mini|Der graue Mann an der Spätenwalder Ewigkeit (2005) mini|(1912) Der Graue Mann oder Steinerne Mann, schlesisch Stona Moan, sowie der Steinerne Wenzel sind Statuen in der vormaligen Grafschaft Glatz, seit Kriegsende 1945 Polen. Sie werden demselben Ersteller zugeschrieben.
Zwei Steinfiguren Der Graue Mann befindet sich an der Waldschneise „Spätenwalder Ewigkeit“ oder „Straße der Ewigkeit“ im Nesselgrunder Forst im Habelschwerdter Gebirge.
Nordwestlich des Ortes Spätenwalde verläuft die im 18. Jahrhundert geschaffene, fast sechs Kilometer lange Waldschneise, die als „Spätenwalder Ewigkeit“ bezeichnet wurde. An ihrem südöstlichen Ende, nahe Hüttenguth, steht als Wegweiser der Graue Mann, nördlich von Voigtsdorf.
Das Pendant zum Steinernen Mann, der Steinerne Wenzel, schlesisch Stonan Wenzel, ist eine, ebenso wie der Graue Mann, zwei Meter hohe Steinfigur. Sie ist wesentlich weniger gut ausgeführt, der Körper und die Gliedmaßen sind nur angedeutet. Sie stand vom Grauen Mann etwa fünf Kilometer entfernt, zwischen Hammer und Brand im Wald in der Nähe des Steinbruchs an der Erhebung Schlösselkoppe (Zamkowa kopa).
Geschichte Grauer Mann Eine Beschreibung in der „Schlesischen Chronik“ des Jahres 1911 besagt, dass der Graue Mann im damaligen Forstschutzgebiet Buchberg zu der Zeit bereits über 100 Jahre alt war. Eine Aussage zu dem ursprünglichen Schöpfer der Statue scheint nicht auffindbar. In einem Altlomnitzer Heimatbuch wird beschrieben, dass ein Steinmetzmeister aus Hammer die Skulptur 1872 wieder hergestellt habe, nachdem sie von ruchlosen Händen zertrümmert worden sei.
Beschädigungen bis hin zur Zerstörung kamen im Lauf der Jahre immer wieder vor. In einem Artikel des Jahres 1911 verwischen sich anscheinend die Erzählungen über den Grauen Mann und den Steinernen Wenzel. Hier hieß es, dass man nach Fertigstellung der Wegstrecke, die man später, da sie so endlos scheint, die „Spätenwalder Ewigkeit“ nannte, einen Felsen aufstellte, der die rohen Umrisse eines Menschen zeigt. Der königliche Förster, später Oberförster, Joseph Dinter, ließ den Stein so bearbeiten, dass er die tatsächliche Figur eines Mannes bekam. In einem Artikel über die Besiedlung der Grafschaft Glatz heißt es zudem, „der als Wegweiser dienende Steinerne Mann oder Steinerne Wenzel war ursprünglich als dem Künstler leider nicht geglücktes Denkmal dieses Königs Wenzel gedacht“. „Bubenhände“ zerstörten es später und die Trümmer lagen etwa 20 Jahre lang zerstreut auf dem Boden. Im Jahr 1872 ließ der Oberholzschläger Amand Geisler in Voigtsdorf durch den Steinmetzen Welzel aus Hammer die Teile wieder zusammensetzen und die zerstörten ergänzen. Die Wiederherstellung wurde mit einem großen, lange in Erinnerung gebliebenen Fest gefeiert.
Eine offenbar weitere komplette Zerstörung wurde im Jahr 1989 von einem Breslauer Professor anhand alter Fotos, unter Verwendung zahlreicher Originalteile, wieder behoben, der Kopf wurde völlig erneuert. Für das Jahr 2011 wurde von einer lädierten Nase, aber sonst gutem Zustand berichtet.
Obwohl die Inschrift auf dem Zylinderhut ihn „Grauer Mann“ nennt, wurde er auf der Forstkarte und darauf fußend in den Messtischblättern als „Steinerner Mann“ aufgenommen – mit letzterer Bezeichnung wurde er auch von den Anwohnern der Umgegend genannt. Weitere Namen der Statue waren „Wächter der Ewigkeit“, „Der graue Mann von Hüttenguth“ oder „Grauer Mann“ bei Spätenwalde. Die Statue und der Steinerne Wenzel wurden in einer Publikation des Jahres 1917 als „Zwei Brüder“ bezeichnet.
