mini|Spätere Rekonstruktionszeichnung des mittelalterlichen Rathauses der Stadt Essen im Jahr 1823 Das mittelalterliche Essener Rathaus war zwischen dem 13. Jahrhundert und seinem Abriss 1840 das erste Rathaus der Stadt Essen und in dieser Zeit unter anderem Sitz der Stadtverwaltung.
Lage Wie in vielen anderen Städten lag das Rathaus zentral am Markt und hob sich durch seine Größe und Gestalt von umliegenden Gebäuden ab. Seine Lage ist auf einer späteren Rekonstruktionszeichnung ersichtlich. Es stand mit einer Längsseite südlich gegenüber der Marktkirche am damaligen Marktplatz. Dieser Platz trägt noch heute offiziell den Namen Markt. Die zwei Nachfolge-Rathäuser, das klassizistische Rathaus von 1842 bis 1884 und das neugotische Rathaus von 1878 bis 1964, wurden ebenfalls hier errichtet. Das heutige Rathaus wurde hingegen am östlichen Rand des Stadtkerns erbaut.
Geschichte Man nimmt an, dass das erste Rathaus nach einem großen Stadtbrand 1275 errichtet wurde. Es ist davon auszugehen, dass es mehrfach umgebaut, erweitert aber auch wiederaufgebaut wurde. Nach einem weiteren großen Essener Stadtbrand im Jahr 1438 folgte vermutlich ein Wiederaufbau. Das mittelalterliche Rathaus diente nicht nur dem Stadtrat als Versammlungsort, sondern war gleichzeitig Gerichtsgebäude, Festsaal, Kauf- und Lagerhaus. 1483 wurde die Ratsglocke mit der Inschrift MCCCCLXXXIII Assendensis consulates campana constructa (1483 wurde die Glocke des Essener Rats gefertigt) und dem darunter befindlichen Schwertwappen der Stadt gegossen. Sie hing im Dachreiter des Rathauses. Beim Abriss des 1842 erbauten zweiten Rathauses im Jahr 1884 lag darin ein Haufen alten Gerümpels, der an einen ansässigen Schlossermeister verkauft wurde. Darunter befand sich auch die alte Ratsglocke, die der Schlossermeister später einem Verwandten in Erfurt schenkte. Durch Bemühungen des ortsgeschichtlichen Vereins gelangte die Glocke wieder nach Essen zurück und wurde im September 1901 auf einer ortsgeschichtlichen Ausstellung zur Schau gestellt. Danach kam sie ins damalige städtische Kunstmuseum an der Bismarckstraße.Alte und neue Rathäuser in Essen. In: Essener Volkszeitung vom 25. Dezember 1925 Heute befindet sich die alte Ratsglocke im Ruhr Museum.
Für die Jahre 1546 und etwa 1576 sind größere Umbaumaßnahmen belegt. Vermutlich erhielt das Rathaus in dieser Zeit seine spätgotische Gestalt.Geschichtliche Ausstellung im Essener Rathaus zum 40-jährigen Bestehen im November 2019. Das Haus war ein massives, zweigeschossiges Steingebäude auf einer Grundfläche von etwa 180 Quadratmetern. Zwei hohe Staffelgiebel begrenzten das Satteldach an West- und Ostseite. Im Obergeschoss befanden sich der Ratssaal und die Ratsstube, in der unter anderem der Bürgermeister Johann Conrad Kopstadt (1821–1833) und sein Nachfolger Bertram Pfeiffer (1833 bis zum Abriss) arbeiteten. Hinzu kamen eine Schreibstube und die Stube der sogenannten Vierundzwanziger, die die Kontrolle des Rates hatten, sowie Schränke der Gewandschneider. Im Erdgeschoss boten Tuchhändler in einem Saal ihre Waren an. An der Fassade befanden sich die in Stein gehauenen Figuren der Stadtheiligen Kosmas und Damian sowie mittelalterliche Bildsäulen der Mutter Gottes. Die Fassade war grau getüncht und hatte kleine Rundbogenfenster. Die Hochparterre besaß eine steile, geländerlose Steintreppe zum Markt hin. Hier gab es eine Wachstube für zwei Polizeidiener. In der ersten Zeit befand sich neben dem Rathaus eine Gerichtshalle. Wie zu dieser Zeit nicht außergewöhnlich, wurde das Gebäude auch anderweitig genutzt.
Anfang des 19. Jahrhunderts entsprach das bisherige mittelalterliche Rathaus nicht mehr den veränderten Rahmenbedingungen der kommunalen Selbstverwaltung, denn es war noch auf das Raumprogramm der mittelalterlichen Stadtverfassung und der Funktion des Magistrats als städtische Obrigkeit ausgerichtet. Nachdem das Stift Essen am 18. April 1803 aufgelöst worden war, fiel die Stadt Essen mit dem gesamten Stiftsgebiet an Preußen. Die mittelalterliche Stadtverfassung wurde am 28. Februar 1804 von der preußischen Regierung aufgehoben. Damit verlor der Magistrat die Rolle der Obrigkeit, denn Preußen setzte neben dem Magistrat, der den Gemeindevorstand repräsentierte, zu dessen Kontrolle eine ehrenamtlich tätige Gemeindevertretung ein, die Stadtverordnetenversammlung. Außerdem wuchs die Bevölkerung bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer schneller, und zwar von rund 3500 Einwohnern im Jahr 1803 auf über 8700 Einwohner im Jahr 1849. Damit war das erste mittelalterliche Rathaus bald zu klein für die wachsenden Verwaltungsaufgaben geworden. Zunächst war ein Umbau des Gebäudes nach Plänen von Heinrich Theodor Freyse aus dem Jahr 1835 im Stil des Klassizismus vorgesehen. Das wurde nicht umgesetzt. Das erste Essener Rathaus war zuletzt so marode, dass es kaum noch betretbar und dem Verfall nahe war.
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Einzelnachweise
Kategorie:Stadtkern (Essen) Essen Kategorie:Zerstört in den 1840er Jahren Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Essen Kategorie:Erbaut im 13. Jahrhundert