Uropsilus maximus ist eine Säugetierart aus der Gattung der Spitzmausmaulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Es handelt sich um den bisher größten bekannten Vertreter, der sich wie allen anderen durch ein spitzmausartiges äußeres Erscheinungsbild mit langem Körper, einem sehr langen Schwanz und äußerlich sichtbaren Ohren sowie einer spitzen Schnauze charakterisiert. Besondere Merkmale stellen neben der Körpergröße das dunkelbraune Fell und der große Schädel dar. Die Tiere kommen in Ostasien vor und bewohnen dort gebirgige Waldlandschaften in der zentralchinesischen Provinz Sichuan. Zu ihrer Lebensweise liegen keine Informationen vor. Die Art erhielt im Jahr 2026 ihre wissenschaftliche Anerkennung, war aber bereits dreizehn Jahre zuvor als genetisch eigenständige Linie identifiziert worden. Eine potenzielle Bestandsgefährdung ist nicht untersucht.
Merkmale Habitus Uropsilus maximus ist der bisher größte bekannte Vertreter der Spitzmausmaulwürfe. Er besitzt eine Kopf-Rumpf-Länge von 6,5 bis 8,0 cm. Der Schwanz ist 6,2 bis 7,6 cm lang und mit gut 96 % fast genauso lang wie der restliche Körper. Das Gewicht schwankt zwischen 5,8 und 12,8 g. Entsprechend den anderen Mitgliedern der Gattung kennzeichnet die Tiere ein spitzmausartiges Äußeres mit spitzer, langgestreckter Schnauze und langem Schwanz. Der Rücken ist graubraun gefärbt, die Unterseite hingegen dunkelbraun. Der Übergang zeichnet sich an den Seiten deutlich ab, auch wenn er sich nicht scharf abgrenzt. Der Schwanz ist ebenfalls zweifarbig mit einer dunkler braunen Ober- und einer heller braunen Unterseite. An dessen Spitze wächst ein graubraunes Haarbüschel aus rund 1,0 cm langen Haaren. Die Oberseiten der Vorder- und Hinterfüße sind dunkelbraun, die Seitenkanten ersterer aber deutlich heller als von letzteren. Am Kopf ragen die Ohren aus dem Fell heraus und werden 0,8 bis 1,0 cm lang. Die Hinterfußlänge variiert von 1,4 bis 1,5 cm.
Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel ist verhältnismäßig größer als bei anderen Spitzmausmaulwürfen. Seine Länge reicht von 22 bis 22,5 mm. Am Hirnschädel wird er 11,8 bis 12,2 mm breit, der Ansatz des Rostrums ist 8,0 bis 8,7 mm weit. Insgesamt wirkt der Schädel breit, was sich durch die seitlich über den Hirnschädel hinausragenden Jochbögen in Aufsicht zeigt, ebenso wie an der Gaumenbreite mit 3,3 bis 3,5 mm. Auf dem Schädeldach verlaufen seitliche Knochenrippeln, die sich nahe der Mittellinie treffen und so ein X-förmiges Muster Formen. Der Unterkiefer ist 14,6 bis 14,9 mm lang. Sein Kronenfortsatz steigt an der Vorderkante in einem Winkel von 90 bis 100° zur Zahnebene auf.
Das Gebiss setzt sich aus 38 Zähne zusammen. Sie ergeben folgende Zahnformel: . Der obere Eckzahn ist wenig größer als der folgende erste Prämolar, aber kleiner als der zweite. Den kleinsten stellt der dritte obere Vormahlzahn dar, der zudem etwas nach innen verschoben ist. Im Unterkiefer entspricht der dritte Prämolar in der Größe weitgehend dem ersten oder ist kleiner. Beide erreichen aber nicht die Höhe des Eckzahns. Die obere Zahnreihe erstreckt sich über eine Länge von 9,7 bis 10,3 mm, die unter beansprucht dementsprechend 8,5 bis 8,8 mm.