Die Hände des etwa zwei Meter hohen Mannes aus Sandstein – in der Umgebung gibt es größere Sandsteinvorkommen – stecken in einem Muff mit der Aufschrift Nesselgrund und einem Richtungspfeil. Der Zylinder trägt die Aufschrift „Grauer Mann“. Die Füße stecken in 52 cm langen „steinernen Potschen“. „Auf der Spitze seines Hutes hat er … ein geschnitztes Labyrinth“.
Rezeptionsgeschichte Der Autor des Artikels in der Schlesischen Chronik im Jahr 1911 vermutete in dem Werk des Grauen Mannes einen offenbaren „Ausfluss des Humors, den man in der Glatzer Bevölkerung und gerade am schönsten in den abgelegenen Walddörfern beobachten kann“.
mini|hochkant|Kopie in Murrhardt (2016) Der spätere Rauchwarenveredler und Pelzhändler Richard Franke (* 1901; † 1976), ein großer Kunstfreund und -sammler, stammte aus Pohldorf. Bereits als Jugendlicher hatte er viel von dem geheimnisvollen Grauen oder Steinernen Mann gehört, der bei einigen Heimatschriftstellern und in seiner Familie bereits zur Sage geworden war. Als sein Vater 1915 aus dem Wehrmachtsurlaub zurückkam, bat ihn der Oberförster Wrede für den inzwischen wohl von „Lausejungen“ aus dem Sockel gehobenen und umgeworfenen Mann ein neues Podest zu schaffen. Mit ihm zur Verfügung gestellten Arbeitskräften wurde die Figur auf einen neuen Sockel gestellt, wo er bis einige Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs unbehelligt verblieb. Als er dann letztlich doch von Rowdies zerstört wurde, setzte sich Richard Franke, anfangs vergeblich, für eine Wiederinstandsetzung auf seine Kosten ein. Eine verkleinerte, in seinem Auftrag angefertigte Nachbildung steht auf dem Familiengrundstück in Murrhardt, Baden-Württemberg.(Stand 2026)
Eine wesentlich kleinere geschnitzte Nachbildung des Steinernen Mannes erhielt Roland Scholz von einer Reise seines Vaters im Jahr 1973 mitgebracht, angefertigt von dem Enkelkind einer Maria Seidelmanns aus Altlomnitz. 2007 schnitzte Scholz, dadurch angeregt, eine anderthalb Meter hohe Statue aus Fichtenholz, die jedoch nach knapp 15 Jahren verfault war.
Steinerner Wenzel Über das Leben des Namensgebers Wenzel von Böhmen (um 908–929 oder 935), eines böhmischen Fürsten, Herrscher einer kleinen Region um Prag und Oberhaupt des böhmischen Stammesverbandes, berichteten Heiligenlegenden. Bereits im 10. Jahrhundert setzte seine Verehrung als Heiliger ein, im Hochmittelalter wurde er Schutzpatron von Böhmen.
Der nach ihm benannte, über drei Tonnen schwere Stein weist auf der Rückseite mehrere Inschriften auf. Die am besten lesbaren, aber noch nicht entschlüsselten sind: „GP1717“, „GV1743“ und „CIH1772“ sowie Zeitangaben. Sichtbar ist das Jahr 1717, gefolgt von dem Monogramm GP, ganz unten das Monogramm „CIH“ mit der Jahreszahl 1772. In Brusthöhe befindet sich auf der Vorderseite ein graviertes Kreuz. Am Sockel ist eine lange Vertiefung, von der angenommen wird, dass sich hier bei der Steinsetzung eine Zeitkapsel befunden haben könnte. Im Dezember 2023 wurde feierlich für den auch „Zweiten Wächter der Ewigkeit“ genannten wiederum eine solche Kapsel verlegt.Einladungsschreiben zur Verlegung der Zeitkapsel zum Steinernen Wenzel in der Nähe des Försterhauses der Dolna, 19. September 2023.
