mini|Luftbild von Pech Maho. Das Flussbett der Berre (nicht zu erkennen) verläuft unterhalb des westlichen (linken) Randes des Plateaus. Pech Maho, auch Pech de Mao, ist ein Hügel oberhalb der südfranzösischen Gemeinde Sigean, etwa 20 Kilometer südlich von Narbonne, auf dem sich in vorrömischer Zeit ein Oppidum der Elisyker befand. Eine Besiedelung ließ sich archäologisch von etwa 560 bis 200 v. Chr. nachweisen.

Die Ruinen des „oppidum de Pech de Maho“ wurden schrittweise von 1961 bis 1963 als „Monument historique“ unter Denkmalschutz gestellt.

Lage mini|hochkant=1.5|Lage bekannter Oppida der Elisyker (rot) auf einer Karte mit den ungefähren eisenzeitlichen Küstenverhältnissen. Pech Maho ist der südlichste der bekannten Orte der Elisyker. Andere antike Stätte in Blau. Narbo Martius: heute Narbonne. Besara: Béziers, Agathe Tyche: Agde. mini|hochkant=1.5|Wie vorherige Karte, aber mit den heutigen Küstenverhältnissen.

Das Oppidum lag auf einem etwa zwei Hektar großen, dreieckigen Kalksteinhügel, der sich etwa 20 Meter über das Umland erhebt. Eine Spitze des Dreiecks zeigt nach Nordwesten. Die beiden daran anschließenden Seiten sind durch steile Hänge gut geschützt. Nur von Süden her ist das Plateau leicht zugänglich. Hier liegt es nur um fünf Meter über der Gegend. Der Hügel erhebt sich heute am direkt am rechten Ufer der Berre und ist knapp 10 Kilometer von der östlich gelegenen Mittelmeerküste bei Port-la-Nouvelle entfernt. Die heutige Entfernung zum Ufer des nördlich liegenden Etang de Bages et de Sigean beträgt nur etwa 2,5 Kilometer.

In der Eisenzeit erstreckte sich der nördlich liegende Étang jedoch vermutlich bis an die Basis des Hügels, so dass die Berre bereits hier mündete. Pech Maho war daher eine Hafenstadt. Seitdem ist das Mündungsgebiet durch von der Berre angeschwemmte Sedimente stark verlandet, so dass sich die Mündung über die Jahrtausende zunehmend nach Norden verschoben hat. Auch weitere Küstenbereiche der nördlichen Étangs sind seitdem stark verlandet: Das nordwestlich gelegene Massif de la Clape war ein Insel, der Bereich zwischen dieser und dem westlichen Festland war den Römern als Lacus Rubrensis oder Lacus Rubresus bekannt, dessen größter Überrest heute der Étang de Bages et de Sigean ist. Möglicherweise gab es südlich von Pech Maho einen Nebenfluss der Berre.

Die Siedlungsstätte wurde auf etwa einem Hektar des Plateaus nachgewiesen. Nach Süden hin war die Siedlung durch ein starkes Verteidigungssystem geschützt. 500 Meter östlich des Oppidums liegt die Nekropole Las Peirros, die ebenfalls in die späte Eisenzeit datiert.

In späteren Jahrhunderten führte die Römerstraße Via Domitia unweit von Pech Maho vorbei. Diese Straße folgte in weiten Teilen der früheren Via Heraclea, der „Straße des Herkules“, die die spanische mit der italienischen Halbinsel verband, die aber bisher nicht archäologisch nachgewiesen wurde. Es wird dennoch als sicher angenommen, dass bereits in der Eisenzeit ein wichtiger Landweg am Fuß von Pech Maho vorbei führte.

Pech Maho liegt am südlichen Ende der Küstenebene des Languedoc. Südlich davon reichen die Corbières bis an die Mittelmeerküste und bilden eine natürliche Grenze des Gebiets der Elisyker. Pech Maho war daher Relaisstation und der südliche Grenzposten des von der Hauptstadt Montlaurès aus beherrschten Gebietes.

Siedlungsperioden Aus den archäologischen Ausgrabungen haben sich drei Perioden der Besiedelung ergeben, Pech Maho I bis III, die zusammen von etwa 575/550 bis 225/200 v. Chr. dauerten. Pech Maho III endete mit einer kriegerischen Zerstörung der Siedlung. Einige Arbeiten des 21. Jahrhunderts beschreiben nach der Zerstörung noch eine Nutzung in geringem Umfang, die als Pech Maho IV bezeichnet wird.