Genetische Merkmale Für ein Individuum aus dem Verbreitungsgebiet von Uropsilus maximus, ursprünglich aber als Chinesischer Spitzmausmaulwurf (Uropsilus gracilis) identifiziert, wurde das vollständige Mitogenom mit 16.533 Basenpaaren bestimmt. Es besteht unter anderem aus 22 Transfer-RNA- und 13 proteincodierenden Genen sowie zwei Genen der ribosomalen RNA und einer Kontrollregion.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet von Uropsilus maximus Uropsilus maximus kommt in Ostasien vor. Das Verbreitungsgebiet befindet sich in der zentralchinesischen Provinz Sichuan und reicht vom Kreis Jiuzhaigou im Norden bis zum Kreis Tianquan im Süden. Im Westen bildet der Dadu He die Grenze, im Süden der Erlang Shan. Einzelne Nachweispunkte gibt es am Gongga Shan in der kreisfreien Stadt Kangding, im Jiajin Shan im Kreis Baoxing und im Min Shan in Jiuzhaigou. Die Tiere bewohnen gebirgige Landschaften in Höhenlagen von 2200 bis 3100 m über dem Meeresspiegel. Als Habitate dienen Mischwälder und Bambusdickichte. Teilweise tritt die Art sympatrisch mit dem Sichuan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus soricipes) auf. Dieser nutzt im Vergleich niedrigere Gebirgslagen und immergrüne Laubwälder. Ebenso bestehen im Norden Überlappungen zu Uropsilus cinereonates, der jedoch höhere Lagen als Uropsilus maximus bevorzugt. Weiter südlich schließt sich der Lebensraum des Anderson-Spitzmausmaulwurfs (Uropsilus andersoni) an, zu dem aber bisher keine Überschneidungen belegt sind.
Lebensweise Zur Lebensweise von Uropsilus maximus stehen keine Informationen zur Verfügung.
Systematik
Uropsilus maximus ist eine eigenständige Art innerhalb der Gattung der Spitzmausmaulwürfe (Uropsilus). Die Gattung schließt insgesamt 17 Vertreter ein, von denen ein größerer Teil ab den 2010er Jahren durch genetische Untersuchungen zunächst als kryptisch erkannt wurde. Die Spitzmausmaulwürfe gehören zur Familie der Maulwürfe (Talpidae). Innerhalb dieser bilden sie eine eigene Unterfamilie, die Uropsilinae, die als rezent monotypisch eingestuft ist. Die Uropsilinae wiederum stellen ein relativ urtümliches Glied der Maulwürfe dar. Charakterisiert werden sie durch ein spitzmausartiges Äußeres mit langem Schwanz und sichtbaren Ohren sowie durch seitlich gepresste Krallen. Letztere eignen sich nur wenig zum Graben, was eine weitgehend oberirdische Lebensweise bedingt. Ursprünglich reichte das Verbreitungsgebiet der Gruppe weit über Eurasien, heute beschränkt es sich hingegen auf kleine und zumeist gebirgige Refugien im östlichen und südöstlichen Asien. Sowohl Gattung als auch Unterfamilie sind bezüglich der Lebensweise und Artenvielfalt nur wenig erforscht. Dies betrifft auch die systematische Untergliederung, wofür in der forschungsgeschichtlichen Vergangenheit wenigstens drei eigenständige Gattungen postuliert wurden. Deren Unterscheidung basierte jeweils auf der Zahnanzahl (Uropsilus mit 34 sowie Nasillus und Rhynchonax mit je 38 Zähnen in unterschiedlicher Anordnung). Molekulargenetische Studien datieren die Trennung der Spitzmausmaulwürfe von den anderen Linien der Maulwürfe in das Mittlere Eozän vor rund 47 Millionen Jahren. Eine stärkere Aufteilung begann aber erst im Oberen Miozän vor etwa 7,7 Millionen Jahren. Als nächster Verwandter von Uropsilus maximus tritt Uropsilus cinereonates in Erscheinung. Ihre gemeinsame Klade ist basal zu einer weiteren positioniert, die sich aus der Verwandtschaftsgruppe des Chinesischen Spitzmausmaulwurfs (Uropsilus gracilis) und jener des Sichuan-Spitzmausmaulwurfs (Uropsilus soricipes) zusammensetzt.
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Uropsilus maximus erfolgte im Jahr 2026. Die beiden verantwortlichen Autoren, Li Yi-Xian und Jiang Xue-Long, bestimmten ein ausgewachsenes männliches Individuum als Holotyp. Dessen Herkunft gaben sie mit dem Jiajin Shan im Kreis Baoxing in der zentralchinesischen Provinz Sichuan an. Das Fundgebiet liegt in einer Höhe von 2855 m über dem Meeresspiegel und gilt als Typusregion der Art. Der Artzusatz maximus ist der Superlativ des lateinischen Wortes magnus und bedeutet „am größten“. Er bezieht sich auf die Körpergröße und damit auf den Umstand, dass die Tiere die bisher größten Vertreter ihrer Gattung repräsentieren.
