Gertrude Aull (geboren 7. November 1910 in Offenbach am Main; gestorben 25. September 1993 in New York City) war eine amerikanische Psychologin deutscher Herkunft, die vor den Nationalsozialisten floh. mini|hochkant|Stolperstein in Offenbach
Leben Gertrud Johanna Aull war eine Tochter des Verwaltungsjuristen Heinrich Aull und der Helene Hesdörffer, sie hatte eine Schwester. Ihr Vater war von 1929 bis 1933 Beigeordneter in Offenbach. Unter dem Druck der Verfolgung nahm er sich 1938 das Leben, ihrer Mutter gelang die Flucht nach China. Aull begann 1930 ein Jura-Studium in Kiel, ging 1931 nach Berlin und wechselte zur Psychologie. 1934/35 studierte sie beim Gestaltpsychologen Wolfgang Köhler. 1933 heiratete sie den Chemiker Heinrich „Heinz“ Benjamin (später Henry Benjamin Aull) (1899–1976), sie hatten die 1938 geborene Tochter Felice Aull, die Medizinerin wurde. Sie flohen 1935 nach Wien, wo sie das Psychologiestudium fortsetzte. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 flohen sie nach Italien und 1940 in die USA. Die Ehe wurde 1950 geschieden, sie war später noch mit dem Psychologen Irving Silberg (1925–2023) verheiratet.
Aull machte 1950 einen M.A. an der New School for Social Research bei Mary Henle und wurde 1954 bei Helen Block Lewis in Gestaltpsychologie promoviert. Sie war von 1946 bis 1947 wissenschaftliche Mitarbeiterin von Solomon Asch an der New School. Anschließend unterrichtete sie am City College of New York und von 1950 bis 1958 am Wagner College in New York, ab 1956 als außerordentliche und ab 1957 als ordentliche Professorin. Sie übersetzte 1952 Leopold Szondis Werk Experimentelle Triebdiagnostik ins Englische.
Während dieser Zeit absolvierte sie eine psychoanalytische Ausbildung am von Theodor Reik gegründeten Lehrinstitut der National Psychological Association for Psychoanalysis (NPAP), deren Mitgliedschaft auch Nichtmedizinern offenstand. Sie eröffnete eine Privatpraxis als Psychoanalytikerin, die sie dreißig Jahre lange führte. 1962 wurde sie Ausbildungsleiterin am Metropolitan Center for Mental Health und 1971 Senior Associate des Center for Modern Psychoanalytic Studies in New York.
Gedenken Am 25. März 2019 wurden vor dem Wohnhaus in der Offenbacher Mainstraße 37 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig für die Familie Aull verlegt.
Schriften (Auswahl) Leopold Szondi: Experimental Diagnostics of drives. Übersetzung aus dem Deutschen Gertrude Aull. New York: Grune & Stratton, 1952 Sentence completion testing. A descriptive analysis. Phil. Diss. New School for Social Research, New York 1954 Gertrude Aull, Mary Henle: Factors decisive for resumption of interrupted activities: The question reopened. Psychological Review 60 (2), 1953, S. 81–88 Gertrude Aull, C. E. Kew: Treatment by two therapists. The Pastoral Counselor 4, 1966, S. 23–30 Gertrude Aull, Herbert S. Strean: The analyst’s silence. The Psychoanalytic Forum 2 (1), 1967, S. 71–87
Literatur Gertrude Aull (1910–1993), bei: Psychoanalytikerinnen. Biografisches Lexikon Laurence J. Nolan: Gertrude Joan Aull (1910–1993). Scientist and psychoanalyst. The Feminist Psychologist, 2006, S. 16
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