Das Museum Bernau ist das stadtgeschichtliche Museum der Stadt Bernau bei Berlin im Landkreis Barnim in Brandenburg. Das Museum wurde am 15. Mai 1882 eröffnet und zählt damit zu den ältesten Museen Brandenburgs. Die Sammlung widmet sich insbesondere der Geschichte Bernaus, dem mittelalterlichen Wehrwesen, dem städtischen Handwerk und der Alltagskultur.

Heute verfügt das Museum über drei historische Standorte. Während das Steintor und das Henkerhaus Dauerausstellungen beherbergen, dient das Kantorhaus vor allem als Sitz der Museumsverwaltung sowie für Wechselausstellungen und museumspädagogische Angebote.

Standorte und Sammlung

Steintor Das Steintor bildet den ältesten Standort des Museums Bernau und wird seit der Museumseröffnung im Jahr 1882 als Ausstellungsgebäude genutzt. Es ist das letzte erhaltene von ursprünglich drei mittelalterlichen Stadttoren Bernaus und Bestandteil der teilweise erhaltenen mittelalterlichen Wehranlage der Stadt. links|mini|309x309px|Rüstkammer im Steintor 1979 Den historischen Grundstock der Dauerausstellung bilden die Sammlungsgruppen von historischen Rüstungen und Waffen. Die erhaltenen Waffen- und Rüstungsteile stammen überwiegend aus der Zeit der städtischen Bürgerbewaffnung und damit aus nachmittelalterlicher Zeit. Sie dokumentieren die Wehrorganisation der Bernauer Bürgerschaft und gehören zu den ältesten Sammlungsbeständen des Museums. Die Ausstellung wurde im Laufe der Zeit um weitere Themenbereiche ergänzt. Im oberen Wehrgang befindet sich eine Sammlung historischer Schusswaffen. Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt widmet sich dem Handwerk und Wirtschaftsleben der Stadt. Von besonderer Bedeutung waren über Jahrhunderte die Bierbrauerei und die Tuchmacherei, die die wirtschaftliche Entwicklung Bernaus prägten.

Seit 1994 ermöglicht eine eingebaute Treppe den regulären Zugang zum Hungerturm. Vom Turm besteht ein Ausblick über die Bernauer Altstadt und Teile der historischen Stadtbefestigung.

Im unteren Wehrgang befindet sich zudem ein für museumspädagogische Zwecke eingerichteter Armbrustschießstand. Dort kann nach vorheriger Anmeldung das Schießen mit einer Armbrust erprobt werden.

Henkerhaus Das Henkerhaus liegt unmittelbar an der mittelalterlichen Stadtmauer von Bernau und stammt in seiner heutigen baulichen Gestalt im Wesentlichen aus dem 17. Jahrhundert. Es befindet sich in der Nähe des Mühlentors, das 1885 abgebrochen und 2012 bis 2013 in moderner Form wiedererrichtet wurde. Die Wohn- und Arbeitsstätte des Bernauer Scharfrichters befand sich am Rand der mittelalterlichen Stadtbebauung unmittelbar an der Stadtmauer. mini|Blick auf das Henkerhaus (rechts) an der Bernauer Stadtmauer mini|Ausstellungsraum im Henkerhaus Das Gebäude diente dem Scharfrichter von Bernau als Wohnhaus. Neben seiner Tätigkeit als vollstreckende Instanz betätigte er sich auch als Abdecker für Bernau und die umliegenden Ortschaften. Nach späteren Um- und Ausbauten erhielt das Gebäude im 19. Jahrhundert weitgehend die Gestalt, in der es heute präsentiert wird.

Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde das Henkerhaus 1976 als weiterer Standort dem Museum Bernau angegliedert.

Die Ausstellung vermittelt verschiedene Aspekte der Bernauer Rechts-, Sozial- und Alltagsgeschichte. Im Untergeschoss werden historische Gegenstände der Rechtspflege präsentiert. Zu den Ausstellungsstücken gehören unter anderem ein Richt- beziehungsweise Schlagrad, ein Richtschwert, Schandgegenstände sowie weitere Zeugnisse historischer Straf- und Gerichtspraxis.

Ein weiterer Bestandteil der Ausstellung ist die nach bauarchäologischen Befunden rekonstruierte „Schwarze Küche“. Charakteristisch für diesen historischen Küchentyp war das Kochen über offenem Feuer, wobei der entstehende Rauch den Raum schwärzte und ihm seine Bezeichnung gab. Die rekonstruierte Küche ist Teil der Ausstellung zur Wohn- und Alltagsgeschichte des Hauses.

