Mario Amura (* 1973 in Neapel) ist ein italienischer Fotograf und Filmschaffender. Bekannt wurde er unter anderem durch das seit 2010 entstandene Fotoprojekt Napoli Explosion, das in mehreren Ausstellungen präsentiert wurde.
Im Filmbereich arbeitete Amura unter anderem als Kameramann an Produktionen von Paolo Sorrentino, Vincenzo Marra, Luca Guadagnino, Saverio Costanzo und Sabina Guzzanti. Als Regisseur realisierte er unter anderem den Kurzfilm Racconto di guerra, der 2003 mit dem David di Donatello als bester Kurzfilm ausgezeichnet und 2004 bei der Berlinale gezeigt wurde.
Leben und Werk
Fotografie
Amura begann in den 1990er Jahren zu fotografieren. 1999 erschien bei Memoli Arte Contemporanea in Mailand die Publikation Mario Amura – Fotografie 1995–1999 mit einer Auswahl seiner frühen Arbeiten.
Er studierte Kamera am Centro Sperimentale di Cinematografia in Rom, wo Giuseppe Rotunno zu seinen Lehrern gehörte. Rotunno, einer der bedeutenden italienischen Kameramänner seiner Generation, arbeitete über viele Jahre mit Federico Fellini und Luchino Visconti zusammen.
Napoli Explosion
2010 begann Amura das langfristig angelegte Fotoprojekt Napoli Explosion. Gegenstand sind die Feuerwerke, die in der Silvesternacht über dem Golf von Neapel stattfinden. Amura fotografierte sie über mehrere Jahre von einem erhöhten Standort am Monte Faito, mit dem Vesuv als wiederkehrendem Element der Landschaft.
Die Aufnahmen verbinden dokumentarische Fotografie mit dem Einsatz langer Belichtungszeiten und gezielter Kamerabewegungen. Dadurch werden die Lichtspuren der Feuerwerke während der Aufnahme in teilweise abstrakt wirkende Formen überführt.
Vom Dezember 2023 bis April 2024 wurde Napoli Explosion im Museo e Real Bosco di Capodimonte in Neapel ausgestellt. Die von dem damaligen Museumsdirektor Sylvain Bellenger kuratierte Ausstellung umfasste 37 Arbeiten.
Im Dezember 2025 eröffnete im Real Albergo dei Poveri in Neapel die ebenfalls von Bellenger kuratierte Ausstellung Napoli Explosion RAP.
Von Dezember 2025 bis Februar 2026 wurde das Projekt unter dem Titel Mario Amura: Napoli Explosion. Fogos, Cores e Luzes in Rio de Janeiro präsentiert. Veranstalter war das Italienische Kulturinstitut Rio de Janeiro.
Film
Kamera
Nach seiner Ausbildung arbeitete Amura als Kameramann für Film und Fernsehen. Zu seinen Arbeiten gehören der Kurzfilm La notte lunga (2001) von Paolo Sorrentino, Vento di terra (2004) von Vincenzo Marra, Melissa P. (2005) von Luca Guadagnino und In memoria di me (2007) von Saverio Costanzo.
Vento di terra wurde 2004 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig gezeigt. In memoria di me nahm 2007 am Wettbewerb der Berlinale teil.
2010 war Amura an der Kamera von Sabina Guzzantis Dokumentarfilm Draquila – L’Italia che trema beteiligt, der bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes gezeigt wurde.
Im selben Jahr war er Kameramann bei Due vite per caso von Alessandro Aronadio, der im Hauptprogramm der Berlinale-Sektion Panorama gezeigt wurde, sowie bei Paola Randis Into Paradiso.
Für Vento di terra erhielt Amura 2005 den Giuseppe-Rotunno-Preis für Kameraarbeit. 2007 wurde er für In memoria di me erneut mit dem Preis ausgezeichnet.
Regie
2003 führte Amura bei dem Kurzfilm Racconto di guerra Regie. Der Film wurde im selben Jahr mit dem David di Donatello als bester Kurzfilm ausgezeichnet.
2004 wurde Racconto di guerra unter dem deutschen Titel Eine Geschichte vom Krieg beim KinderFilmFest der 54. Berlinale gezeigt. Der Film war im selben Jahr auch Teil des Kurzfilm-Rendezvous in Mainz.
2017 führte Amura gemeinsam mit der französischen Journalistin und Regisseurin Cécile Allegra Regie bei dem Dokumentarfilm Blutiger Pakt – Italien und die Mafia (Originaltitel: Italie et Mafia : un pacte sanglant). Der Film erhielt 2018 eine Étoile de la Scam.
