Taiwanofungus camphoratus ist eine holzbewohnende Porlingsart aus der Familie Taiwanofungaceae innerhalb der Stielporlingsartigen (Polyporales). Die Art kommt natürlich nur auf Taiwan vor. Sie besiedelt das Kernholz des ebenfalls dort endemischen Baumes Cinnamomum kanehirae und verursacht eine Braunfäule des Kernholzes.
In der mykologischen, pharmakologischen und lebensmittelwissenschaftlichen Literatur wird die Art häufig noch unter den Synonymen Antrodia camphorata und Antrodia cinnamomea behandelt. Ihre Fruchtkörper werden auf Taiwan volksmedizinisch genutzt. Kultiviertes Myzel dient als Ausgangsstoff für Nahrungsergänzungsmittel.
Merkmale Makroskopische Merkmale Die mehrjährigen Fruchtkörper liegen dem Holz teilweise flächig an und bilden an ihren Rändern abstehende oder konsolenförmige Hutanteile. Sie sind korkig bis holzig hart und schmecken stark bitter. Die porige Fruchtschicht ist gelblich orange, orangerot oder orangebraun. Ältere Fruchtkörper können dunkelbraun werden.
Die nahe verwandte Art T. salmoneus bildet frisch lachsrosa gefärbte Porenflächen und wächst auf Cunninghamia konishii. T. camphoratus hat dagegen eine rotorange bis hell zimtfarbene Porenfläche und ist an Cinnamomum kanehirae gebunden.
Mikroskopische Merkmale Das Hyphensystem ist dimitisch bis trimitisch. Die generativen Hyphen besitzen Schnallen, die Skeletthyphen reagieren schwach amyloid. Die keulenförmigen Basidien tragen jeweils vier Sterigmen. Die Basidiosporen sind zylindrisch, glatt und dünnwandig. Sie reagieren weder amyloid noch cyanophil. In Kulturen bildet die Art sowohl Arthrokonidien als auch Chlamydosporen. Diese beiden ungeschlechtlichen Sporenformen gehören zu den Merkmalen, die Taiwanofungus von den morphologisch ähnlichen Gattungen Antrodia und Antrodiella unterscheiden.
Verbreitung und Lebensweise Natürliche Vorkommen sind bislang nur von Taiwan bekannt. Dort wurde die Art ausschließlich an Cinnamomum kanehirae gefunden. Das Myzel wächst im Kernholz. Die Fruchtkörper entstehen vor allem an den Innenflächen hohler oder bereits stark zersetzter Stämme.
Genomische Untersuchungen bestätigen, dass Taiwanofungus camphoratus eine Braunfäule des Kernholzes hervorruft. Im Vergleich mit anderen untersuchten Ständerpilzen besitzt die Art verhältnismäßig wenige Gene für holzabbauende Enzyme. Dies könnte ihre enge Bindung an den Wirtsbaum sowie das langsame Wachstum und die schwierige Kultivierung der Fruchtkörper erklären.
Systematik und Nomenklatur Die Erstbeschreibung von Mu Zang und Ching-Hua Su erschien 1990 unter dem Namen Ganoderma comphoratum und wurde später zu G. camphoratum geändert. Eine zweite Beschreibung veröffentlichten Tun-Tschu Chang und Wen-Neng Chou 1995 unter dem Namen Antrodia cinnamomea.
Eine Untersuchung der Typusexemplare ergab 1997, dass beide Namen dieselbe Art betrafen. Die Autoren kombinierten den älteren Namen zu Antrodia camphorata. Die ursprüngliche Zuordnung zu Ganoderma beruhte wahrscheinlich auf fremden Sporen, die dem Typusexemplar anhafteten.
Morphologische Merkmale und eine Untersuchung der ribosomalen DNA führten 2004 zur Aufstellung der Gattung Taiwanofungus. Die untersuchten Stämme bildeten weder mit Antrodia noch mit Antrodiella eine gemeinsame Gruppe. T. camphoratus wurde zur Typusart der neuen Gattung bestimmt.
Die Benennung blieb wegen des uneinheitlich zusammengesetzten Typusmaterials längere Zeit umstritten. Eine nomenklatorische Untersuchung von 2012 empfahl, den Namen Ganoderma camphoratum mit einem neuen Typus zu erhalten und für die Art den Namen T. camphoratus zu verwenden.
Eine molekulargenetische Neubearbeitung der Braunfäulepilze innerhalb der Stielporlingsartigen stellte die Gattung 2023 in die neu errichtete Familie Taiwanofungaceae.
Nutzung und Kultivierung Die erste medizinische Nutzung wird indigenen Bevölkerungsgruppen Taiwans zugeschrieben. Sie verwendeten die Fruchtkörper demnach insbesondere bei Beschwerden nach Alkoholkonsum. Neuere ethnopharmakologische Übersichten nennen außerdem Anwendungen bei Durchfall, Bauchschmerzen und Leberbeschwerden.
Die geringe Verfügbarkeit natürlicher Fruchtkörper führte zur Entwicklung verschiedener Kulturverfahren. Myzel wird vor allem durch Flüssig- oder Feststofffermentation gewonnen. Fruchtkörper konnten experimentell auf Holzstücken von Cinnamomum kanehirae sowie auf Agar-Nährböden erzeugt werden.
Myzel und Fruchtkörper unterscheiden sich in ihrer chemischen Zusammensetzung.
Inhaltsstoffe und pharmakologische Forschung Aus Fruchtkörpern, kultiviertem Myzel und Kulturflüssigkeiten wurden zahlreiche sekundäre Metaboliten isoliert. Dazu gehören Triterpenoide, Polysaccharide, Benzolderivate sowie Chinon- und Ubiquinonderivate. Das Ubiquinonderivat Antroquinonol wurde 2007 aus feststofffermentiertem Myzel isoliert.
In Zellkulturstudien wurden unter anderem Einflüsse verschiedener Extrakte oder isolierter Stoffe auf oxidative Reaktionen, Entzündungsvorgänge und den Fettstoffwechsel untersucht. Tierstudien befassten sich außerdem mit experimentell erzeugten Leberschäden.
In einer 2022 veröffentlichten randomisierten und placebokontrollierten Studie wurden 104 Personen mit erhöhter Gamma-Glutamyltransferase einer Verum- oder Placebogruppe zugeteilt. 80 Personen beendeten die zwölfwöchige Untersuchung. Die Verumgruppe erhielt täglich 300 Milligramm eines Antroquinonol enthaltenden Präparats. Berichtet wurden niedrigere Werte der Aspartat-Aminotransferase, der Alanin-Aminotransferase und der Triglyceride gegenüber der Placebogruppe.
Verwendung als Novel Food Die Europäische Kommission genehmigte im Dezember 2022 ein gefriergetrocknetes Myzelpulver (hier Antrodia camphorata) als Novel Food. Die Genehmigung betrifft Nahrungsergänzungsmittel für Personen ab 14 Jahren. Die zulässige Höchstmenge beträgt 990 Milligramm täglich. Das zugelassene Erzeugnis besteht aus dem gefriergetrockneten Myzel des Stammes BCRC 39106, das durch Feststofffermentation hergestellt wird.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bewertete das Myzelpulver bei der beantragten Verwendungsmenge für Personen ab 14 Jahren als sicher.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Stielporlingsartige