Die Tour of Scandinavia 2022 war die Erstaustragung dieses Etappenrennens für Frauen. Sie fand vom 9. bis 14. August in Dänemark, Schweden und Norwegen statt und zählte zur UCI Women’s WorldTour 2022.
Vorgeschichte
2019 stellten die beiden in Skandinavien existierenden WorldTour-Rennen, Ladies Tour of Norway und Vårgårda WestSweden, einen Fusionsplan vor. Demnach sollten beide Veranstaltungen ab 2021 zu einem einzigen, zehntägigen Etappenrennen durch ganz Skandinavien zusammengelegt werden. Damit hätte es sich neben dem Giro d’Italia um das größte Etappenrennen im Frauenradsport gehandelt.
Letztlich konnte man sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Konzept einigen. Die norwegischen Organisatoren verfolgten die Pläne daher allein weiter und stellten im März 2021 einen Plan mit nur noch sechs Etappen vor. Der Radsport-Weltverband UCI hieß diese Pläne später gut. Die Tour of Scandinavia ersetzte somit die Ladies Tour of Norway, während Vårgårda WestSweden unabhängig blieb.
Der ursprünglich vorgesehene Name des erweiterten Rennens war Battle of the North. Erst nach der russischen Invasion der Ukraine fand man dies unpassend und änderte den Namen zu Tour of Scandinavia. Kontinuität mit der Ladies Tour of Norway drückte sich nicht nur in der Organisation, sondern auch im Streckenplan aus: Vier der sechs Etappen spielten sich in Norwegen ab, und deren Etappenziele waren identisch mit denen der Ladies Tour of Norway 2021.
Streckenführung
Die erste Etappe begann in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen am Kongens Nytorv. Von dort durchquerten die Fahrerinnen auf leicht welligem Terrain den Nordosten Seelands nach Helsingør, wo zweimal eine 15 km lange Schlussrunde zurückzulegen war. Die zweite Etappe in Schweden zog sich an der Küste von Bohuslän entlang, beginnend in der Ortschaft Mollösund auf der Insel Orust bis nach Strömstad nahe der norwegischen Grenze. Wenngleich das Höhenprofil nie 100 Meter Meereshöhe überschritt, enthielt es eine Reihe kurzer, steiler Steigungen.
Die beiden folgenden Etappen spielten sich in der norwegischen Provinz Østfold südöstlich von Oslo ab. Von Moss nach Sarpsborg herrschte ein ähnliches Höhenprofil wie bei der zweiten Etappe, wobei auf den vier Schlussrunden im Stadtgebiet von Sarpsborg jeweils 50 Höhenmeter von der Glomma ins Stadtzentrum zu überwinden waren. Die vierte Etappe von Askim nach Mysen wies keine besondere Schwierigkeit auf.
Die fünfte Etappe in Buskerud nordwestlich von Oslo galt als bergig und sollte mit dem Schlussanstieg auf den knapp 800 m hohen Norefjell für die entscheidenden Abstände im Gesamtklassement sorgen. Die Schlussetappe führte vom Osloer Vorort Lillestrøm nach Süden bis Halden an der schwedischen Grenze, wo sie mit vier kurzen Schlussrunden im Stadtgebiet endete.
Rennverlauf
1. Etappe
In Kopenhagen gingen 118 Fahrerinnen aus 20 Mannschaften an den Start, darunter Auswahlmannschaften Dänemarks und Norwegens. Annemiek van Vleuten, die die 2021 die Ladies Tour of Norway gewonnen hatte, ließ das Rennen nach ihrem Sieg bei der Tour de France Femmes aus.
Eine Ausreißergruppe kam nicht zustande, und die Aktionen im Hauptfeld blieben weitgehend auf diverse Zwischensprints und kleinere Bergwertungen beschränkt. Auch ein Versuch Demi Vollerings, die Hügel auf der Schlussrunde für eine Attacke zu benutzen, blieb erfolglos. Es kam daher zum Massensprint, den Marianne Vos vor Megan Jastrab gewann.
