Sudheim ist eine Dorfwüstung in der Gemarkung von Hofgeismar im nordhessischen Landkreis Kassel. Sie befindet sich auf Höhe über NHN etwa 1,5 km südöstlich des Zentrums der Kernstadt Hofgeismar westlich der Esse. Die dortige Flurbezeichnung „Sudheimer Feld“ erinnert heute an die aufgegebene Siedlung. Die B 83 führt heute als Hofgeismarer Umgehungsstraße durch das Sudheimer Feld, die nach Norden in die Stadt führende Landesstraße L 3212 („Grebensteiner Straße“) wenige hundert Meter westlich vorbei.
Der heute im Südwesten der Flur Sudheimer Feld befindliche „Hof Sudheim“ () wurde erst im 20. Jahrhundert angelegt.
Geschichte Der Ort wurde 1015 als curtis erstmals urkundlich erwähnt.Die schriftliche Wiedergabe des Ortsnamens änderte sich im Laufe der Zeit: Sutheim (1015), Suthberch (1248/49), Sutberg (1253), Suberg (1258), Sutheim (1272/73), Suthem (13. Jahrhundert), Sutheym (1303), Suttheymer Gut (1365), Suthehm (1337), Sutheym (1382), Suthemer gut to Geysmarn (1409); siehe Sudheim, Kassel, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS) Im 12. Jahrhundert gehörte er zur Herrschaft der Edelherren von Schöneberg, Burgmannen und Lehensnehmer des Erzstifts Mainz auf der nahen Burg Schöneberg. In Sudheim hielten sie sowohl Allod als auch als Mainzer Lehen den Zehnt. Den Großteil ihres Besitzes im Dorf – zuletzt mehr als 20 Hufen, zwei Joch Wiesen und zwei Mühlen – vergaben sie im Laufe der Zeit als Afterlehen an Bürger von Hofgeismar. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts kamen die Schöneberger unter die Oberhoheit der Grafen von Dassel, und 1272 verkaufte Graf Ludolf V. von Dassel, auf Druck der mainzischen Stadt Hofgeismar, die villa Sudheim und die gesamte Herrschaft Schöneberg an Kurmainz.
1303 verpfändete Mainz die Vogtei über das Amt und Gericht Hofgeismar-Schöneberg dem Grafen Otto I. von Waldeck. 1365 verkauften die Grafen Otto II. und sein Sohn und Mitregent Heinrich VI. von Waldeck ihr Sudheimer Gut an die Brüder Heinrich und Hildebrand von Hardenberg; deren Familie verwaltete diesen Besitz in der Folge in ihrer Eigenschaft als mainzische Amtmänner von der Burg Schöneberg aus.
Das Kloster Hardehausen gelangte durch Schenkung des Mainzer Erzbischofs Gerhard I. bereits 1253 in den Besitz von drei Hufen und Teilen des Zehnten am Ort (= „am Sutberg“).Die Lage der Besitzungen wird mit Sutberg angegeben, wohl eine genauere Bezeichnung innerhalb der Feldmark. Den restlichen Teil des Zehnten schenkte Propst Berthold von Hofgeismar 1258 dem Kloster. 1370 hatte das Kloster Einkünfte vom Zehnten und fünf Hufen, 1376 vom Zehnten und nur noch drei Hufen. Das Frauenstift Kaufungen hatte zumindest im 14. Jahrhundert, wenn nicht schon früher, ebenfalls Grundbesitz in Sudheim.
1382 ist Sudheim noch als Dorf mit eigener Dorfmark beurkundet. Im Jahre 1432 wird nur noch die Feldmark erwähnt und die ehemalige Siedlung war bereits verlassen, ihre Bewohner waren in die nahe Stadt gezogen.
Fußnoten
Literatur Georg Landau: Historisch-topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften im Kurfürstenthum Hessen und in den großherzoglich hessischen Antheilen am Hessengaue, am Oberlahngaue und am Ittergaue. Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Siebentes Supplement, Theodor Fischer, Kassel, 1858, S. 34 Heinrich Reimer (Bearb.): Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 14), Elwert, Marburg, 1926, (Unveränderter Neudruck 1974, ISBN 3-7708-0510-0), S. 462 (Digitalisat) Thomas-Sergej Huck: Das Zisterzienserkloster Hardehausen in Ostwestfalen von seiner Gründung im Jahre 1140 bis in das 15. Jahrhundert. Studien zur Beschaffenheit und Organisation des klösterlichen Besitzes und zur Wirtschafts- und Rechtsgeschichte des Klosters unter besonderer Berücksichtigung siedlungsgeschichtlicher Aspekte. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach, 1998, ISBN 3-8267-2463-1 (= Deutsche Hochschulschriften. Band 2463 (Univ. Kassel, Dissertation, 1994)), S. 285–286 Kurt Günther: Territorialgeschichte der Landschaft zwischen Diemel und Oberweser vom 12. bis zum 16. Jahrhundert (Schriftenreihe des Arbeitskreises für Heimatgeschichte, Band 9), Magistrat der Stadt Immenhausen, Immenhausen, 1989 (Dissertation Marburg, 1959), S. 45–46 Helmut Müller (Bearb.): Urkunden des Klosters Hardehausen (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Reihe 37: Westfälische Urkunden (Texte und Regesten), Bd. 9), Mentis, Paderborn, 2002, ISBN 3-89785-294-2, S. 149–150, Nr. 151 Helmut Jäger: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Kreise Hofgeismar (= Göttinger geographische Abhandlungen. Heft 8). Magistrat der Stadt Immenhausen, 1988; Unbearbeiteter Nachdruck, Dissertation, Geographisches Institut der Universität Göttingen, 1951), S. 187, Nr. 102
Weblinks Sudheim, Kassel, im Historischen Ortslexikon Hessen (LAGIS)
Kategorie:Wüstung in Hofgeismar