Gisela Polster (* 23. Juli 1952 in Glauchau) ist eine deutsche Textilgestalterin und Textilkünstlerin und war Hochschullehrerin.

Leben und Werk Gisela Polster absolvierte von 1969 bis 1972 eine Berufsausbildung als Weberin mit Abitur und studierte von 1972 bis 1975 Textilgestaltung an der Fachschule für Angewandte Kunst Schneeberg (FSAK). Danach arbeitete sie bis 1978 in Glauchau als Gestalterin im VEB Palla-Textilwerke Glauchau. Sie schied dort aus, weil sie keine ihren Möglichkeiten und Interessen entsprechenden Aufgaben erhielt.

Gisela Polster arbeitete dann freischaffend und war ab 1978 Leiterin des Fachgebiets Textilgestaltung an der FASAK bzw. bis zur Emeritierung Professorin an der Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau.

1981 nahm sie in Schneeberg an den II. Werkstatt-Tagen für Textilgestaltung der DDR teil. Seit 1980 ist ihr künstlerisches Lieblingsarbeitsgebiet die Seidenstickerei. Dabei begann sie mit Fallschirmseide, Überreste des Zweiten Weltkriegs. Sie schuf auch Entwürfe für Paramente für die Paramentenwerkstatt der Diakonissenanstalt Dresden und beriet diese. Die Werkstatt wurde 2000 geschlossen.

Gisela Polster war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Sie hatte in der Zeit der DDR im In- und Ausland eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. 1982/1983 und 1987/1988 an der IX. und X. Kunstausstellung der DDR in Dresden, 1983 in Göttingen an Kunsthandwerk aus der DDR. Textilgestaltung – Holzgestaltung und in Hannover und Tilburg an Minitextilkunst aus der DDR.

Neben ihrer beruflichen und künstlerischen Tätigkeit unterstützte sie die kulturelle Arbeit in ihrer Heimat. So illustrierte sie 1990 die Festschrift zum 450. Jahrestag der Weihe der St. Wolfgangskirche Schneeberg. 2025 betreute sie ein künstlerisches Projekt mit Schülerinnen und Schülern der Evangelischen Schulen in Schneeberg.

Selbstreflexion „Ich sticke, weil ich spüre, dass das Tun das Geheimnis der Freude in sich birgt und weil ich mich freue, sticke ich eben. Der manchmal graue Alltag schimmert in Farben.“

Rezeption „Die Zuwendung und Auseinandersetzung mit existenziellen Impulsen spielen immer wieder eine Rolle für Umsetzungen in „Seide“. Die Seidenstickerei in ihrem künstlerischen Prozess muss viel mitmachen, die Flächen werden gerissen und gefärbt, bestickt und gespannt – bis sie für unser Auge glanzvoll erlebt werden und die Inspiration der gewählten Themen widerspiegeln.“

Werkbeispiele

Seidenstickerei

Waldhufendorf (1979) Landschaftston (1980) Kleiner Vorhang (1981)Abbildung in Bildende Kunst, Berlin, 11/1981, S. 556 Jahreszeiten (1981) Himmel (35 × 27 cm)Abbildung im Katalog der Ausstellung Kunsthandwerk aus der DDR. Textilgestaltung – Holzgestaltung, S. 53

Fachpublikationen

Handwerk hat goldenen Boden. Konzeption und Anliegen der Ausbildung im Fachbereich Textilgestaltung an der Fachhochschule für angewandte Kunst Schneeberg. In: Bildende Kunst, Berlin, 1984, S. 358–361 Kirchenspitzen. Kirchenspitzen der 30er Jahre. Eine Auswahl aus den Archivbeständen „Angewandte Kunst Schneeberg“. Verlag für die Frau, Leipzig, 1996; ISBN 3730404423

Einzelausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung (unvollständig)

2014: Glauchau, Galerie art gluchowe („alltägliche Bilder“; Stickerei auf Seide) 2026: Schneeberg, Technisches Museum Siebenschlehener Pochwerk („Ewige Teufe – Herr, der du meine Pfade lenkst“; Seidenstickerei)

Literatur

Fritz Kämpfer, Klaus G. Beyer: Kunsthandwerk im Wandel. Aus dem Schaffen dreier Jahrzehnte in der Deutschen Demokratischen Republik. Verlag der Nation, Berlin, 1984 Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 717/718

Einzelnachweise

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