Pech Maho I, 575/550 – 475/450 Im Gegensatz zu den folgenden Perioden wird Pech Maho I noch der älteren Eisenzeit zugerechnet. Der Ort wurde als Handelshafen angelegt, als Anglege- und Umschlagplatz für den Mittelmeerhandel mit Griechen, Etruskern, Iberern und Puniern, im Sinne eines Emporions. Die Größe von nur etwa 1,5 Hektar steht dabei im Kontrast zu den massiven Befestigungsanlagen und der blühenden Wirtschaft des Ortes.

Eine erste kurzlebige Bebauung bestand aus Lehmbauten mit Flechtwerk auf tragenden Pfosten, die über das Plateau verstreut waren. Aus dieser Zeit gibt es bisher nur eine kleine Ausgrabungsfläche. Baupläne konnten nicht rekonstruiert werden. Es wurde aber der steinerne Sockel einer Befestigungsmauer gefunden, die den Zugang zum Platau von Süden her beschränkte. Auf dem Sockel war vermutlich eine Erhöhung aus Erde aufgebracht und vor der Mauer befand sich ein V-förmiger Graben. Auch die erste Siedlung war also bereits befestigt.

Auch dieser allerersten Bebauung sind bereits eine Reihe von importierten Keramikfunden zuzuordnen, die eine genaue zeitliche Einordnung ermöglichen: ein etruskischer Kantharos im Bucchero-Stil, ein korinthischer Aryballos, eine Amphore aus Chios und ein attischer Krater aus der Werkstatt des Vasenmalers Lydos, dessen Herstellung genau auf die Zeit von 560 bis 540 v. Chr. datiert werden kann. Dominierend war aber einheimische Keramik

Bereits um 550/540 folgte den ersten Bauten ein großangelegtes Stadtplanungsprogramm. Häuserblöcke wurden durch Straßen getrennt, die mit Kieselsteinen gepflastert waren. Für die Häuser wurden Lehmziegel verwendet, die auf Steinfundamente aufgebracht wurden. Diese Bautechnik war für die Gegend neu. Die Wohnhäuser waren nur etwa 20 bis 30 Quadratmeter groß, meist nur mit einem Raum, der Wohnraum also für eine Familie sehr begrenzt. Ähnliche Siedlungsbauten setzten sich auch in anderen Regionen des heutigen Südfrankreichs durch, Pech Maho ist allerdings ein besonders frühes Beispiel. Dieses frühe Auftreten in Verbindung mit neuer Bautechnik und der Internationalität des Ortes als Handelsplatz deuten auf technische Expertise der seefahrenden Handelsvölker hin. Es ist gut denkbar, dass das gemeinsame Interesse an einem neuen Handelsposten zu einer Zusammenarbeit von ausländischen Händlern mit einheimischen Machthabern geführt hat, wobei letztere die Arbeitskräfte organisiert hätten.

Pech Maho II, 475/450 – 325/300 In der zweiten Periode von 475/450 bis 325/300 wurde die Verteidigungsmauer deutlich verstärkt. Der Westeingang bekam ein Tor, durch das Wagen fahren konnten. Die lokale Keramik wird zunehmend mit Hilfe von Töpferscheiben hergestellt. Sie wird dem ibero-languedocischen Kulturkreis zugerechnet. Bei den importierten Keramiken kommen iberische Amphoren hinzu, die auf einen regen Handel mit Empúries schließen lassen, einer griechischen Siedlung im heutigen Nordosten von Katalonien. Aus dieser Zeit wurde eine Bleiplatte mit griechischen und etruskischen Inschrift gefunden.

Pech Maho III, 325/300 – 225/200 In der dritten Periode von 325/300 bis 225/200 v. Chr. entwickelte sich die Stadt weiter, die Verteidigungsanlage blieb jedoch unverändert. Der Handel mit Empúries nahm zu, wie Keramikfunde und Amphoren von dort belegen. Einige von diesen sind mit iberischer Schrift verziert. Auch drei Bleibleche mit iberischer Schrift aus dieser Zeit wurden gefunden.

Zerstörung um 225/200 Gegen Ende des 3. Jh. v. Chr. wurde das Oppidum durch Kriegshandlungen zerstört, teilweise abgebrannt und danach nicht wieder aufgebaut. Welche Kriegspartei hierbei beteiligt war, ist nicht bekannt, verschiedene Hypothesen werden diskutiert. In den Ruinen wurden vier als Wurfgeschosse verwendete Steinkugeln (lithobolos) gefunden, sowie ein Katapult-Projektil mit Eisenkopf. Beides weist auf den Einsatz von Belagerungsmaschinen hin, was einen Kampf mit benachbarten iberischen oder einwandernden keltischen Stämmen (den Volcae) ausschließt. Vielmehr muss eine der hochentwickelten Mittelmeer-Kulturen involviert gewesen sein. Drei Szenarien werden erwogen.

