mini|Giovanni Zacchi: Kardinal Fabio Mignanelli, Vorderseite einer Medaille, um 1551–1557, vergoldetes Silber, Durchmesser 8,3 cm, Metropolitan Museum of Art, New York Giovanni Zacchi (* 1512; † nach 1555, wahrscheinlich um 1565 in Rom) war ein italienischer Bildhauer und Medailleur. Er war der Sohn des Bildhauers Zaccaria Zacchi und hauptsächlich in Bologna, Venedig und Rom tätig. In der numismatischen und kunsthistorischen Literatur gilt Giovanni Zacchi als einer der bedeutendsten Medailleure des frühen Cinquecento. Aufgrund ihrer künstlerischen und technischen Qualität wurden seine Werke mit der Medaillenkunst des 15. Jahrhunderts verglichen.
Leben Giovanni Zacchi war der Sohn des Bildhauers und Wassertechnikers Zaccaria Zacchi, genannt Zaccaria da Volterra. Über sein Geburtsjahr und seinen Geburtsort gibt es unterschiedliche Angaben. So wird er entweder um 1512 in Bologna oder in Volterra geboren oder er kommt um 1515 zur Welt. Ebenso ist sein Todesjahr nicht eindeutig gesichert. Zacchi wurde Mitte der 1520er Jahre erstmals erwähnt, als er als Mitarbeiter seines Vaters in der Bauhütte der Basilica di San Petronio in Bologna Zahlungen erhielt. Gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder Gabriele war er an der Ausschmückung der Seitenportale der Fassade beteiligt. Seinen ersten eigenständigen Auftrag übernahm er 1533 mit dem heute nicht mehr vorhandenen Grabmal für den Bologneser Bischof Girolamo Campeggi im Dom San Pietro. mini|Giovanni Zacchi: Kardinal Fabio Mignanelli, Vorderseite der Medaille Mit der Medaille auf den venezianischen Dogen Andrea Gritti aus den Jahren 1536/37 (Berlin, Münzkabinett) erreichte die Bologneser Medaillenkunst durch Zacchi einen Höhepunkt. Die meisten seiner Medaillen sind mit „IO F“ signiert, was einen guten Überblick über sein medailleurisches Schaffen ermöglicht. Die ersten einschlägigen Aufträge sollen auf Empfehlungen des Dichters Pietro Aretino zurückgegangen sein. 1538/39 folgte Zacchi seinem Vater nach Rom, wo er mehrere Medaillen für Papst Paul III. schnitt, darunter eine Medaille auf Kardinal Guido Ascanio Sforza di Santa Fiora. Die Medaille auf Sforza entstand während dessen Zeit als päpstlicher Legat in Bologna zwischen 1536 und 1540 und soll dazu beigetragen haben, dass die Familie Zacchi in den Dienst von Papst Paul III. berufen wurde. Bereits vor diesem Rom-Aufenthalt hatte Zacchi mehrere Porträtstatuen des im Jahr 1534 gewählten Papstes für den Palazzo Pubblico von Bologna gefertigt.
Zurück in Bologna schuf Zacchi im Jahr 1541 das heute nicht mehr vorhandene Grabmal für Bischof Agostino Zanetti in der Kirche San Domenico. Anlässlich des Papstbesuchs in Bologna im Herbst desselben Jahres wurde er mit zwei Porträtbüsten Pauls III. beauftragt. Zwischen 1544 und 1549 entstand das monumentale Grabmal für den Juristen Ludovico Gozzadini in San Maria dei Servi (Bologna), dessen Fertigstellung Zacchi innerhalb von drei Jahren garantierte. Im Jahr 1543 war die Familie Zacchi nachweislich in Rom. Der Vater Zaccaria war unter der Präsidentschaft von Kardinal Alessandro Sforza mit der Regulierung des nördlichen Tiberlaufs betraut und wurde von seinen Söhnen unterstützt. In dieser Zeit fertigte Giovanni Zacchi auch Skulpturen und Basreliefs für den Palazzo Farnese am Campo de’ Fiori. Er unterhielt eine eigene Werkstatt in der Nähe der Via del Pellegrino, in der er Medaillen für Angehörige des Hauses Farnese und dessen Umfeld schuf. Im Jahr 1549 empfahl Kardinal Alessandro Farnese Zacchi erfolglos als Nachfolger von Giacomo Ranuzzi für den Posten des Baumeisters von San Petronio. Um 1555 hielt sich Zacchi erneut in Rom auf, wo er laut Überlieferung im Auftrag von Kardinal Farnese Medaillen von mehreren Edeldamen anfertigte. Danach findet er in den Quellen keine weitere Erwähnung.
