Frank-Ronald Bischoff (* 11. April 1948 in Aue; heutiges Zeitz) ist ein deutscher Politiker (AfD), der bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 zum Abgeordneten im Wahlkreis Wernigerode gewählt wurde. Während der DDR-Diktatur war er hauptamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

Leben Frank-Ronald Bischoff ist laut eigenen Angaben Elektromonteur und diente von 1967 bis Oktober 1977 als Soldat in der Nationalen Volksarmee.Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Frank-Ronald Bischoff, abgerufen am 14. September 2026 Anschließend war er von 1977 bis 1989 zwölf Jahre lang als Offizier im besonderen Einsatz für das Ministerium für Staatssicherheit tätig. Offiziere im besonderen Einsatz waren verdeckt im DDR-Staatsapparat beschäftigte Stasi-Bedienstete. Bischoff war als „leitender Mitarbeiter für Ordnungs- und Genehmigungsfragen“ beim Rat des Kreises Halberstadt und ab 1987 beim Rat des Bezirkes Magdeburg eingesetzt und für Ausreiseverfahren aus der DDR zuständig. In internen Beurteilungen wurde Bischoff während dieser Zeit bescheinigt, einen „festen Klassenstandpunkt“ zu besitzen.

Gegenüber der Tageszeitung Volksstimme gab Bischoff 2017 zunächst wahrheitswidrig an: „Ich habe in meiner Position zwar Kontakte zu Stasi-Leuten gehabt, aber niemals vom MfS Gehalt kassiert.“ Später räumte er seine Tätigkeit für die Stasi gegenüber dem Blatt ein. Er gab an, dass diese Jahrzehnte her sei, und beschrieb seine Haltung wie folgt: „Ich habe der DDR gedient, jetzt diene ich der BRD. Und dabei habe ich mich stets an Recht und Gesetz gehalten und bin nie straffällig geworden.“

Bischoff war ab 1986 auch für die Bearbeitung des Ausreiseantrags von Cliff Schinke zuständig. Cliff Schinke gab an, dass die Gespräche mit Bischoff „richtig derbe“ gewesen seien. Bischoff habe erklärt, sein Ausreiseantrag habe ehrverletzenden Charakter, und ihm mit Festnahme und Gericht gedroht. Wegen seines Ausreiseantrags wurde Schinke, der damals an der Universität Leipzig studierte, zwangsexmatrikuliert. Schinkes Vater verlor zudem seinen Posten als Leiter der Fleischwarenfabrik in Halberstadt, seine Mutter ihre Anstellung als Sekretärin. Cliff Schinke reiste schließlich in den Endtagen der DDR am 3. Oktober 1989 irregulär über die Ständige Vertretung der BRD in Ost-Berlin in die Bundesrepublik aus. In den 1990er-Jahren kehrte Schinke aus beruflichen Gründen nach Sachsen-Anhalt zurück und versuchte erfolglos, Bischoff ausfindig zu machen und zur Rede zu stellen. Als Bischoff bei der Bundestagswahl 2017 als Direktkandidat für die AfD antrat, erkannte Schinke ihn nach eigenen Angaben auf einem Wahlplakat wieder und machte dessen Vergangenheit öffentlich. Bischoff unterlag damals im Bundestagswahlkreis Harz mit 16,1 Prozent der Stimmen Heike Brehmer (CDU), die auf 36,4 Prozent Zuspruch kam.Land Sachsen-Anhalt: Bundestagswahlkreis 68 Harz, abgerufen am 8. September 2026

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 trat Bischoff erneut als AfD-Kandidat an und gewann mit 39,5 Prozent das Direktmandat im Wahlkreis Wernigerode. Er lag damit 16,4 Prozent vor der Zweitplatzierten Bianca Heine (CDU), die lediglich 21,5 Prozent der Stimmen erreichte. Die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, Evelyn Zupke, äußerte bezüglich der Kandidatur: „Es ist für die Opfer der SED-Diktatur verletzend, mit welcher Selbstverständlichkeit sich Menschen, die die Diktatur gestützt haben, heute um Mandate in den demokratischen Parlamenten bemühen“. Bischoff habe seine Biografie nie kritisch aufgearbeitet und Opfer der SED-Diktatur um Verzeihung gebeten. Der Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Johannes Beleites, hatte von der AfD erfolglos verlangt, darauf hinzuwirken, dass Bischoff seine Kandidatur vor der Wahl zurückziehe.

Laut dem Historiker und ehemaligen Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen Hubertus Knabe handelt es sich um den ersten Fall, dass ein Offizier im besonderen Einsatz in einen Landtag eingezogen ist. Dies sei eine Zäsur. Bischoff sei ein „Hardcore-MfSler und nicht der kleine Spitzel an der Ecke“ gewesen. Keine andere Partei sei so stark mit Stasi-Leuten durchsetzt wie die AfD. Bischoff selbst gab zu seiner Vergangenheit an, dass das politische System der DDR und die Staatssicherheit gescheitert seien. Deshalb wolle er jetzt „nicht noch einmal tatenlos zusehen, wie eine gewissenlose Führung mein Vaterland ruiniert“.

Bischoff ist verheiratet und lebt in Oberharz am Brocken.

Einzelnachweise

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