Das sogenannte Bürgerzimmer zeigt eine historische Wohnsituation mit Möbeln und Gebrauchsgegenständen. Präsentiert werden unter anderem Porzellan und Kupfergeschirr des 18. und 19. Jahrhunderts. Ausgestellte Bierkrüge erinnern an die historische Bedeutung des Bernauer Bieres, das über Jahrhunderte zu den wichtigsten Erzeugnissen der städtischen Wirtschaft gehörte und auch über Brandenburg hinaus gehandelt wurde.

Ein Ausstellungsraum im Erdgeschoss widmet sich der kämpferischen Auseinandersetzung Bernaus mit den Hussiten im Jahr 1432. Gezeigt werden unter anderem bildliche Darstellungen dieses Ereignisses. Weitere Räume des Henkerhauses werden für Wechselausstellungen genutzt.

Kantorhaus Das Kantorhaus gehört zu den historischen Standorten des Museums Bernau und gilt als das älteste erhaltene Wohngebäude der Stadt. Das Gebäude besteht aus drei sogenannten „Buden“, die jeweils über einen eigenen Schornstein verfügen. Sie wurden 1582/83 von Bernauer Kastenherren gestiftet und errichtet.

Über mehrere Jahrhunderte dienten die drei Buden den Kantoren und Organisten der Stadt sowie deren Witwen als Dienstwohnungen. Damit ist das Gebäude eng mit der Kirchen- und Musikgeschichte Bernaus verbunden.

Von 1981 bis 1983 wurde das Kantorhaus umfassend rekonstruiert. Heute ergänzt es das Steintor und das Henkerhaus als weiterer Standort des Museums Bernau. Es wird insbesondere für Ausstellungen, Workshops, Veranstaltungen und museumspädagogische Angebote genutzt.

Seit 2023 befindet sich die Museumsverwaltung im Kantorhaus.

Börnicke mini|253x253px|Fotografie aus der Sammlung von Kutschen und Aggrarwerkzeugen in Börnicke 2026 Ein weiterer Sammlungsstandort des Museums Bernau befindet sich auf dem historischen Gutshof des Schlosses Börnicke. Die dort untergebrachten Bestände gelangten im Zusammenhang mit dem Erwerb des Lagerstandortes in den Besitz des Museums.

Die Sammlung umfasst nahezu ausschließlich historische landwirtschaftliche Geräte und dokumentiert damit verschiedene Bereiche der früheren Landwirtschaft und ländlichen Arbeitswelt. Die Objekte werden in Gebäuden des ehemaligen Gutshofes aufbewahrt, auf dessen Gelände sich heute unter anderem die Bernauer Braugenossenschaft befindet.

Zu den besonderen Sammlungsobjekten gehört eine historische Kutsche aus dem Besitz von Charlotte von Sachsen-Meiningen (1860–1919).

Geschichte des Museums

Vorgeschichte und Museumsgründung Als Vorläufer des Bernauer Museums gilt die Rüstkammer im Alten Rathaus. Dort lagerten seit dem 15. Jahrhundert bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts weitgehend unbeachtet mittelalterliche Schutz- und Trutzwaffen, die damals irrtümlich als Beutestücke der Hussiten angesehen wurden. Das erste Inventarverzeichnis dieses Bestandes wurde 1714 angefertigt.

Auf einer Reise von Berlin nach Schwedt besuchte im Sommer 1780 der Schweizer Astronom und Mathematiker Johann III. Bernoulli (1744–1807) Bernau. Dabei beschrieb er den Zustand der Waffensammlung: „[…] es liegt alles rostig und staubig, teils zerstreut, teils auf einem Haufen in einer Kammer, die einem Kerker gleicht, und zu welcher der Eingang finster und halsbrechend ist; es wäre in dem eben nicht prächtigen aber geräumlichen Rathause Platz genug gewesen, die Harnische sauber geputzt mit Prunk aufzustellen“. Nach dem Umbau des Rathauses wurden die Objekte in einem oberen nordöstlichen Eckzimmer des Gebäudes aufbewahrt. Für Schulkinder wurde diese Kammer fortan jährlich anlässlich des Hussitenfestes geöffnet.

Einen grundlegenden Anstoß zur Einrichtung eines Museums gab 1873 der Berliner Arzt und Kunstsammler Emil Jacobsen (1836–1911). Er wandte sich während der Amtszeit (1869–1875) des Bürgermeisters Julius Zimmermann an die Bernauer Stadtverordneten. Jacobsen regte die Aufarbeitung und Restaurierung der eingelagerten historischen Sammlungsgegenstände sowie deren dauerhafte Präsentation in geeigneten Räumen des Steintors an. Die Stadtverordneten stimmten dem Vorhaben zu.

