Uropsilus cinereonates ist eine Säugetierart aus der Gattung der Spitzmausmaulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Sie kommt in Ostasien vor, wo sie bewaldete Hochgebirgslagen in der zentralchinesischen Provinz Sichuan bewohnt. Über die Lebensweise ist ansonsten nichts bekannt. Wie alle Angehörigen der Gattung zeichnen sich die Tiere durch ein spitzmausartiges äußeres Erscheinungsbild aus, was einen langem Körper mit sehr langem Schwanz und äußerlich sichtbaren Ohren sowie eine spitze Schnauze einschließt. Letztere ist bei Uropsilus cinereonates aber ausgesprochen kurz. Darüber hinaus gehört ein graubraunes bis aschgraues Fell zu den besonderen Eigenschaften. Die Art wurde im Jahr 2026 wissenschaftlich eingeführt. Informationen zur Bestandsgefährdung liegen nicht vor.
Merkmale Habitus Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 6,5 bis 7,5 cm, einer Schwanzlänge von 7,0 bis 7,6 cm und einem Körpergewicht von 7,6 bis 10,3 g ist Uropsilus cinereonates ein kleiner bis mittelgroßer Vertreter der Spitzmausmaulwürfe. Der Schwanz wird außerordentlich lang und erreicht rund 105 % der Länge des restlichen Körpers. Gemeinsam mit diesem und der spitzen, langgestreckten Schnauze weisen die Tiere wie alle Angehörigen der Gattung ein eher spitzmausartiges Aussehen auf. Das Rückenfell ist dunkelgrau bis graubraun gefärbt. Im vorderen Abschnitt sprießen im Fell Haare mit hellgelblichen Spitzen, deren Anzahl zum Kopf hin zunimmt. Zum hinteren Körper und an den Körperseiten dünnen sie jedoch aus, so dass im Gesäßbereich und auf der Unterseite ein tiefer Grauton vorherrscht. Die Übergänge an den Seiten verlaufen fließend. Der Schwanz ist markant zweifarbig mit einer dunkleren Ober- und einer helleren Unterseite. An seiner Spitze wächst ein kurzes Haarbüschel. Die Ohren sind 0,8 bis 1,0 cm, die Hinterfüße 1,3 bis 1,5 cm lang.
Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel besitzt eine Länge von 20,2 bis 20,6 mm, die größte Breite wird am Hirnschädel mit 10,4 bis 10,9 mm erreicht. Das Rostrum ist am Ansatz zwischen 7,1 und 7,4 mm weit, allerdings im Vergleich zu anderen Spitzmausmaulwürfen relativ kurz. In Aufsicht kragen die schlanken Jochbögen nur wenig aus. Das Foramen infraorbitale und das Foramen lacrimale sind etwa gleich groß. Der Unterkiefer wird 12,7 bis 13,4 mm lang. Er ist mit einem schlanken Kronenfortsatz ausgestattet, dessen Vorderkante nahezu senkrecht zur Zahnebene aufsteigt.
Die insgesamt 38 Zähne des Gebisses formen folgende Zahnformel: . Allerdings können die jeweils dritten Prämolaren der oberen und unteren Zahnreihe verkleinert sein oder gänzlich fehlen. Im oberen Gebiss ist der erste Schneidezahn länger als der zweite, beiden haben jedoch die gleiche Breite. Der Eckzahn entspricht in der Größe dem nachfolgenden ersten Prämolaren. Sie werden jeweils vom zweiten übertroffen. Im Unterkiefer ist lediglich der zweite Schneidezahn präsent und wirkt meißelförmig. Der erste Prämolar ragt über den dritten auf, sofern vorhanden, bleibt jedoch hinter dem Eckzahn zurück. Die obere Zahnreihe ist 8,7 bis 8,9 mm lang, die untere erstreckt sich über 7,4 bis 7,7 mm Länge.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet von Uropsilus cinereonates Uropsilus cinereonates kommt in Ostasien vor und ist dort lediglich im Kreis Sungqu in der zentralchinesischen Provinz Sichuan belegt. Dort bewohnen die Tiere Hochgebirgslandschaften in Lagen von 3200 bis 3400 m über dem Meeresspiegel. Die genutzten Habitate bestehen aus Lärchenwäldern. Das Verbreitungsgebiet überschneidet sich mit dem Auftreten des Sichuan-Spitzmausmaulwurfs (Uropsilus soricipes) und von Uropsilus maximuss. Die beiden Arten nutzen aber jeweils niedrigere Höhenlagen als Lebensräume, die bei 1500 bis 2100 m für ersteren und bei 2200 bis 3100 m über dem Meeresspiegel für letzteren Vertreter liegen.
