Der Boeing Vertol XCH-62 (Modell 301) war ein von Boeing Vertol für die US Army entwickeltes Schwerlast-Hubschrauberprojekt mit drei Turbinen. Das 1971 genehmigte Projekt erreichte einen Fertigstellungsgrad von 95 %, bevor es 1975 eingestellt wurde. Der Prototyp wurde 2005 verschrottet.
Entwicklungsgeschichte Der CH-47 Chinook ist nach amerikanischen Maßstäben ein großer Hubschrauber, doch seine Nutzlast von 13.000 kg wirkt gering im Vergleich zur Mil Mi-26 mit einer Nutzlast von 20.000 kg Nutzlast oder dem experimentellen Mil W-12 mit einer Nutzlast von bis zu 40.000 kg, gerade zu winzig. Lange Zeit hatte Boeing und das US-Militär den Drang, mit den schweren Transporthubschraubern von Mil gleichzuziehen oder diese sogar noch zu übertreffen. Ende der 1960er Jahre entwickelte Boeing Entwürfe für Maschinen, die große Ähnlichkeiten mit dem Sea Knight und dem Chinook aufwiesen, aber hinsichtlich ihrer Abmessungen etwa doppelt so groß waren wie der Chinook. Zu den vorgeschlagenen Maschinen gehörten der Transporthubschrauber Modell 227 und der Flugkran Modell 237.
Das US-Verteidigungsministerium (DoD) veröffentlichte im November 1970 eine Ausschreibung für einen Schwerlasthubschrauber (Heavy Lift Helicopter, HLH). Am 7. Mai 1971 gab das DoD bekannt, dass Boeing Vertol und nicht Sikorsky (S-73) mit der Durchführung der ersten Phase der HLH-Entwicklung beauftragt worden war. Nach der Vergabe eines Vertrags durch die US-Army für einen HLH-Prototypen im Jahr 1973 begann Boeing mit dem Bau eines überdimensionalen fliegenden Krans, der XCH-62 genannt wurde. Der XCH-62-Prototyp befand sich 1975 in einem fortgeschrittenen Montagezustand und wurde für einen für 1976 geplanten Erstflug vorbereitet. Das XT701-Triebwerk hatte am 12. März 1975 seinen 30-stündigen Prototype Preliminary Flight Rating Test (PPFRT) bestanden und anschließend am 4. August einen 60-stündigen Safety Demonstration Test (SDT). Bei Tests traten Ausfälle im Spiralkegelradgetriebe des Hauptgetriebes auf, da bei der angewandten Analysemethode die Auswirkungen der Randverformung nicht berücksichtigt worden waren. Infolgedessen wurden neue Zahnräder mit verstärkten Rändern konstruiert und gefertigt. Für eine genauere Vorhersage der Belastbarkeit der Zahnräder wurde ein umfangreiches System auf Basis der Finite-Elemente-Methode (FEM) entwickelt. Das Heckrotor-Getriebe des XCH-62 der US-Army wurde schließlich erfolgreich bei vollem Auslegungsdrehmoment und voller Auslegungsdrehzahl getestet. Die Konstrukteure des Mil Mi-26 vermieden ähnliche Probleme durch den Einsatz einer Drehmomentaufteilung im Hauptrotor-Getriebe.
Das Programm wurde jedoch am 1. August offiziell eingestellt. Zum Zeitpunkt der Einstellung war der Prototyp zu 95 % fertiggestellt. Es waren noch etwa drei Monate für die Endmontage und die Abnahmeprüfungen erforderlich, bevor er für die Vorflugtests aus der Halle gerollt und montiert werden konnte.
Anschließend wurden Versuche unternommen, den unvollendeten Prototyp XCH-62 mit der Seriennummer 73-22012 fertigzustellen. Mitte der 1980er Jahre arbeiteten die Army, die Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) gemeinsam an einem Vorhaben zur Fertigstellung des XCH-62 für Testflüge. Man beantragte dafür bis zum Haushaltsjahr 1989 Fördermittel in Höhe von insgesamt 71 Millionen US-Dollar. Der US-Kongress lehnte die Finanzierung jedoch ab, und das Fluggerät blieb unvollendet. Der Prototyp wurde von seinem Lagerort in Philadelphia, Pennsylvania, auf einem Lastkahn nach Panama City, Florida, transportiert und dann am 8. Dezember 1987 mit einem CH-47D Chinook-Hubschrauber zum US Army Aviation Museum in Fort Rucker, Alabama, geflogen. Der XCH-62-Prototyp, der größte Hubschrauber, der jemals in westlichen Ländern gebaut wurde. War im US Army Aviation Museum ausgestellt, wo er 2005 verschrottet wurde, da die Maschine durch die lange Lagerung im Freien stark beschädigt war. Im Jahr 2008 wurden mehrere Teile des Fahrwerkes an das Helicopter Museum in Weston-super-Mare (Vereinigtes Königreich) geschickt, um dort ausgestellt zu werden.
Technische Daten Kenngröße Daten Besatzung 5 Passagiere 12 Soldaten Rumpflänge 26,59 m Rumpfhöhe 9,83 m Rotordurchmesser 2 × 28,04 m Rotorkreisfläche 1232 m² Leermasse 27.025 kg max. Startmasse 53.524 kg Höchstgeschwindigkeit 269 km/h Überführungsreichweite 2800 km Triebwerke 3 × Allison T701-AD-700-Turbinen, mit jeweils 6.030 kW (8080 PS)
Ähnliche Modelle Sikorsky S-73 HLH Mil Mi-10 Sikorsky CH-54 Tarhe Boeing Vertol BV-347
Siehe auch Kranhubschrauber
Literatur John J. Schneider. The Developing Technology and Economics of Large Helicopters. University of Bristol, 1980.
Weblinks
XCH-62 auf globalsecurity.org XCH-62 auf helis.com XCH-62 auf flugrevue.de Boeing Vertol 301 auf aviastar.org
Einzelnachweise
Kategorie:Boeing Kategorie:Hubschrauber