mini|hochkant|Ursula Munch-Petersen (2025) Ursula Munch-Petersen (* 29. Dezember 1937 in Rønne auf Bornholm; † 29. Juni 2025 in Kopenhagen) war eine dänische Keramikerin und Designerin, deren Werk sowohl skulpturale Unikate als auch industriell hergestellte Gebrauchskeramik umfasst. Besonders bekannt wurde sie durch das farbige Fayencegeschirr Ursula für Royal Copenhagen, das 1991 eingeführt und später von Kähler wieder aufgelegt wurde.
Leben und Ausbildung Munch-Petersen war die Tochter der Keramikerin Lisbeth Munch-Petersen und des Dichters und Malers Gustaf Munch-Petersen und wuchs als vierte Generation der Bornholmer Töpferfamilie Hjorth auf. Ihren Vater lernte sie nicht kennen, da er 1938 als Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg starb. Nach praktischer Arbeit in der Werkstatt von Lillemor Clement und Inger Folmer Larsen besuchte sie von 1956 bis 1960 die Kunsthåndværkerskolen in Kopenhagen und arbeitete anschließend etwa ein Jahr im Familienbetrieb in Rønne. Von 1961 bis 1968 entwickelte sie Unikate und skulpturale Keramik für das experimentelle Atelier von Bing & Grøndahl. Von 1970 bis 1972 studierte sie außerdem an der Königlich Dänischen Kunstakademie; von 1973 bis 1990 lehrte sie an der Skolen for Brugskunst, der späteren Danmarks Designskole. Im Jahr 1978 richtete sie ein eigenes Atelier ein, das sie 1990 nach Møn verlegte.
Werk mini|hochkant|Regale in Ursula Munch-Petersens Haus in Havemosegaard auf Møn, mit ihrer eigenen Keramik Ursula. Munch-Petersen nutzte in ihrer Arbeit die freie, skulpturale Form und hatte den Anspruch, Gegenstände für den alltäglichen Gebrauch tatsächlich funktional und zugänglich zu machen. Ihre Formen entstanden häufig aus langen experimentellen Reihen, in denen sie Varianten von Schalen, Kannen oder Vasen untersuchte und daraus Lösungen für seriell produzierbare Gebrauchskeramik entwickelte. Naturbeobachtung, Botanik und Geschichte bildeten wichtige Bezugspunkte ihres Werks; Motive und Formen reichen von Schnecken, Pflanzen und Tierformen bis zu großformatigen Reliefs und öffentlichen Arbeiten. Zugleich beschäftigte sie die Frage, ob überhaupt weitere Dinge produziert werden sollten; neue Produkte sollten für sie mit Rücksicht auf Ressourcen und auf die sie benutzenden Menschen entstehen. Ihr bekanntestes Design, das Tafelservice Ursula, verwendet kräftige Farben und organisch gerundete Formen und zielt auf Alltagstauglichkeit. Charakteristisch wurden insbesondere die Kannen mit ausgeprägtem Henkel und langem Ausguss; nach der Einführung bei Royal Copenhagen wurde die Serie ab 2014 von Kähler produziert. Neben Gebrauchskeramik schuf Munch-Petersen freie Arbeiten wie Den første kop (2017), zwei zu einer Schale geformte Hände aus glasiertem Steinzeug, sowie Varianten des Löwenzahnmotivs und andere naturbezogene Objekte.
Rezeption Munch-Petersen erhielt für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Thorvald Bindesbøll Medaljen (1994), die Prins Eugens Medalje (2002), den Georg Jensen Prisen (2004) und die C. F. Hansen Medaillen (2016); im Jahr 1998 wurde ihr zudem die lebenslange Förderung des Statens Kunstfond zugesprochen. Ihre Werke wurden unter anderem im Trapholt, im Designmuseum Danmark und weiteren dänischen Museen gezeigt. Die Kopenhagener Kunsthalle Gammel Strand widmete ihr 2026 mit Lyst die erste Ausstellung nach ihrem Tod und präsentierte dabei Werkstattmaterial, Archivbestände, Gebrauchskeramik und freie Kunstwerke. Die Ausstellung gliederte ihr Schaffen in die Themen Hand, Geist und Kunst und rückte damit auch ihre weniger bekannte Rolle als künstlerische Denkerin neben der weithin bekannten Designerin des Ursula-Geschirrs in den Vordergrund.
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