Lebensweise Zur Lebensweise von Uropsilus cinereonates stehen keine Informationen zur Verfügung.
Systematik
Uropsilus cinereonates ist eine eigenständige Art innerhalb der Gattung der Spitzmausmaulwürfe (Uropsilus). Die Gattung schließt insgesamt 17 Vertreter ein. Ein größerer Teil davon war ab den 2010er Jahren zunächst durch genetische Untersuchungen als kryptisch identifiziert war. Die Spitzmausmaulwürfe stehen innerhalb der Familie der Maulwürfe (Talpidae) und formen eine eigene Unterfamilie, die Uropsilinae, deren momentan einziges Mitglied sie repräsentieren. Die Uropsilinae wiederum gelten als relativ urtümliche Vertreter der Maulwürfe. Besondere Kennzeichen finden sich in dem spitzmausartigen Äußeren mit langem Schwanz und sichtbaren Ohren. Zudem weisen sie seitlich gepressten Krallen auf, die nicht zum Graben geeignet sind. Dieser Umstand resultiert wiederum in einer oberirdischen Lebensweise der Tiere. Ursprünglich erstreckte sich das Verbreitungsgebiet der Gruppe weit über Eurasien. Heute sind die Spitzmausmaulwürfe hingegen auf kleine und zumeist gebirgige Refugien im östlichen und südöstlichen Asien beschränkt. Sowohl Gattung als auch Unterfamilie sind bezüglich ihrer Lebensweise wie auch der Artenvielfalt nur wenig erforscht. Dies trifft auch auf die systematische Untergliederung zu, wofür in der forschungsgeschichtlichen Vergangenheit wenigstens drei eigenständige Gattungen angenommen wurden. Deren Unterscheidung hatte die Zahnanzahl zur Grundlage (Uropsilus mit 34 sowie Nasillus und Rhynchonax mit je 38 Zähnen in unterschiedlicher Anordnung). Nach molekulargenetischen Analysen trennten sich die Spitzmausmaulwürfe im Mittleren Eozän vor rund 47 Millionen Jahren von den anderen Linien der Maulwürfe. Eine stärkere Aufteilung ist aber erst ab dem Oberen Miozän vor etwa 7,7 Millionen Jahren zu verzeichnen. Als nächster Verwandter von Uropsilus cinereonates tritt Uropsilus maximus in Erscheinung. Beide Arten stehen einer Klade gegenüber, die die Gemeinschaft um den Chinesischen Spitzmausmaulwurf (Uropsilus gracilis) sowie jener um den Sichuan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus soricipes) vereint.
Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde Uropsilus cinereonates im Jahr 2026 durch ein Arbeitsteam um Li Yi-Xian. Die Autoren banden ihre Veröffentlichung in den Rahmen einer umfangreichen Aufarbeitung genetischer Daten zu den Spitzmausmaulwürfen ein, in deren Ergebnis insgesamt sechs neue Vertreter der Gattung benannt werden konnten. Diesem Vorhaben gingen mehrjährige Untersuchungen zur Artenvielfalt der Maulwürfe in Ostasien voraus. Bereits im Jahr 2013 durch erste Genanalysen gestartet, konnten darauf hin fünf Jahre später wenigstens 15 unabhängige Linien verteilt auf fast drei Dutzend isolierte Population der Spitzmausmaulwürfe identifiziert werden. Diese zuvor unbekannte Artenvielfalt ließ sich in der Folgezeit bestätigen. Allerdings schließt dies nicht Uropsilus cinereonates mit ein, da sich die Form erst in Folge der Aufarbeitung des Jahres 2026 als eigenständige Linie herausstellte. Als Holotyp wählten die Forscher ein ausgewachsenes weibliches Individuum aus der Umgebung der Ortschaft Chuanzhusi im Kreis Sungqu in der zentralchinesischen Provinz Sichuan aus. Der Fundpunkt liegt in einer Höhe von 3232 m über dem Meeresspiegel, das Gebiet wird als Terra typica der Art eingestuft. Das Artepitheton setzt sich aus den lateinischen Wörtern cinereus für „aschfarben“ und nates für „Rumpf“ oder „Gesäß“ zusammen. Es verweist auf die charakteristische Fellfärbung.
Bedrohung und Schutz Die IUCN listet Uropsilus cinereonates momentan nicht als eigenständige Art. Potenzielle Bestandsbedrohungen wurden bisher nicht erfasst.
Literatur Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652
Einzelnachweise Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652 Jiang Haijun, Yang Yaohua, Zhou Yanyan, Tian Jundong und Lu Jiqi: Molecular Phylogeny of Uropsilus (Talpidae, Eulipotyphla, Mammalia) With a New Species Described From Henan Province, China. Ecology and Evolution 15, 2025, S. e70928, doi:10.1002/ece3.70928 Hu Ting-Li, Xu Zhen, Zhang Heng, Liu Ying-Xun, Liao Rui, Yang Guang-Dao, Sun Ruo-Lei, Shi Jie, Ban Qian, Li Chun-Lin, Liu Shao-Ying und Zhang Bao-Wei: Description of a new species of the genus Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae: Uropsilinae) from the Dabie Mountains, Anhui, Eastern China. Zoological Research 42 (3), 2021, S. 294–299, doi:10.24272/j.issn.2095-8137.2020.266 Boris Kryštufek und Masaharu Motokawa: Talpidae (Moles, Desmans, Star-nosed Moles and Shrew Moles). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths, Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 597–598, ISBN 978-84-16728-08-4 He Kai, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Jiang Xue-Long und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. Molecular Biology and Evolution 34 (1), 2016, S. 78–87 Wan Tao, He Kai und Jiang Xue-Long: Multilocus phylogeny and cryptic diversity in Asian shrew-like moles (Uropsilus, Talpidae): implications for taxonomy and conservation. BMC Evolutionary Biology 13, 2013, S. 232 () Wan Tao, He Kai, Jin Wei, Liu Shao‐Ying, Chen Zhong‐Zheng, Zhang Bin, Robert W. Murphy und Jiang Xue‐Long: Climate Niche Conservatism and Complex Topography Illuminate the Cryptic Diversification of Asian Shrew-like Moles. Journal of Biogeography 45 (10), 2018, S. 2400–2414, doi:10.1111/jbi.13401 Bui Hai Thuan, Shinya Okabe, Linh Tu Hoang Le, Ngan Thi Nguyen und Masahara Motokawa: A new shrew mole species of the genus Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae) from northwestern Vietnam. Zootaxa 5339 (1), 2023, S. 59–78, doi:10.11646/zootaxa.5339.1.3 Ren Xueyang, Xu Yifan, Li Yixian, Yao Hongfeng, Fang Yi, Laxman Khanal, Cheng Lin, Zeng Wei, Jiang Xuelong und Chen Zhongzheng: A new species of shrew moles, genus Uropsilus Milne-Edwards, 1871 (Mammalia, Eulipotyphla, Talpidae), from the Wuyi Mountains, Jiangxi Province, eastern China. ZooKeys 1186, 2023, S. 25–46, doi:10.3897/zookeys.1186.111592
Weblinks
Kategorie:Maulwürfe Kategorie:Talpidae Kategorie:Endemisches Tier Sichuans