mini|hochkant=1.3|Big Duck (2018) Big Duck (englisch für Große Ente) ist ein Gebäude in Form einer Pekingente in Flanders, einer Ortschaft im Osten von Long Island im US-Bundesstaat New York. Das Bauwerk wurde in den Jahren 1930 bis 1931 für den Entenzüchter Martin Maurer in Riverhead errichtet und als Verkaufsstelle für Geflügel genutzt. Im Jahr 1937 ließ Maurer das Gebäude auf seine neue Entenranch in Flanders versetzen. Nachdem Big Duck 1988 in den rund sechs Kilometer südöstlich gelegenen Sears-Bellows Pond County Park verlegt worden war, steht es seit 2007 wieder am Standort der Big Duck Ranch in Flanders.

Big Duck gilt als bekanntes Beispiel der mimetischen US-amerikanischen Straßenrandarchitektur. Architekturtheoretische Bedeutung erlangte es zudem als Namensgeber für den von Robert Venturi, Denise Scott Brown und Steven Izenour in Learning from Las Vegas beschriebenen Gebäudetypus des „duck“, der dem „decorated shed“ gegenübergestellt wird.

Im Jahre 1997 wurde Big Duck wegen seiner architektonischen Bedeutung sowohl in das New York State Register of Historic Places (NYSRHP) als auch in das National Register of Historic Places (NRHP) eingetragen.John Auwaerter: The Big Duck. National Register of Historic Places Registration Form. New York State Office of Parks, Recreation and Historic Preservation / National Park Service, Januar 1997 (PDF; 90,8 MB).

Geschichte Entstehungsgeschichte mini|Amerikanische Pekingenten, deren Körperform dem Gebäude als Vorbild diente mini|Big Duck going home: Translozierung zurück auf die Big Duck Ranch (2007) Zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägten zahlreiche Entenfarmen die Gegend um Riverhead und Flanders. Die Flüsse, Bäche und Buchten der Umgebung boten günstige Bedingungen für die Haltung von Pekingenten, die im 19. Jahrhundert aus China in die USA eingeführt wurden. Im Jahr 1939 bestanden im Suffolk County etwa 90 Entenfarmen, die jährlich mehr als drei Millionen Tiere produzierten. In den folgenden Jahrzehnten verlor die Branche jedoch zunehmend an Bedeutung. Strengere Umweltauflagen, steigende Bodenpreise und die zunehmende Wohnbebauung setzten den Betrieben zu.

Der Entenzüchter und ehemalige Futtermittelhändler Martin Maurer, der 1883 als Sohn deutscher Einwanderer in New Jersey geboren wurde,Susan Van Scoy: The Big Duck and Eastern Long Island’s Duck Farming Industry, Arcadia Publishing, Charleston, South Carolina 2019, ISBN 9781467102827. ließ Big Duck in den Jahren 1930 bis 1931 an der West Main Street in Riverhead errichten. Das Gebäude sollte als Hofladen dienen und durch seine Form auf die darin per Direktvermarktung angebotenen Enten aufmerksam machen. Maurer beauftragte den Zimmermann George A. Reeve mit dem Bau. Die Entwürfe stammten von den Brüdern Samuel und William Collins aus Calverton, die zuvor als Bühnenbildner in New York City tätig waren; die Maurerarbeiten übernahm das Unternehmen Smith & Yeager. Die Idee soll Maurer auf einer Reise nach Los Angeles gekommen sein. Dort hatte er gemeinsam mit seiner Frau Julia „Jeule“ Maurer ein Café in Form einer riesigen Kaffeekanne besucht.

Das nur saisonal geöffnete Geschäft zog bald nicht mehr allein Kunden, sondern auch Schaulustige an. Die Atlas Portland Cement Company, deren Weißzement für die Außenhaut verwendet worden war, bildete den Bau 1931 in einem Kalender ab und zeichnete ihn als spektakulärstes Zementbauwerk des Jahres aus. Maurer bezeichnete seinen Betrieb bald als „The Big Duck Ranch“ und ließ die Bezeichnung bereits im Juni 1932 als Marke registrieren. Schon wenige Jahre später wechselte Big Duck erstmals den Standort: Anfang 1937 ließ Maurer das Gebäude rund sechs Kilometer südöstlich auf seine neu erworbene Ranch an der Reeves Bay in Flanders versetzen. Dort stand es unmittelbar an der New York State Route 24, einer wichtigen Verkehrsverbindung zur South Fork, der südlichen Halbinsel von Long Island, und blieb über Jahrzehnte ein weithin wahrgenommenes Wahrzeichen.

Versetzungen und heutige Nutzung

1951 verkaufte Maurer die Ranch an die Familie Desson, die den Betrieb weiterführte. 1971 ging das Anwesen in den Besitz der Familie Colombo über. Im Jahr 1982 erwarben Kiamarz und Pouran Eshghi, die Anfang der 1960er Jahre aus dem Iran in die Vereinigten Staaten eingewandert waren, die Ranch. Sie beabsichtigten, dort eine Künstlerresidenz einzurichten; das Vorhaben wurde jedoch nicht verwirklicht. Als das Ehepaar Mitte der 1980er Jahre plante, die rund 4,5 Hektar große Ranch an einen Bauträger zu veräußern, der auf dem Grundstück eine Wohnsiedlung errichten wollte, setzten sich Anwohner und der Suffolk County Historic Trust für die Erhaltung des Big Duck ein. Die Eshghis übertrugen das Gebäude schließlich dem Suffolk County, behielten jedoch die Markenrechte und knüpften die Schenkung an die Bedingung, dass Big Duck zeitnah von dem Grundstück versetzt werde.