Ursprünglich stand der Steinerne Wenzel an der Straße zwischen den Dörfern Hammer und Brand. Im Oktober 2022 wurde der inzwischen als verschollen angesehene Stein von dem Förster Grzegorz Kmiecik bei Erdarbeiten in der Forstwirtschaft von Spalona Dolna wiederentdeckt und vor dessen Försterhaus aufgestellt. Nachdem das Forstamt Bystrzyca Kłodzka beschlossen hatte, den Stein zu einer lokalen Touristenattraktion zu machen, wurde er etwas entfernt, besser sichtbar, umgesetzt (50°17'15.0"N, 16°31'12.5"E).
Der amtliche Niederschlesische Denkmalspfleger hatte zuvor befunden, dass der Fund nicht den gesetzlichen Anforderungen für die Anerkennung als Denkmal entspreche. Er räumte jedoch ein, dass die Statue aus historischen Gründen interessant sei, da er ein materielles Zeugnis für die Pflege von Legenden und Erzählungen im Zusammenhang mit der Geschichte des Glatzer Landes durch die örtliche Bevölkerung sei. Das Landratsamt entschied, dass der Eigentümer der Statue das Forstamt Bystrzyca Kłodzka ist.
Sagen Einer der Überlieferungen nach soll der Steinerne Mann dem Grafen Herberstein das Leben gerettet haben, als der nach dem Ersten Schlesischen Krieg (1740–1742) das Land verlassen musste. Der Graf kam nach den Kriegen allerdings immer wieder über die Grenze ins Schloss in Grafenort und wiegelte von dort die Grafschafter gegen den preußischen König Friedrich II. auf. Als er einmal entkommenen musste, floh er in Richtung Spätenwalder Ewigkeit. Als der Graf im Morgengrauen vor Erschöpfung nicht mehr weiterkonnte, sahen die Verfolger im Morgennebel eine Gestalt. Ein Soldat schoss in die Richtung, fiel aber von der am Steinernen Mann abgeprallten Kugel tot um. Seine Kameraden kehrten um, während der Graf über den „Todesangststeig“ über die Grenze nach Böhmen entkam.
Siehe auch Wegweiser „Grauer Mann“ bei Spätenwalde Foto, Herder-Institut Marburg (vor 1945, abgerufen am 30. Mai 2026) Die Grafschaft Glatz. Bebilderte Landkarte, etwa unten Mitte, links von Habelschwerdt, „Steinerner Mann“. Marx Verlag Heidelberg, 1979 (abgerufen am 30. Juli 2026) Kurzes Video, Vorbeifahrt am Steinernen Mann, „Diese geheimnisvolle Straße ist die Spätenwalder Ewigkeit (auch bekannt als „Ewigkeitsstraße“) im Habelschwerdter Gebirge in Niederschlesien. Der malerische, etwa 5,5 km lange Waldweg …“ (polnischer Begleittext). Abgerufen am 31. Juli 2026.
Weblinks
Hüter der Ewigkeit, Grauer Mann, Steinerne Mann (Fotos). polska-org.pl, abgerufen am 31. August 2026.
Einzelnachweise Roland Scholz: Meine Begegnungen mit dem Steinernen Mann. woelfelsdorf.info, Interessengemeinschaft Wölfelsdorf, abgerufen am 30. Juli 2026
Joseph Fritsch: Aus: Die Besiedlung der Grafschaft Glatz (undatierte Abschrift).
Richard Maria Franke: Der „Steinerne Mann“ in der Spätenwalder Ewigkeit. (Grafschafter Bote, undatierter Ausschnitt).
„HG“: Grauer Mann (Steinerner Mann) – Stona Wenzan (Steinerner Wenzel). In: Grafschafter Bote, Nr. 12. Dezember 1990.
Anna Kmiecik: Aktuelle Nachrichten aus der Grafschaft Glatz – Zwei Brüder: Der graue Mann. Der steinerne Wenzel. Primärquelle: Facebook-Seite „Nadleśnictwo Zdroje, Lasy Państwowe“. Abgerufen am 30. Juli 2026.
Grzegorz Kmiecik: Kamienny Wacław (Der Steinerne Wenzel). 2012–2026 sciezkawbok.wordpress.com (polnisch). Abgerufen am 20. August 2026.
H. Otto: Altertümliches – Ein seltsamer Wegweiser. In: Schlesische Chronik, Nr. 20, 15. Juli 1912, S. 538–539 (PDF). Abgerufen am 31. Juli 2026.
Kategorie:Glatzer Land Kategorie:Steinskulptur Kategorie:Wenzel von Böhmen Kategorie:Gmina Bystrzyca Kłodzka