Werk mini|Giovanni Zacchi: Medaille für Kardinal Guido Ascanio Sforza, Rückseite mit der Allegorie der Caritas, um 1536–1540, Bronze, Museo Nazionale del Bargello, Florenz (die Umschrift lautet CARITAS NON QVAERIT QVAE SVA SVNT) Zu den zugeschriebenen und dokumentierten Werken Giovanni Zacchis zählen:
Mitarbeit an der plastischen Ausschmückung der Seitenportale der Basilica di San Petronio in Bologna in den 1520er Jahren Grabmal für Bischof Girolamo Campeggi im Dom S. Pietro in Bologna (verloren) Medaille auf Dogen Andrea Gritti (Berlin, Münzkabinett) Porträtstatuen von Papst Paul III. für den Palazzo Pubblico in Bologna vor 1538 Medaille auf Kardinal Guido Ascanio Sforza di Santa Fiora (Berlin, Münzkabinett) Medaille auf Giovanni Maria Ciocchi del Monte (später Papst Julius III.) (Berlin, Münzkabinett) Medaille auf den Pisaner Erzbischof Onofrio Bartolini de’ Medici (London, British Museum) Grabmal für Bischof Agostino Zanetti, S. Domenico, Bologna (verloren) Zwei Porträtbüsten von Papst Paul III. anlässlich dessen Bologna-Besuchs 1541 Grabmal für Ludovico Gozzadini, S. Maria dei Servi, Bologna (1544–1549) Skulpturen und Basreliefs für den Palazzo Farnese in Rom (um 1543) Medaille auf Kardinal Fabio Mignanelli (Vizelegat in Bologna 1541/42)
Literatur
Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL Online), Bd. 118, De Gruyter, Berlin/Boston 2023, S. 157. Jane Turner (Hrsg.): The Dictionary of Art. Bd. 33: Wax to Zyvele. Macmillan Publishers, London/New York 1996. Marcello Calogero: Zacchi, Zaccaria. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Bd. 100. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2020, S. 332–338. Alfred Armand: Les médailleurs italiens des quinzième et seizième siècles. Bd. 1. E. Plon, Paris 1883, S. 143, Nr. 2. Rodolfo Scipione Maffei: Giovanni di Zaccaria Zacchi, scultore volterrano (1512–1565). Piccolo contributo alla storia dell'arte del secolo XVI. Melfi 1906. George Francis Hill: Notes on Italian Medals—XVIII. Giovanni Zacchi and the Bolognese School. In: The Burlington Magazine. Bd. 25, 1914, S. 335–341. Georg Habich: Die Medaillen der italienischen Renaissance. Stuttgart/Berlin 1923, S. 108, Taf. 75,5. John Graham Pollard: Italian Renaissance Medals in the Museo Nazionale of Bargello. Bd. 3. Florenz 1985, S. 1292, Nr. 753. Vittore Lorioli: Medaglisti e incisori italiani. Rom 1993, S. 797. Lore Börner: Die italienischen Medaillen der Renaissance und des Barock (1450–1750). Bestandskataloge des Münzkabinetts Berlin (= Berliner Numismatische Forschungen. N.F. Bd. 5). Gebr. Mann, Berlin 1997, S. 119, Nr. 478. Gerd Bekker: Europäische Plaketten und Medaillen vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. Bestands- und Verlustkatalog der Sammlung des Grassimuseums Leipzig/Museum für Kunsthandwerk. Leipzig 1998. Hoch Renaissance im Vatikan 1503–1534. Kunst und Kultur im Rom der Päpste. I. Ausstellungskatalog, Bonn–Città del Vaticano 1999, S. 114, 457, Kat.-Nr. 82. Philip Attwood: Giovanni Bernardi and the Question of Medal Attributions in Sixteenth-Century Italy. In: Stephen K. Scher (Hrsg.): Perspectives on the Renaissance Medal. New York 2000, S. 165–176. Giuseppe Toderi, Fiorenza Vannel: Le medaglie italiane del XVI secolo. Bd. 1. Florenz 2000, S. 429–432. Philip Attwood: Italian Medals in British Public Collections, c. 1530–1600. Bd. 1. London 2003, S. 301–303. Nicole Riegel: Medaillen für Kardinäle. Eine Skizze. In: Georg Satzinger (Hrsg.): Die Renaissance-Medaille in Italien und Deutschland. (= Tholos. Kunsthistorische Studien. Bd. 1). Münster 2004, S. 213–269.
Weblinks
Guido Ascanio Sforza, giovane rampante nella Chiesa del ’500 – Cronaca Numismatica Treccani (Giovanni Zacchi wird im Text erwähnt) The Metropolitan Museum of Art Giovanni Zacchi and the tomb of bishop Zanetti in Bologna – Yonni Ascher
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer der Renaissance Kategorie:Bildhauer (Italien) Kategorie:Medailleur Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren im 16. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 16. Jahrhundert Kategorie:Mann