Uropsilus parvoniger ist eine Säugetierart aus der Gattung der Spitzmausmaulwürfe innerhalb der Maulwürfe (Talpidae). Ihr Verbreitungsgebiet liegt in Ostasien und umfasst eine kleine Gebirgsregion im äußersten Westen der südchinesischen Provinz Yunnan. Dort bewohnen die Tiere verschiedene Waldlandschaften ihn höheren Lagen. Zur Lebensweise sind keine Informationen verfügbar. Die Art repräsentiert einen kleinen Vertreter der Gattung und ist wie alle anderen Angehörigen durch ein spitzmausartiges äußeres Erscheinungsbild charakterisiert, was einen langen Körper, einen sehr langen Schwanz und äußerlich sichtbare Ohren sowie eine spitze Schnauze einschließt. Definierende Merkmale für Uropsilus parvoniger finden sich neben der geringen Körpergröße in der sehr dunklen Fellfärbung und in speziellen Zahnmerkmalen. Die Art wurde im Jahr 2026 wissenschaftlich eingeführt. Sie war aber schon seit 2018 als genetisch eigenständige Linie bekannt. Über ihre Bestandsgefährdung ist nichts bekannt.

Merkmale Habitus Uropsilus parvoniger ist ein kleiner Vertreter der Spitzmausmaulwürfe. Die Kopf-Rumpf-Länge variiert von 6,5 bis 7,6 cm. Hinzu kommt ein 5,3 bis 7,8 cm langer Schwanz, der somit im Durchschnitt 91 % der Länge des restlichen Körpers erreicht. Das Körpergewicht liegt bei 5,9 bis 9,5 g. Die Art ist damit kleiner als der nahe verwandte Yunnan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus investigator). Ähnlich den anderen Angehörigen der Gattung gleichen die Tiere äußerlich Spitzmäusen, was die spitze, langgestreckte Schnauze und der lange Schwanz bewirkt. Das Rückenfell ist dunkelbraun gefärbt und geht an den Seiten fast in einen Schwarzton über. Einzelhaare weisen eine braune Spitze und dunkelgraue bis schwarze Basen auf. Die Körperunterseite ist wiederum deutlich dunkelgrau getönt. Übergänge zwischen den variablen Fellfärbungen sind nicht erkennbar. Insgesamt wirken die Tiere dunkler als der Yunnan-Spitzmausmaulwurf. Der Schwanz zeigt eine einheitlich dunkelbraune Farbgebung. Am Ende wächst ein kleines Büschel, dessen Haare rund 0,5 cm lang sind. Das Kopffell entspricht der Färbung des Rückens und ist etwas heller als jene der Körperseiten. Die Ohren ragen heraus. Ihre Länge schwankt von 0,7 bis 1,0 cm. Die Augen sind klein und fellbedeckt. Der Hinterfuß misst 1,1 bis 1,5 cm in der Länge.

Schädel- und Gebissmerkmale Die Länge des Schädels reicht von 20,0 bis 21,1 mm, am Hirnschädel wird er 10,4 bis 11,3 mm breit. Das Rostrum ist am Ansatz 7,1 bis 8,0 mm weit. Allgemein liegen die Maße unterhalb jener des Yunnan-Spitzmausmaulwurfs. In Seitenansicht hebt sich bei Uropsilus parvoniger die Stirn buckelartig hervor. Dagegen ragen in Aufsicht die Jochbögen seitlich kaum hervor und überragen nicht die größte Schädelbreite. Das Foramen infraorbitale öffnet sich vor dem Foramen kacrimale und ist größer als dieses. Auf dem Schädeldach verlaufen zwei deutlich getrennte Temporalleisten. Der Unterkiefer ist 12,9 bis 13,7 mm lang. Sein Kronenfortsatz steigt in einem Winkel von 90 bis 100° zur Zahnebene auf.

