Die Fernschreiber AG war ein deutsches Unternehmen der Telekommunikationsbranche mit Sitz in Berlin, das Ende der 1920er Jahre zur Kommerzialisierung und Organisation des aufkommenden Fernschreibnetzes gegründet wurde.
Geschichte Das Unternehmen ging aus der Ausgliederung oder Umbenennung der Studiengesellschaft für Schnellberichtswesen AG (Berlin) hervor. Als die Reichspost nach Erprobungen ab 1926 im Jahr 1928 offiziell die Nutzung von Fernschreibern auf bestehenden Postleitungen gestattete, reagierte der private Finanzsektor umgehend. Ein Bankenkonsortium unter der Führung der Commerz- und Privat-Bank AG gründete daraufhin die Fernschreiber AG. Den Aufsichtsratsvorsitz übernahm der Bankier Curt Sobernheim. Ab 1931 übernahm der Diplomat Hans Heinrich Redlhammer die Leitung des Unternehmens.
In der Anfangsphase war die Gesellschaft zudem an internationalen Kooperationen beteiligt. Fernschreiber waren von Anfang an ein internationales Geschäft, in dem amerikanische Hersteller der damals „Start-Stop-Schreiber“ oder „Springschreiber“ genannten Geräte (Teletype, vormals Morkrum und Kleinschmidt) und britische Hersteller (Creed) führend waren. Die deutschen Hersteller Siemens & Halske sowie der C. Lorenz AG erwarben Lizenzen zum Import und zur Weiterentwicklung.Hans Rudolf Johannsen: Fernschreiben. VDE Geschichte der Elektrotechnik. Abgerufen am 31. August 2026 von https://www.vde.com/de/geschichte/chronik/fernschreiben
1930 initiierte die Fernschreiber AG zusammen mit den großen europäischen Nachrichtenagenturen Havas, Reuters und Wolffs Telegraphisches Bureau (WTB) sowie der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) ein Gemeinschaftsunternehmen in Amsterdam zur länderübergreifenden, mietweisen Bereitstellung von Ticker-Systemen und Fernschreibgeräten für Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Banken und Handelshäuser.
Das stark von Havas gelenkte Gemeinschaftsunternehmen, die Compagnie Européenne des Tickers (C. E. T.), versuchte ab 1933 von Siemens & Halske die Rechte für den Hellschreiber zu erwerben, was aufgrund des Widerstands von Reuters und der Wolff-Nachfolgerin Deutsches Nachrichtenbüro (DNB) scheiterte. Die C. E. T. zerbrach bald darauf an den technischen, wirtschaftlichen und politischen Gegensätzen der Mitgliedsunternehmen. Sie wurde 1935 liquidiert.
Unternehmenszweck Da der Markt für private Fernübertragungstechnik durch die Neuregelung der Reichspost stark wuchs, fokussierte sich die Gesellschaft auf: den Vertrieb, den Verkauf sowie die Vermietung von Fernschreibmaschinen und zugehörigen technischen Endgeräten, die Bereitstellung von Geräten der führenden Hersteller Siemens & Halske sowie der C. Lorenz AG, den Aufbau und Betrieb kommerzieller Telegrafen- und Nachrichtendienste.
Firmensitz Die Geschäftsräume des Unternehmens befanden sich in Berlin-Mitte in der Behrenstraße 14/16. In unmittelbarer Nachbarschaft war auch das Konsortium der Commerzbank ansässig.
Siehe auch Telex-Netz Nachrichtenticker
Weblinks Pressearchiv zur Fernschreiber AG in den Historischen Pressearchiven der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Berlin) Kategorie:Telekommunikationsunternehmen (Deutschland) Kategorie:Unternehmensgründung 1928