Günther Wich, auch Günter Wich (* 23. Mai 1928 in Bamberg), ist ein deutscher Dirigent. Er war Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover und der Deutschen Oper am Rhein. Von 1982 bis 1993 war er Professor für Dirigieren an der Hochschule für Musik Würzburg.

Leben

Ausbildung Wich wuchs in Saarbrücken auf. Er begann auf der Blockflöte und wechselte zur Querflöte; sein Lehrer war ein Flötist des Saarbrücker Stadttheaters. 1949 legte er das Abitur ab. Danach studierte er an der Hochschule für Musik Freiburg in zwei Hauptfächern: Flöte bei Gustav Scheck und Dirigieren bei Konrad Lechner und Carl Ueter.Christoph Henzel: Günther Wich über seine Tätigkeit als Professor für Dirigieren an der Hochschule für Musik Würzburg. Interview vom 19. Juli 2016, Hochschule für Musik Würzburg, abgerufen am 1. September 2026.Alain Pâris (Hrsg.): Le Nouveau Dictionnaire des interprètes. Laffont, Paris 2015, ISBN 978-2-221-14576-0, S. 1021.

Freiburg, Graz und Hannover 1952 kam Wich als Volontär an das Theater Freiburg unter dem Generalmusikdirektor Heinz Dressel. Sein erstes Dirigat war Carl Zellers Der Vogelhändler. In sieben Jahren stieg er zum Ersten Kapellmeister auf. Er dirigierte dort unter anderem Lohengrin, Die Meistersinger von Nürnberg, Der Rosenkavalier und Salome.

1959 ging er an die Oper Graz. Dort wurde für ihn die Stelle eines Musikalischen Oberleiters geschaffen, die es zuvor nicht gab.Wich, Günther. In: Bayerisches Musiker-Lexikon Online, hrsg. von Josef Focht, Version vom 11. Juni 2012, abgerufen am 1. September 2026 (dort zitiert nach Brockhaus/Riemann, Musiklexikon). Von 1961 bis 1965 war er Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover.Staatsoper Hannover. oper-magazin.de, 26. August 2022, abgerufen am 1. September 2026. 1963 brachte er dort die drei Einakter Arnold Schönbergs – Erwartung, Die glückliche Hand und Von heute auf morgen – erstmals als gemeinsamen Abend heraus. Die Produktion wurde anschließend bei der Biennale von Venedig gezeigt.Wolfram Schwinger, Martin Elste (Bearb.): Wich, Günther. In: Grove Music Online. Oxford University Press, 2001, doi:10.1093/gmo/9781561592630.article.30248.

Deutsche Oper am Rhein Von 1965 bis 1980 war Wich Generalmusikdirektor der Deutschen Oper am Rhein.Zum Ende der Amtszeit gibt es abweichende Angaben: 1980 bei Brockhaus/Riemann und bei Pâris, 1981 im GND-Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek und 1982 nach Wichs eigener Angabe von siebzehn Jahren ab 1965. Die Abweichungen lassen sich als Zählung nach Spielzeiten erklären. Er leitete die Häuser in Düsseldorf und Duisburg mit zwei Orchestern, einem gemeinsamen Chor und einem für beide Häuser gemeinsamen Solistenensemble.

Ein Schwerpunkt lag beim zeitgenössischen Musiktheater. 1971 dirigierte er die Düsseldorfer Neuproduktion von Bernd Alois Zimmermanns Die Soldaten, 1972 die britische Erstaufführung des Werks beim Edinburgh International Festival und 1979 die französische Erstaufführung mit dem Nouvel Orchestre Philharmonique de Radio France. In Düsseldorf dirigierte er außerdem Schönbergs Moses und Aron.

1968 debütierte Wich am Covent Garden mit Mozarts Zauberflöte. Als Gastdirigent trat er in mehreren europäischen Ländern und in Japan auf.

Repertoire Im Konzert lag Wichs Schwerpunkt bei Brahms, Bruckner, Beethoven und Mozart, in der Oper bei Mozart, Wagner und Strauss. Daneben dirigierte er Alte Musik auf historischen Instrumenten, vor allem mit der Cappella Coloniensis des WDR.

Das Violinkonzert von Alban Berg dirigierte er mit dem Solisten André Gertler. In Hannover setzte er Bergs Lulu als eines der ersten deutschen Häuser auf den Spielplan.

Grove Music Online beschreibt sein Dirigieren als ausdrucksbetont in der Tradition Wilhelm Furtwänglers, verbunden mit dem Sinn seiner Generation für Klarheit und Durchsichtigkeit, besonders bei Wagner.

Lehrtätigkeit Von 1969 bis 1973 leitete Wich die Dirigierklasse an der Folkwang Hochschule in Essen. 1982 wurde er als Nachfolger von Hanns Reinartz Professor für Dirigieren an der Hochschule für Musik Würzburg. Er unterrichtete meist in Gruppen und ohne Klavierbegleitung. Mit seiner Klasse arbeitete er regelmäßig bei den Hofer Symphonikern und den Nürnberger Symphonikern. 1993 endete seine Lehrtätigkeit.Pâris nennt als Ende der Würzburger Lehrtätigkeit 1994. Wich selbst gibt 1993 an und ergänzt, er habe danach noch ein bis zwei Jahre seine Studierenden zu Ende betreut.

Aufnahmen Wich nahm Werke von Corelli, Händel, Mozart und Pfitzner auf. 1979 spielte er Hans Werner Henzes Drei Dithyramben mit dem Rundfunk-Kammerorchester Saarbrücken ein. Die Aufnahme erschien 2001 bei Arte Nova (74321 89404 2).Ode an den Westwind, Cinque canzoni napoletane, Drei Dithyramben. Hans Werner Henze Stiftung, abgerufen am 1. September 2026.Norbert Rudell: CD-Besprechung. Klassik Heute, 17. Januar 2002, abgerufen am 1. September 2026.

Literatur Wolfram Schwinger, Martin Elste (Bearb.): Wich, Günther. In: Grove Music Online. Oxford University Press, 2001. Theodore Baker, Nicolas Slonimsky: Günther Wich. In: Baker's Biographical Dictionary of Musicians. Alain Pâris (Hrsg.): Le Nouveau Dictionnaire des interprètes. Laffont, Paris 2015, ISBN 978-2-221-14576-0, S. 1021.

Weblinks

Wich, Günther im Bayerischen Musiker-Lexikon Online Interview mit Günther Wich, geführt von Christoph Henzel, Hochschule für Musik Würzburg, 19. Juli 2016

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Generalmusikdirektor Kategorie:Hochschullehrer (HfM Würzburg) Kategorie:Hochschullehrer (Folkwang Universität, Standort Essen) Kategorie:Musiker (Deutschland) Kategorie:Person (Saarbrücken) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1928 Kategorie:Mann