Im Gebiss sind 38 Zähne ausgebildet. Die Zahnformel lautet entsprechend: . In der oberen Zahnreihe übertrifft der Eckzahn den ersten Prämolaren, ist aber niedriger als der zweite. Der dritte Vormahlzahn wiederum ist der kleinste, kann aber durchaus so groß wie der erste werden. Ihm folgt der vierte als größter der Prämolarenreihe. Als einziger Schneidezahn der unteren Reihe ist jener mit der ursprünglich zweiten Position ausgebildet. Er besitzt eine vergrößerte, meißelartige Gestalt. Der Eckzahn wiederum überragt den ersten und dritten Prämolaren, während erstgenannter und der zweite sowie der vierte Vormahlzahn kontinuierlich an Größe zunehmen. Die obere Zahnreihe beansprucht 8,9 bis 9,3 mm an Länge, der Wert für die untere beläuft sich auf 7,5 bis 8,0 mm.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet von Uropsilus parvoniger Uropsilus parvoniger ist aus Ostasien bekannt und kommt dort lediglich im äußersten Westen der südchinesischen Provinz Yunnan vor. Nachweisgebiete liegen im Gaoligong Shan vor und verteilen sich auf die kreisfreien Städte Lushui und Tengchong, erstere gehört zum Autonomen Bezirk Nujiang, letztere zur südlich anschließenden Verwaltungseinheit Baoshan. Möglicherweise reicht das Vorkommen bis in das benachbarte Myanmar hinein. Die Tiere bewohnen Tannen-, Bambus-, Laub- und Rhododendronwälder in höheren Gebirgslagen von 2600 bis 3500 m über dem Meeresspiegel. Nach Norden hin überschneidet sich das Verbreitungsgebiet randlich mit jenem des Yunnan-Spitzmausmaulwurfs (Uropsilus investigator), wobei in der Kontaktzone geringfügige Hybridisierungen beider Arten belegt sind.

Lebensweise Die Lebensweise von Uropsilus parvoniger ist bisher unerforscht.

Systematik

Uropsilus parvoniger ist eine eigenständige Art innerhalb der Gattung der Spitzmausmaulwürfe (Uropsilus). Die Gattung besteht aus insgesamt 17 Vertretern. Ein größerer Teil davon war ab den 2010er Jahren durch genetische Untersuchungen zunächst als kryptisch eingestuft. Die Spitzmausmaulwürfe sind Teil der Familie der Maulwürfe (Talpidae). Innerhalb dieser werden sie einer eigenen Unterfamilie zugeordnet, die die Bezeichnung Uropsilinae trägt und als rezent monotypisch gilt. Die Uropsilinae wiederum vertreten eine relativ urtümliche Linie der Maulwürfe. Charakteristische Merkmale stellen ihr spitzmausartiges Äußeres mit langem Schwanz und sichtbaren Ohren dar. Ihre seitlich gepressten Krallen sind wenig zum Graben geeignet, sodass die Tiere weitgehend oberirdisch leben. Ursprünglich reichte das Verbreitungsgebiet der Gruppe weit über Eurasien, heute ist es hingegen auf kleine und zumeist gebirgige Refugien im östlichen und südöstlichen Asien beschränkt. Gattung und Unterfamilie sind nur wenig erforscht. Dies betrifft neben der Lebensweise auch die Artenvielfalt sowie die systematische Untergliederung. Für letzteres wurden in der forschungsgeschichtlichen Vergangenheit wenigstens drei eigenständige Gattungen postuliert, zu deren Unterscheidung jeweils die Zahnanzahl (Uropsilus mit 34 sowie Nasillus und Rhynchonax mit je 38 Zähnen in unterschiedlicher Anordnung) beitrug. Gemäß molekulargenetischen Analysen trennten sich die Spitzmausmaulwürfe im Mittleren Eozän vor rund 47 Millionen Jahren von den anderen Linien der Maulwürfe. Ihre stärkere Aufteilung setzte aber erst im Oberen Miozän vor etwa 7,7 Millionen Jahren ein. Der nächste Verwandte von Uropsilus parvoniger ist der Yunnan-Spitzmausmaulwurf (Uropsilus investigator). Beide bilden Schwesterarten und stehen relativ basal im Stammbaum der Spitzmausmaulwürfe.

Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von Uropsilus parvoniger legte ein Autorenteam um Li Yi-Xian im Jahr 2026 vor. Als Holotyp bestimmten die Forscher ein ausgewachsenes männliches Individuum. Das Exemplar war bei der Ortschaft Pianma in der kreisfreien Stadt Lushui im Westen der südchinesischen Provinz Yunnan in einer Höhenlagen von 3058 m über dem Meeresspiegel aufgesammelt worden. Damit bildet das Fundgebiet die Typusregion der Art. Mit dem Artepitheton wird auf die geringe Körpergröße und die dunkle Fellfarbe verwiesen. Es leitet sich von den lateinischen Wörtern parvus für „klein“ und niger für „schwarz“ ab.