Im Januar 1988 trat Big Duck schließlich seine zweite große Reise an: Das Bauwerk wurde rund sechs Kilometer nach Südosten in den Sears-Bellows Pond County Park versetzt. Bei der anschließenden Instandsetzung wurden unter anderem die tragende Holzkonstruktion und die Außenhaut repariert, die Rückseite rekonstruiert, die Eingangstür ersetzt und der Innenraum neu verkleidet. Erst im Jahr 1993 wurde Big Duck wiedereröffnet, in Anwesenheit des Suffolk County Executive Robert J. Gaffney. Seither wird Big Duck als Geschenkartikelladen genutzt.

Im Jahr 2004 gab es Bestrebungen, Big Duck auf den Long Island MacArthur Airport zu versetzen. Nachdem die Pläne einer Bebauung des Areals der ehemaligen Big Duck Ranch gescheitert waren, wurde Big Duck im Jahr 2007 dorthin zurückversetzt. Seit 2008 ist auch das Gelände der Big Duck Ranch im National Register of Historic Places verzeichnet.

Architektur Big Duck ist etwa 9,1 Meter lang, 4,6 Meter breit und bis zum Kopf rund 6,1 Meter hoch. Der nutzbare Innenraum misst ungefähr 3,4 mal 4,6 Meter. Die tragende Konstruktion besteht aus handgesägten, vernagelten Holzrippen, die mit einem verzinkten Drahtgeflecht überspannt wurden. Auf das Drahtgeflecht wurden vier Schichten weißen Atlas-Zements aufgetragen, die mehrfach ausgebessert und neu angestrichen wurden.

Als Augen dienen zwei Rückleuchten eines Ford Modell T, seinerzeit das meistverkaufte Automobil der Welt. Für Wartungsarbeiten sind sie über kleine Klappen an der Rückseite des Kopfes zugänglich. Der Schnabel ist orange gefasst, der Schwanz nach oben gebogen. Der Haupteingang befindet sich in der Brust, ein weiterer Zugang an der Rückseite. Ursprünglich war der Innenraum mit weiß lackiertem Ofenrohrblech verkleidet und mit Verkaufstheke und Kühlschrank ausgestattet.

Rezeption und architekturtheoretische Bedeutung Big Duck entstand in einer Zeit, in der US-amerikanische Gewerbebetriebe an Fernstraßen zunehmend auffällige Bauten und großformatige Werbeschilder einsetzten, um die Aufmerksamkeit vorbeifahrender Autofahrer auf sich zu ziehen. Bei mimetischen Bauten nahm das Gebäude selbst die Form des angebotenen Produkts oder eines anderen werbenden Symbols an. Big Duck wurde zu einem der bekanntesten Beispiele dieses Bautyps.

Seit den 1960er Jahren fand Big Duck in der Architekturkritik Beachtung. Peter Blake führte das Gebäude 1964 in seinem Buch God’s Own Junkyard: The Planned Deterioration of America’s Landscape als besonders prägnantes Beispiel für die von ihm wahrgenommene Verunstaltung der amerikanischen Landschaft durch kommerzielle Zersiedelung und auffällige Straßenrandbebauung an. Die Architekturtheoretiker Denise Scott Brown und Robert Venturi behandelten es zunächst 1968 in einem Aufsatz und später in Learning from Las Vegas als Beispiel einer Architektur, die selbst zum Symbol wird. Bei einem solchen „duck“ wird das Gebäude selbst zum Zeichen. Raumaufteilung, Konstruktion und Nutzung sind seiner bildhaften äußeren Form untergeordnet. Demgegenüber bezeichneten sie als „decorated shed“ einen Bau, dessen Bedeutung nicht aus seiner Form hervorgeht, sondern erst durch Beschriftung, Schilder oder Dekoration vermittelt wird.Denise Scott Brown, Robert Venturi, Steven Izenour: Learning from Las Vegas: The forgotten symbolism of architectural form. Revised Edition. MIT Press, Cambridge, Massachusetts 1977, ISBN 0-262-72006-X, S. 87–92.

Chester Liebs bezeichnete Big Duck im Jahr 1985 in seinem Werk Main Street to Miracle Mile: American Roadside Architecture als vermutlich meistpubliziertes mimetisches Gebäude der Vereinigten Staaten.Chester Liebs: Main Street to Miracle Mile: American Roadside Architecture. Little, Brown and Company, Boston 1985, ISBN 978-0821215852, S. 49.

Weblinks

Literatur Susan Van Scoy: The Big Duck and Eastern Long Island’s Duck Farming Industry, Arcadia Publishing, Charleston, South Carolina 2019, ISBN 978-1467102827.

Einzelnachweise

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