Die Zerstörung könnte mit dem Zug von Hannibal im Zweiten Punischen Krieg von Spanien nach Italien im Jahr 218 zusammenhängen. Vermutlich ist seine Armee auf dem Weg von Spanien nach Italien auf dem Landweg direkt unterhalb von Pech Maho vorbeigezogen. Die Plünderung der von einigen Dutzend Bewaffneten beschützten Siedlung zur Versorgung seiner Armee wäre Hannibal sicher möglich gewesen. Es ist von Titus Livius überliefert, dass Hannibal sich nach dem Überschreiten der Pyrenäen in Ruscino nahe dem heutigen Perpignan mit lokalen Stammesoberhäuptern traf und eine Vereinbarung schloss, die ihm freien friedlichen Durchzug erlaubte. Ein Angriff auf Pech Maho wäre in Bruch dieser Vereinbarung gewesen, die den nachfolgenden Durchzug durch die nordöstlich gelegenen Gebiete sicher erschwert hätte. Allerdings schreibt Polybios, das Hannibal die Gunst einiger gallischer Führer gewann und andere nötigte, so dass der Durchzug womöglich doch nicht immer friedlich war. Ein Angriff durch Hannibal wird als zwar plausibel aber sehr unsicher angesehen.

Zehn Jahre später, im Jahr 208 sendeten die Karthager Verstärkung für Hannibal unter dem Kommando seines Bruders Hasdrubal. Über den Zug dieser Armee ist wenig bekannt, nur dass sie den gleichen Weg nahm wie Hannibal.

Auch eine Zerstörung durch die Römer ist denkbar, als diese als Ergebnis des zweiten punischen Krieges die Herrschaft über Iberien übernahmen und ein strategisches Interesse am Landweg unterhalb von Pech Maho haben mussten.

Nach der Zerstörung: Pech Maho IV Neuere Untersuchungen konnten archäologische Spuren entdecken, die erst nach der Zerstörung entstanden sind. Diese werden in zwei Abschnitte unterteilt: Pech Maho IVa entspricht der unmittelbaren Folgezeit der Zerstörung. IVb umfasst die gelegentlichen Nachweise von Spuren aus der ersten Hälfte des 2. Jh. v. Chr.

Name Der heutige Name ist okzitanischen Ursprungs. Pech bedeutet Hügel. Die Schreibweise Maho existiert erst seit 1913. Ein wissenschaftlicher Artikel von 1988 bezeichnet diese Schreibweise als frei erfunden für Mau. Pech Mau bedeutet wörtlich übersetzt „schlechter Hügel“. Warum der Hügel schlecht sein sollte ist unklar. Es wird auch die Ableitung von „Pech des Maures“, also Hügel der Mauren diskutiert, der auf die Schlacht an der Berre zurückgehen könnte, die hier geschlagen wurde.

Der antike Name des Ortes ist unklar. In den Ruinen der im heutigen Katalonien gelegenen griechischen Stadt Empúries wurde eine in ionischem Griechisch beschriftete Bleitafel gefunden, die etwa 480–460 v. Chr. erstellt wurde. Es ist ein Handelsbrief, der den Ortsnamen Σαιγάνθη (Saiganthe) enthält. 1988 wurde zunächst vorgeschlagen, dass sich der Name auf Sagonte (Sagunt) bezieht und auch andere Vorschläge wurden gemacht. 2014 wurde schließlich vorgeschlagen, dass dies die griechische Form des Namens des Oppidums von Pech Maho sei. Von diesem Namen sei dann der Name der heutigen Stadt Sigean abgeleitet, auf deren Gebiet das ehemalige Oppidum heute liegt.

Forschungsgeschichte Die Stelle wurde 1913 entdeckt und zunächst von einer lokalen Amateurvereinigung ausgegraben. Dabei kamen Pferdeskelette und Teile von Rüstungen zum Vorschein, so dass zunächst spekuliert wurde es könne sich um den Schauplatz der Schlacht an der Berre handeln. Bald belegten weitere Funde jedoch eine Datierung in vorgeschichtliche Zeiten. Von 1948 bis 1979 fanden vom Centre national de la recherche scientifique (CNRS) finanzierte Ausgrabungen unter der Leitung von Yves Solier statt, auf den auch der Großteil der vorhandenen Dokumentation zurückgeht. Trotz einiger Publikationen blieb ein großer Teil davon unveröffentlicht. 1998 wurden die Ausgrabungen wieder aufgenommen. Ab 2004 standen sie unter der Leitung von Eric Gailledrat, erneut vom CNRS finanziert.

Weblinks

Musée des Corbières in Sigean mit Webvisite, bei der unter anderem auch Stücke aus Pech Maho zu sehen sind.

Einzelnachweise

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