Li und Kollegen führten die neue Art im Rahmen einer umfangreichen Aufarbeitung genetischer Daten zu den Spitzmausmaulwürfen ein. In deren Ergebnis konnten insgesamt sechs neue Vertreter der Gattung benannt werden. Dem Vorhaben waren wiederum zahlreiche Untersuchungen zur Artenvielfalt der Maulwürfe in Ostasien vorausgegangen. Bereits im Jahr 2013 hatte Wan Tao genetische Studien initiiert, bei denen sich mehrere eigenständige kryptische Linien innerhalb der Spitzmausmaulwürfe aufdecken ließen. Weiterführende genetische Analysen durch Wan Tao waren dann deutlich umfangreicher und führten zur Identifizierung von wenigstens 15 unabhängigen Linien verteilt auf fast drei Dutzend isolierte Populationen der Spitzmausmaulwürfe Chinas. Hierbei stellten sich zwei ursprünglich dem Yunnan-Spitzmausmaulwurf zugesprochene Bestände aus dem Gaoligong Shan in Yunnan als eigenständig heraus. Davon verteilten sich vier Individuen auf die kreisfreie Stadt Tengchong, ein weiteres Tier stammte aus Lushui. Beide Gruppen wurden der Linie „B“ sowie den Populationskennungen „2“ für Lushui und „3“ für Tengchong zugeordnet. Eine Studie aus dem Jahr 2021 vergab dann für sechs der neuen Linien provisorische Namen. Die beiden Bestände aus dem Gaoligong Shan erhielten dadurch die Bezeichnung „Uropsilus parva“. Die Namen hatte Wan Tao ursprünglich in seiner Graduiertenarbeit etabliert. Da diese aber nicht offiziell publiziert wurde, sind sie nicht anerkannt. Allerdings untermauerte die Studie von 2021 die zuvor unbekannte Vielfalt der Spitzmausmaulwürfe. Nachfolgende genetische Analysen bestätigten dies ebenfalls. Der Anstieg an kryptischen Linien erforderte eine Neusortierung der provisorischen Kennzeichnungen. In diesem Zuge wurden die eigenständigen Spitzmausmaulwürfe aus dem Gaoligong Shan nun als „Uropsilus sp. 1“ ausgewiesen. Mit der Aufarbeitung des Materials durch Li Yi-Xian und Kollegen im Jahr 2026 war dann die gültigen Beschreibung dieser Gruppe unter dem Artnamen Uropsilus parvoniger abgeschlossen.

Bedrohung und Schutz Gegenwärtig wird Uropsilus parvoniger von der IUCN nicht als eigenständig geführt, Daten zu einer potenziellen Bestandsgefährdung sind nicht verfügbar.

Literatur Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652

Einzelnachweise Li Yi-Xian, Li Quan, Song Wen-Yu, Li Xue-You, Kenneth Otieno Onditi, Pei Xiao-Xin, Wang Hong-Jiao, Fu Chang-Kun, Liu Shao-Ying, Chen Zhong-Zheng Chen und Jiang Xue-Long: Integrative taxonomic revision of Uropsilus (Uropsilinae, Talpidae) combining genomic, morphological and geographic evidence. Molecular Phylogenetics and Evolution 223, 2026, S. 108652, doi:10.1016/j.ympev.2026.108652 Jiang Haijun, Yang Yaohua, Zhou Yanyan, Tian Jundong und Lu Jiqi: Molecular Phylogeny of Uropsilus (Talpidae, Eulipotyphla, Mammalia) With a New Species Described From Henan Province, China. Ecology and Evolution 15, 2025, S. e70928, doi:10.1002/ece3.70928 Hu Ting-Li, Xu Zhen, Zhang Heng, Liu Ying-Xun, Liao Rui, Yang Guang-Dao, Sun Ruo-Lei, Shi Jie, Ban Qian, Li Chun-Lin, Liu Shao-Ying und Zhang Bao-Wei: Description of a new species of the genus Uropsilus (Eulipotyphla: Talpidae: Uropsilinae) from the Dabie Mountains, Anhui, Eastern China. Zoological Research 42 (3), 2021, S. 294–299, doi:10.24272/j.issn.2095-8137.2020.266 Boris Kryštufek und Masaharu Motokawa: Talpidae (Moles, Desmans, Star-nosed Moles and Shrew Moles). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths, Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 597–598, ISBN 978-84-16728-08-4 He Kai, Akio Shinohara, Kristofer M. Helgen, Mark S. Springer, Jiang Xue-Long und Kevin L. Campbell: Talpid Mole Phylogeny Unites Shrew Moles and Illuminates Overlooked Cryptic Species Diversity. Molecular Biology and Evolution 34 (1), 2016, S. 78–87 Wan Tao, He Kai und Jiang Xue-Long: Multilocus phylogeny and cryptic diversity in Asian shrew-like moles (Uropsilus, Talpidae): implications for taxonomy and conservation. BMC Evolutionary Biology 13, 2013, S. 232 () Wan Tao, He Kai, Jin Wei, Liu Shao‐Ying, Chen Zhong‐Zheng, Zhang Bin, Robert W. Murphy und Jiang Xue‐Long: Climate Niche Conservatism and Complex Topography Illuminate the Cryptic Diversification of Asian Shrew-like Moles. Journal of Biogeography 45 (10), 2018, S. 2400–2414, doi:10.1111/jbi.13401