StopEmotion und Phlay
Seit 2005 entwickelte Amura StopEmotion, eine performative fotografische Praxis, bei der Sequenzen von Einzelbildern in Echtzeit mit Musik verbunden werden. Serenella Iovino beschrieb diese Praxis und ihre spätere Weiterentwicklung zur Anwendung Phlay.
Serafino Murri behandelte das Verhältnis von Fotografie, Rhythmus und Benutzerinteraktion bei Phlay in Sign(s) of the Times.
Im Juni 2025 präsentierte Amura im Anteo Palazzo del Cinema in Mailand die Live-Performance World in my eyes. Dabei setzte er StopEmotion als performative Technik ein, mit der fotografische Bildsequenzen live zu Musik montiert beziehungsweise „gespielt“ werden.
Im Zusammenhang mit der technischen Entwicklung von StopEmotion ist Amura als Erfinder zweier Patente genannt.
Ausstellungen (Auswahl)
2023–2024: Mario Amura: Napoli Explosion, Museo e Real Bosco di Capodimonte, Neapel; Kurator: Sylvain Bellenger 2025–2026: Napoli Explosion RAP, Real Albergo dei Poveri, Neapel; Kurator: Sylvain Bellenger 2025–2026: Mario Amura: Napoli Explosion. Fogos, Cores e Luzes, Rio de Janeiro; veranstaltet vom Italienischen Kulturinstitut Rio de Janeiro
Publikationen
Mario Amura – Fotografie 1995–1999. Memoli Arte Contemporanea, Mailand 1999. Mario Amura. Napoli Explosion. Vol. 1. Vesev Impresa Sociale, 2023, ISBN 979-12-210-4935-0. Mario Amura. Napoli Explosion. Vol. 2. Vesev Impresa Sociale, 2025, ISBN 979-12-243-1275-8. Mario Amura. Napoli Explosion. Fogos, Cores, Luzes. Istituto Italiano di Cultura di Rio de Janeiro, 2026.
Auszeichnungen
2003: David di Donatello für den besten Kurzfilm, Racconto di guerra 2005: Giuseppe-Rotunno-Preis für die Kameraarbeit an Vento di terra 2007: Giuseppe-Rotunno-Preis für die Kameraarbeit an In memoria di me 2018: Étoile de la Scam für Blutiger Pakt – Italien und die Mafia (Italie et Mafia : un pacte sanglant), gemeinsam mit Cécile Allegra
Filmografie (Auswahl)
Kamera
2001: La notte lunga – Regie: Paolo Sorrentino (Kurzfilm) 2004: Cuoco contadino – Regie: Luca Guadagnino (Dokumentarfilm) 2004: Vento di terra – Regie: Vincenzo Marra 2004: Sabato, domenica e lunedì – Regie: Paolo Sorrentino (Fernsehfilm) 2005: Melissa P. – Regie: Luca Guadagnino 2007: In memoria di me – Regie: Saverio Costanzo 2010: Due vite per caso – Regie: Alessandro Aronadio 2010: Draquila – L’Italia che trema – Regie: Sabina Guzzanti (Dokumentarfilm) 2010: Into Paradiso – Regie: Paola Randi
Regie
2003: Racconto di guerra (Eine Geschichte vom Krieg), Kurzfilm 2017: Blutiger Pakt – Italien und die Mafia (Italie et Mafia : un pacte sanglant), Dokumentarfilm, gemeinsam mit Cécile Allegra
Literatur
Stefano Masi: Dizionario mondiale dei direttori della fotografia. Le Mani, Recco 2007, S. 34–35, ISBN 88-8012-387-4. Serenella Iovino: Ecocriticism and Italy: Ecology, Resistance, and Liberation. Bloomsbury Academic, London 2016, ISBN 978-1-4725-7165-6. Serenella Iovino: Paesaggio civile. Storie di ambiente, cultura e resistenza. Il Saggiatore, Mailand 2022, S. 44–46, ISBN 978-88-428-3119-8. Serafino Murri: Sign(s) of the Times. Pensiero visuale ed estetiche della soggettività digitale. Meltemi, Mailand 2020, S. 165–167, ISBN 978-88-5519-194-4.
Weblinks
Offizielle Website Mario Amura bei Filmdienst Mario Amura bei Filmstarts Mario Amura bei Filmitalia
Einzelnachweise
Kategorie:Fotograf (Italien) Kategorie:Fotograf (21. Jahrhundert) Kategorie:Kameramann Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Italiener Kategorie:Geboren 1973 Kategorie:Mann