Relic – Dunkles Vermächtnis ist ein australisch-US-amerikanisches Horrordrama aus dem Jahr 2020 von Regisseurin Natalie Erika James, die gemeinsam mit Christian White auch das Drehbuch verfasste. In den Hauptrollen sind Emily Mortimer, Bella Heathcote und Robyn Nevin zu sehen. Der Film handelt von einer Mutter und ihrer Tochter, die nach dem rätselhaften Verschwinden der dementen Großmutter feststellen, dass diese und ihr Haus sich auf beunruhigende Weise verändern.
Handlung Als die demente Witwe Edna verschwindet, reisen ihre Tochter Kay und ihre Enkelin Sam zum Familienhaus, um mit der Polizei nach ihr zu suchen. Das Haus ist von innen verschlossen und an einer Wand befindet sich eine schwarze, schimmelartige Substanz. Viele Möbel sind mit Zetteln versehen, auf denen Erinnerungen und Hinweise stehen. In der Nacht erzählt Ednas Nachbar Jamie den beiden, dass er Edna eine Zeit lang nicht besucht habe, weil sein Vater es ihm verboten habe. Sam und Kay werden durch ein lautes Knarren aus den Wänden und das Auftreten von immer mehr schwarzem Schimmel beunruhigt. Kay hat Albträume von einer verwesten Leiche in einer alten Waldhütte.
Am Morgen ist Edna zurückgekehrt. Sie ist barfuß, dreckig und kann sich nicht erinnern, verschwunden zu sein. Der Arzt stellt fest, dass Edna weitgehend zurechnungsfähig und unverletzt ist, abgesehen von einem großen schwarzen Bluterguss auf ihrer Brust, der dem Schimmel ähnelt. Kay plant Edna in ein Seniorenheim zu bringen. In der Nacht findet Kay Edna schlafwandelnd und flüsternd vor. Als Kay sie zurück ins Bett bringt, ist Edna überzeugt, dass sich etwas unter dem Bett versteckt, und bittet sie, nachzusehen. Kay sieht dort etwas atmen, wird jedoch abgelenkt, bevor sie genauer nachsehen kann. Am nächsten Tag erleben Sam und ihre Großmutter einen innigen Moment, bis Edna plötzlich kalt wird und Sam des Diebstahls beschuldigt.
Sie zieht ihrer Enkelin einen Ring vom Finger, ohne sich zu erinnern, dass sie ihn ihr geschenkt hat. Nach einem weiteren gewalttätigen Vorfall mit Edna besucht Sam Ednas Nachbarn Alex, um herauszufinden, warum er seinem Sohn Jamie den Besuch bei Edna verboten hat. Er erzählt, dass Jamie und Edna Verstecken spielten. Edna sperrte ihn in seinem Versteck ein und ließ ihn dort stundenlang, weil sie vergessen hatte. Kay folgt Edna in den Garten und sieht, wie Edna Seiten aus dem Familienalbum herausreißt und isst. Als Kay eingreifen will, beißt Edna sie und versucht das Album zu vergraben, weil es dort sicherer sei. Aus Angst, dass „etwas“ kommen könnte, um sie zu holen, wird Edna wieder zugänglicher und erklärt sich bereit, Kay und Sam ihre Pflege zu überlassen.
In Jamies damaligen Versteck entdeckt Sam einen verborgenen Durchgang in einen anderen Teil des Hauses. Sie betritt ihn, verliert jedoch die Orientierung, als sich die mit Schimmel bedeckten Gänge scheinbar ineinander schließen. Sie beginnt zu schreien und gegen die Wände zu schlagen. Gleichzeitig verschlechtert sich Ednas Zustand. Sie betrachtet Kay misstrauisch, weigert sich zu essen und nässt sich ein. Kay bemerkt, dass Ednas Urin mit Schimmel verfärbt ist. Während Edna badet, kratzt sie an dem früheren Bluterguss, der sich inzwischen in eine riesige Fläche verrottendes schwarzes Fleisch verwandelt hat. Das Badewasser läuft über und verursacht einen Kurzschluss an einem Heizgerät, wodurch im Haus der Strom ausfällt. Edna läuft davon, während Sam immer tiefer in die Gänge vordringt. Die Decken werden immer niedriger, sodass sie kriechen muss. Sie kann entkommen, indem sie Löcher in die mit Schimmel bedeckten Wände schlägt.