2. Etappe
Die schwedische Etappe nahm einen ähnlichen Verlauf wie die dänische: Trotz Seitenwinden blieb das Peloton zusammen, und im Zielsprint gewann Marianne Vos, die sich auf den letzten Metern an Emilia Fahlin vorbeischob und deren Heimsieg vereitelte.
3. Etappe
Elena Pirrone, Josie Nelson und später noch Lourdes Oyarbide betätigten sich als Ausreißerinnen und wurden mit Erreichen des Schlussrunden in Sarpsborg wieder eingeholt. Im etwas bergan führenden Sprint setzte sich erneut Marianne Vos durch, diesmal vor Cecilie Uttrup Ludwig. Hinter den ersten 20 Fahrerinnen hatten sich Lücken aufgetan, die für kleinere Abstände im Gesamtklassement sorgten.
4. Etappe
Zahlreiche Attacken blieben fruchtlos, bis 11 km vor dem Ziel Alice Barnes und Alexandra Manly einen kleinen Vorsprung erhielten, auch weil das Peloton durch einen Sturz aufgehalten worden war. Dreieinhalb Kilometer vor dem Ziel bekamen sie Verstärkung durch vier weitere Fahrerinnen, die sich in einem Kreisverkehr vom Feld abgesetzt hatten. Das Hauptfeld konnte diese Sechsergruppe nicht mehr einholen, und Manly gewann den Sprint, während Marianne Vos an der Spitze des Hauptfelds noch in derselben Zeit ins Ziel kam. In Person von Demi Vollering und Niamh Fisher-Black waren zwei Mitfavoritinnen fürs Gesamtklassement von einem Sturz betroffen; sie verloren rund fünf Minuten Zeit und traten am folgenden Tag nicht mehr an.
5. Etappe
Sophie Wrights Ausreißversuch zur Mitte des Rennens war der einzige nennenswerte des Tages; sie gewann maximal zwei Minuten Vorsprung und wurde am Fuß des Schlussanstiegs eingeholt. Auf dem 11 km langen Anstieg zum Norefjell dünnte sich das Feld schnell aus, bis 5 km vor dem Ziel noch zwölf Fahrerinnen übrig waren. Bald darauf attackierte Liane Lippert und zog Cecilie Uttrup Ludwig mit sich. Die beiden distanzierten den Rest der Gruppe, Uttrup Ludwig gewann den Sprint und übernahm zugleich die Gesamtführung.
6. Etappe
Eine fünfköpfige Ausreißergruppe wurde zu Beginn der Schlussrunden in Halden wieder eingeholt, anschließend versuchten Jeanne Korevaar und Anouska Koster jeweils ein Solo. Vier Kilometer vor dem Ziel, auf einem kurzen kopfsteingepflasterten Anstieg, attackierte Liane Lippert im Hauptfeld, um das Blatt im Gesamtklassement noch zu wenden, doch Cecilie Uttrup Ludwig konnte sie wieder einholen. Koster wurde auf dem Schlusskilometer wieder eingeholt, und Marianne Vos gewann klar den Sprint.
Uttrup Ludwig siegte in der Gesamtwertung vor Lippert und Alexandra Manly. Die Punktewertung, in die hauptsächlich die Zwischensprints eingegangen waren, ging an Alison Jackson. Auch die Bergwertung wurde durch die vielen kleinen Bergwertungen unterwegs entschieden, hier setzte sich Amber Kraak durch. Als beste Nachwuchsfahrerin wurde Neve Bradbury ausgezeichnet, die Mannschaftswertung gewann Team DSM.
Teilnehmende Teams
Weblinks
Parcours auf La Flamme Rouge
Einzelnachweise
Kategorie:Etappenrennen Kategorie:Straßenradrennen in Norwegen Kategorie:Straßenradrennen in Schweden Kategorie:Straßenradrennen in Dänemark Kategorie:Radrennen 2022 Kategorie:Frauenradrennen Kategorie:Frauensport (Norwegen) Kategorie:Frauensport (Schweden) Kategorie:Frauensport (Königreich Dänemark)