Li und Jiang verbanden die Einführung der neuen Art mit einer umfangreicheren Aufarbeitung genetischer Daten zu den Spitzmausmaulwürfen, was zur Benennung von insgesamt sechs neuen Vertretern der Gattung führte. Sie war das Ergebnis eines langjährigen Forschungsunternehmens zur Untersuchung der Artenvielfalt der Maulwürfe in Ostasien. Bereits im Jahr 2013 hatte Wan Tao genetische Studien initiiert und dabei mehrere eigenständige kryptische Linien innerhalb der Spitzmausmaulwürfe erkannt. Hierzu gehörten auch insgesamt fünf Individuen aus der Region des Jiajin Shan, welche Wan als „Uropsilus sp. 1“ auswies. In einer Weiterführung der genetischen Analysen durch Wan Tao fünf Jahre später konnten dann bei deutlich umfangreicherer Datenbasis wenigstens 15 unabhängige Linien verteilt auf fast drei Dutzend isolierte Populationen der Spitzmausmaulwürfe Chinas differenziert werden. Der Gruppe aus dem Jiajin Shan ließen sich zwei weitere Bestände aus dem Min Shan im Kreis Jiuzhaigou und dem Gongga Shan in der kreisfreien Stadt Kangding zur Seite stellen. Ursprünglich dem Chinesischen Spitzmausmaulwurf zugesprochen erhielten die drei Populationen die Kennungen „15“, „16“ sowie „17“ und wurden in der Linie „F“ vereint. Eine Studie aus dem Jahr 2021 erhob sechs der neuen Linien in den Artstatus und vergab provisorische Namen. Die drei Bestände aus Sichuan erhielten dadurch im Bezug auf die Körpergröße die Bezeichnung „Uropsilus rubustus“. Ihren Ursprung hatten die Namen in der Graduiertenarbeit Wan Taos, da diese aber nicht offiziell publiziert wurde, sind sie nicht anerkannt. Jedoch untermauerte die Studie von 2021 die zuvor unbekannte Vielfalt der Spitzmausmaulwürfe. Weitere genetische Analysen bestätigten dies ebenfalls. Aufgrund des Anstiegs der kryptischen Linien war eine Neusortierung der provisorischen Kennzeichnungen notwendig. Der neuen Linie aus Sichuan wurde hierbei die Kennung „Uropsilus sp. 2“ verliehen. Erst mit der Aufarbeitung des Materials durch Li Yi-Xian und Kollegen im Jahr 2026 erhielt sie ihren heute gültigen wissenschaftlichen Artnamen Uropsilus maximus.
Bedrohung und Schutz Von der IUCN wird Uropsilus maximus derzeit nicht als eigenständig geführt. Daten zu einer möglichen Bestandsgefährdungen sind nicht bekannt.
Literatur Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652
Einzelnachweise Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652 Tu Feiyun, Fan Zhenxin, Chen Shunde, Yin Yonghua, Li Peng, Zhang Xiuyue, Liu Shaoying und Yue Bisong: The complete mitochondrial genome sequence of the Gracile shrew mole, Uropsilusgracilis (Soricomorpha: Talpidae). Mitochondrial DNA 23 (5),21012, S. 382–384, doi:10.3109/19401736.2012.696634 Jiang Haijun, Yang Yaohua, Zhou Yanyan, Tian Jundong und Lu Jiqi: Molecular Phylogeny of Uropsilus (Talpidae, Eulipotyphla, Mammalia) With a New Species Described From Henan Province, China. Ecology and Evolution 15, 2025, S. e70928, doi:10.1002/ece3.70928 Hu Ting-Li, Xu Zhen, Zhang Heng, Liu Ying-Xun, Liao Rui, Yang Guang-Dao, Sun Ruo-Lei, Shi Jie, Ban Qian, Li Chun-Lin, Liu Shao-Ying und Zhang Bao-Wei: Description of a new species of the genus Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae: Uropsilinae) from the Dabie Mountains, Anhui, Eastern China. Zoological Research 42 (3), 2021, S. 294–299, doi:10.24272/j.issn.2095-8137.2020.266 Boris Kryštufek und Masaharu Motokawa: Talpidae (Moles, Desmans, Star-nosed Moles and Shrew Moles). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths, Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 597–598, ISBN 978-84-16728-08-4 He Kai, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Jiang Xue-Long und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. Molecular Biology and Evolution 34 (1), 2016, S. 78–87