social Hierarchy and Oppression. Cambridge University Press, Cambridge 2008, ISBN 978-0-521-80540-7.

Herausgeberschaften Mit Iris Žeželj; Edona Maloku; Vladimir Turjačanin; Marija Branković: Shaping Social Identities After Violent Conflict: Youth in the Western Balkans. Palgrave Macmillan, London 2018, ISBN 978-3319620206. Chin. Ausgabe: 社会支配论. 中国人民大学出版社, Beijing 2011, ISBN 978-7300127651.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Social dominance orientation. In: Political Psychology, 2026, 47 (S1). Mit Felipe Vilanova; Angelo Brandelli Costa: Challenging the individual adversity paradigm: a shift toward a collective experiences model of worldviews and ideologies. In: Frontiers in Social Psychology, 2026, 4, 1717823. Mit Arnold K. Ho; Jim Sidanius; Nour Kteily; Jennifer Sheehy-Skeffington; Kristin E. Henkel; Rob Foels; Andrew L. Stewart: The nature of social dominance orientation: Theorizing and measuring preferences for intergroup inequality using the new SDO₇ scale. In: Journal of personality and social psychology, 2015, 109 (6), S. 1003–1028. Mit Andrew L. Stewart; Fouad Bou Zeineddine: When Inequality Fails: Power, Group Dominance, and Societal Change. In: Journal of social and political psychology, 2013, 1 (1), S. 132–160. Mit I-C. Lee; J. Y.Tan; E. Y. Pitpitan: Power basis theory: A psychoecological approach to power. In: D. Dunning (Hrsg.): Social motivation (S. 191–222). Psychology Press, Hove 2011, ISBN 978-1136847196. Mit J. Korchmaros; P. Hegarty: When race and gender go without saying. In: Social Cognition, 2007, 25, S. 241–247. Mit A. R. Pearson; I. Lee; T. Saguy: Power dynamics in an experimental game. In: Social Justice Research, 2008, 21, S. 377–407. Mit Hillary Haley; Ludwin Molina; Jim Sidanius: Vladimir's Choice and the Distribution of Social Resources. In: Group Processes & Intergroup Relations, 2007, 10 (2), S. 257–265. Mit Jim Sidanius; Shana Levin: Social dominance theory and the dynamics of intergroup relations: Taking stock and looking forward. In: European review of social psychology, 2006, 17 (1), S. 271–320. Mit D. E. Glasford; P. J. Hegarty: Weighing the prospects of war. In: Group Processes and Intergroup Relations, 2006, 9, S. 219–233. Mit J. Sidanius; S. Levin: Social dominance theory and the dynamics of intergroup relations: Taking stock and looking forward. In: Wolfgang Stroebe; M. Hewstone (Hrsg.)., European Review of Social Psychology, 2006, 17, S. 271–320. Mit A. F. Lemieux; D. E. Glasford; P. J. Henry: American and Lebanese college students’ responses to the events of September 11, 2001: The relation of hopes and fears to the psychology of group positions. In: Psicologíca Politíca, 2003, 27, S. 13–35. Mit P. Hegarty: The political psychology of reproductive strategies. In: Psychological Science, 2000, 11, S. 57–62. Mit M. Shih: Social dominance orientation and group context in implicit group prejudice. In: Psychological Sciences, 2000, 11, S. 521–524. Mit J. Liu; S. Levin; J. Sidanius; M. Shih; H. Bachrach; P. Hegarty, Social dominance orientation and the legitimization of inequality across cultures. In: Journal of Cross-Cultural Psychology, 2000, 31, S. 369–409. Mit L. M. Stallworth; J. Sidanius; B. Siers: The gender gap in occupational role attainment: A social dominance approach. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1997, 72, S. 37–53. Mit Jim Sidanius; Lisa M. Stallworth; Bertram F. Malle: Social dominance orientation: A personality variable predicting social and political attitudes. In: Journal of personality and social psychology, 1994, 67 (4), S. 741–763. Mit O. P. John: Automatic vigilance: The attention-grabbing power of negative social information. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1991, 61, S. 380–391.

Weblinks

Felicia Pratto auf Notable People, abgerufen am 9. September 2026. Felicia Pratto auf Google Scholar, abgerufen am 9. September 2026. Felicia Pratto auf Research Gate, abgerufen am 9. September 2026. ISPP 2021: Presidential Address with ISPP President, Dr. Felicia Pratto auf YouTube, abgerufen am 9. September 2026. DE Social Dominance Theory Explained auf YouTube, abgerufen am 9. September 2026.

Einzelnachweise

Kategorie:Sozialpsychologe Kategorie:Hochschullehrer (San Francisco State University) Kategorie:Hochschullehrer (Stanford University) Kategorie:Hochschullehrer (University of Connecticut) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1961 Kategorie:Frau