Kay folgt Edna in den mit Schimmel bedeckten Bereich des Hauses und findet sie, wie sie mit einem Messer an ihrem verrottenden Gesicht herumkratzt. Als Edna auf die beiden zukommt, fliehen sie weiter in den Durchgang. Edna ist inzwischen entstellt und körperlich verkrümmt und kriecht auf sie zu. Sam und Kay durchbrechen eine Wand und stürzen in das Wohnzimmer, dicht gefolgt von Edna. Sie versucht, Sam zu Boden zu drücken, wird jedoch von Kay niedergeschlagen. Bevor Kay die verfallende Edna zurücklässt, fällt ihr Blick auf einen Zettel auf dem Boden mit der Aufschrift „Ich werde geliebt“. Als die beiden aus dem Haus flüchten, erkennt Kay, dass sie ihre Mutter nicht zurücklassen kann. Sie kehrt zu Edna zurück, trägt sie ins Bett, entfernt die letzten Reste von ihren Haaren und verfaultem Fleisch und legt dadurch einen ausgemergelten, mumienähnlichen Körper frei, der dem aus ihrem Albtraum entspricht. Anschließend legen sich Kay und Sam zu Edna ins Bett, bis diese friedlich einschläft. Während sie dort liegen, bemerkt Enkelin Sam einen kleinen schwarzen Bluterguss am Hals ihrer Mutter Kay.
Entstehung
Figur Darsteller Synchronsprecher Kay Emily Mortimer Claudia Lössl SamBella HeathcoteMalika BayerwaltesEdnaRobyn NevinMarion Hartmann Alex Jeremy Stanford Thomas Wenke Jamie Chris Bunton Felix Strüven Dr. Stanley Catherine Glavicic Andrea Wick Polizist Mike Adler Steve Rodgers Manfred Trilling GraceChristina O'NeillShirin Lotze
Der Film stellt das Spielfilmdebüt der japanisch-australischen Regisseurin Natalie Erika James dar. Die Inspiration, Demenz als Thema für einen Horrorfilm zu nutzen, hatte James, nachdem sie 2013 ihre an Alzheimer erkrankte Großmutter in Japan besuchte. Dabei empfand sie deren Haus als ruhig und unheimlich und ihre Großmutter sah in ihr eine Fremde.
Zu den Produzenten gehört u. a. der hauptsächlich als Schauspieler bekannte Jake Gyllenhaal.
Die deutschsprachige Synchronisation übernahm die Mo Synchron GmbH in München nach einem Dialogbuch von Ulrike Lau unter der Dialogregie von Felix Auer. Veröffentlichung Der Film feierte am 25. Januar 2020 seine Weltpremiere beim Sundance Film Festival, wurde aber aufgrund der Covid-19-Pandemie erst am 3. Juli in den USA veröffentlicht – zunächst in ausgewählten Autokinos und am 10. Juli in regulären Kinos und als Video on Demand. Ebenfalls am 10. Juli erschien er beim australischen Streamingdienst Stan, jedoch nicht im Kino. In Deutschland erschien er am 29. Oktober auf Amazon Prime Video und einen Tag später auf DVD und Blu-ray vom Label Leonine.
Kritiken
Der Filmdienst schrieb, der Film wage eine Gratwanderung zwischen Horrorfilm und Krankheitsdrama. Die Nähe zum Horrorgenre sei naheliegend, da Demenz etwas zutiefst Unheimliches habe, indem es Menschen durch den Verlust ihrer Erinnerung verändere und zu Fremden in ihrem eigenen Leben und ihrer Familie mache. Die stimmigen Gruselelemente verdeutlichten über weite Strecken das Grauen der Krankheit. Regisseurin James und Co-Autor White schafften es ziemlich lange, eine Balance zwischen Schrecken und Mitgefühl zu halten. Die Klimax falle aber für das Thema zu blutig und reißerisch aus.
Cinema lobte: „In diesem Horrordrama werden drei Frauen auf unterschiedliche Weise mit Demenz konfrontiert. Atmosphärisches Familienpsychodrama, das mit seinem tragischen Schlussakt zu Diskussionen anregt.“
Filmstarts urteilte: „Dement oder Dämon?“ Relic sei in seiner Darstellung des familiären Konflikts auch deshalb so stark, weil Edna nicht nur die liebe, tattrige Oma sei. Ihren Wutanfall, bei dem sie ihre Enkelin des Diebstahls bezichtigt, könne man noch als Krankheitssymptom abtun. Aber dass sie den Nachbarsjungen nur abfällig „den Zurückgebliebenen“ nennt, habe mit ihrem Charakter zu tun – genau wie das angespannte Verhältnis zu ihrer Tochter Kay, das immer wieder subtil angedeutet werde. Lange wisse man nicht, ob es zusätzlich zur Demenz auch eine dämonische Präsenz gebe. Der Spuk sei eine Metapher für Demenz, deren Folgen über die unmittelbar Betroffenen hinausreiche und hilflos mache. Im eskalierenden Schlussdrittel trete das komplexe Familiengefüge zwischen den drei Frauen plötzlich in den Hintergrund und es dominierten Schockeffekte, bis der Film den Generationenkonflikt in einem ambivalenten Schlussbild auflöse, das auf ebenso berührende wie verstörende Weise versöhnlich ist, weil es zugleich die zukünftigen Schrecken vorausahnen lasse.