In den folgenden Jahren wurde die Sammlung aufgearbeitet, ergänzt und für eine öffentliche Präsentation vorbereitet. Gleichzeitig waren bauliche Arbeiten am vorgesehenen Museumsgebäude erforderlich. Zu den letzten Maßnahmen vor der Eröffnung gehörten Reparaturen am Dach des Steintors.

Am 15. Mai 1882 wurde schließlich das damalige Heimatmuseum im Steintor eröffnet und entsprechend einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung durch Kronprinz Friedrich Wilhelm, den späteren Kaiser Friedrich III., Kronprinzessin Victoria sowie deren Tochter Prinzessin Victoria feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Einen Schwerpunkt bildete von Beginn an die Erinnerung an die Hussitenkriege und die Verteidigung Bernaus gegen die Hussiten im Jahr 1432. Die damals noch als Beutestücke der Hussiten interpretierten Waffenbestände spielten dabei eine zentrale Rolle. Das Museum wurde deshalb zeitweise auch als Hussitenmuseum beziehungsweise seine Ausstellung als Hussitenstube bezeichnet und gilt als eines der frühesten Museen, die sich schwerpunktmäßig mit der Erinnerung an die Hussitenkriege beschäftigten.

Die Eröffnung fand im Zusammenhang mit zwei in Bernau begangenen Jubiläen statt: dem vermeintlichen 650. Jahrestag der Verleihung des Stadtrechts und dem 450. Jahrestag des Hussitenangriffs von 1432. Die damals angenommene Stadtrechtsverleihung im Jahr 1232 ist urkundlich nicht nachweisbar. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung Bernaus als civitas stammt aus dem Jahr 1292. In einer im Zusammenhang mit der Vermählung der brandenburgischen Markgrafentochter Beatrix mit Heinrich II. von Mecklenburg ausgestellten Urkunde erscheint der Bernauer Propst Ludolf als Zeuge.

Entwicklung bis 1945 mini|283x283px|Ausstellung des Hussitenmuseums 1933 Am 1. Oktober 1882 übernahm der Handschuhmacher Dehwitz die ehrenamtliche Betreuung des Museums. Ihm folgte 1890 der Webermeister Rudolf Koch, 1897 Kantor Schall, später der Sattler Steck und ab 1899 der Seidenwirkermeister Julius Werner.

Im Oktober 1905 wurden erstmals Postkarten mit Ansichten der Wachstube verkauft. Vier Jahre später konnten Besucher eine erste Broschüre zur stadtgeschichtlichen Entwicklung Bernaus erwerben. Die Publikationen dienten ebenso wie die jährlich stattfindenden Hussitenfestspiele der öffentlichen Vermittlung und Bekanntmachung des Museums.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Ausstellung im Steintor um eine Sammlung von Handfeuerwaffen ergänzt, welche die Entwicklung des Militärgewehrs veranschaulichte. In dieser Zeit erkannte Professor Gustav Adolf Gloß die historische Bedeutung der vorhandenen Exponate. Auf Antrag des Bernauer Bürgermeisters Otto Gericke (Amtszeit 1916–1928) wurde das Hussitenmuseum vorübergehend geschlossen und Teile der Sammlung zur Untersuchung und Restaurierung in das Berliner Zeughaus überführt. links|mini|322x322px|Ansichtskarte der Rüstkammer während Nutzung als Hussitenmuseum Bei den dortigen Forschungsarbeiten stellte sich heraus, dass es sich bei den mittelalterlichen Waffen nicht, wie zuvor angenommen, um Waffen und Beutestücke der Hussiten, sondern um Waffen der Bernauer Bürgerbewaffnung handelte. Damit wurde die bis dahin verbreitete Deutung der Sammlung als Zeugnis des Hussitenangriffs von 1432 widerlegt. Das Berliner Zeughaus stellte dem Bernauer Museum zudem Feuerwaffen zur Verfügung, um die vorhandene Entwicklungsreihe der Handfeuerwaffen bis zum Ersten Weltkrieg zu vervollständigen. Im Gegenzug gelangten Objekte aus der Bernauer Sammlung in das Berliner Zeughaus.

Nach Abschluss der umfangreichen Restaurierungsarbeiten wurde das Museum 1925 wiedereröffnet. Gleichzeitig nahm Rektor August Körte als neuer Leiter sein Amt auf, welches er fast 20 Jahre bekleidete.

Während des Zweiten Weltkriegs musste der Museumsbetrieb eingeschränkt werden. 1943 wurden Sammlungsgegenstände zum Schutz vor Kriegseinwirkungen im Bernauer Hungerturm eingelagert.

Nachkriegszeit und DDR mini|344x344px|Postkarte aus der DDR vom Heimatmuseum Bernau