RogerEbert.com lobte Relic als äußerst gelungenes Debüt einer sehr talentierten Filmemacherin. Der Film entwickle sich sehr langsam, wobei das Gesagte und Ungesagte zwischen den drei Generationen von Frauen unterschwellig brodle. Unter der Kamera von Charlie Sarroff entstehe eine faszinierende Mischung aus nahezu unerträglicher Stille und hektischer Action. Das Haus werde so gefilmt, als sei es eine Ansammlung von Relikten in einem staubigen, lange geschlossenen Museum. Die Kamera verweile auf Gegenständen und zwischen den Gesprächen gebe es statische, aber beunruhigende Aufnahmen von Fluren, der Treppe, leicht geöffneten Türen und Schatten. Dass Edna nicht ernst genommen wird, sei der nachdenklichste Aspekt, denn ihre Ängste vor dem Haus sind berechtigt. Dennoch hört man ihr nicht zu, weil ältere Menschen oft von oben herab behandelt würden. Einen geliebten Menschen stückchenweise an Alzheimer zu verlieren, sei eine brutale Erfahrung. Der Film sei von diesem Schmerz aber auch der Schuld erfüllt, die Kay empfinde, wenn sie nach einem Heim für Edna sucht. Wie in einem organischen Prozess verwandle sich das Haus immer weiter. Die letzten 20 Minuten seien äußerst nervenaufreibend und erschreckend und vermittelten ein Gefühl von Klaustrophobie. Das Haus sei eine Tarnung für das eigentliche Haus dahinter – eine eindringliche Metapher für die menschliche Existenz.
Das Slant Magazine würdigte, Relic kündige eine kraftvolle und beeindruckende, neue Stimme im Horrorkino an. Der Film bleibe fast schon zu zurückhaltend und verrate nur wenig über seine Figuren und ihre gemeinsame Vergangenheit, was sich mit der zentralen Metapher der Demenz erklären lasse. Die vertrauten Elemente stünden im Kontrast zum Höhepunkt von Relic: Der Film verwandle sich abrupt in einen unmittelbaren Albtraum, der Vorstellungen von Körper und Raum auseinanderreiße und anschließend in einer neuen, grausigen Form wieder zusammensetze. Die rätselhaften Bilder und ihre Subtexte verliehen dem Film eine nachhaltige Wirkung und würden zu Sinnbildern wie Verlassenheit, Verantwortung und Verbitterung in Zusammenhang mit dem Verfall des menschlichen Körpers.
Entertainment Weekly lobte, dass Relic neben Horror auch eine psychologische Ebene beinhalte. Ob Relic nun die Geschichte eines Spukhauses oder eines verfolgten Geistes ist, halte Drehbuchautorin und Regisseurin James lange Zeit zurück und zeichne ein unheimliches, sich nur langsam entfaltendes Porträt des häuslichen Horrors. Ihr Erzähltempo sei gemächlich – mitunter bis zum völligen Stillstand. Einige ihrer Stilmittel seien Blumhouse-Horror-Fans vertraut. Auch besitze sie ein ausgeprägtes Gespür für die Psychologie zwischen den drei Figuren – für all die Spannungen, die zwischen Müttern und Töchtern entstünden, wenn sich Hingabe, Angst und Verbitterung miteinander vermischten. Die Spannung nehme stetig zu, doch für die letzte Szene habe James ihr stärkstes Mittel aufgespart: ein eindringliches Bild, das zugleich grausig und wunderschön und voller Liebe sei.
Nominierungen Relic stand im Fokus der australischen AACTA Awards 2020 und war in sechs Kategorien nominiert: Bester Film (Anna McLeish und Sarah Shaw), Beste Regie, Bestes Drehbuch, Beste Nebendarstellerin (Bella Heathcote), Bester Ton (Robert Mackenzie, John Wilkinson, Steve Burgess, Glenn Newnham), Bestes Haar and Makeup (Angela Conte, Larry Van Duynhoven, Bec Taylor); konnte jedoch keinen der Preise für sich entscheiden.
Bei den Critics’ Choice Super Awards 2021 war der Film in der Kategorie Bester Horrorfilm nominiert.
Bei den Gotham Awards 2021 war der Film als Bester Film und für den Publikumspreis nominiert.
Bezüge zu anderen Werken