Sanna „Ticks“ Manneh (auch Assan Manneh; * August 1947 in Kuloro; † vor den 27. August 2009) war ein gambischer Journalist, Zeitungsverleger, Herausgeber und Politiker.A. M. Sering Secka: Who is who in The Gambia? Bekannt geworden ist er als Pressefreiheitsaktivist. Sein Beiname wird in den Quellen unterschiedlich als „Ticks“, „Tix“ oder teilweise „Tiks“ geschrieben.
Leben Ausbildung Manneh besuchte die St. Mary’s Primary School in Bathurst (heute Banjul) und anschließend Gambia High School. Nach seiner Schulzeit schlug Manneh zunächst keinen geradlinigen journalistischen Berufsweg ein. In den 1960er Jahren wurde er Funktionär der Gambia Workers’ Union (GWU) und absolvierte eine Ausbildung am Kampala Labour College (Kampala, Uganda). In Lagos, Nigeria, bildete er sich in Genossenschaftsentwicklung und Buchhaltung . Nachdem er als Inspektor der Gambia Cooperatives Union entlassen worden war, arbeitete er als Buchhalter in Lagos.David Perfect: Historical Dictionary of The Gambia Daneben entwickelte er ein Interesse an Recht und Politik. Er arbeitete als juristischer Sekretär in der Kanzlei von Pierre Sarr N’Jie, dem Gründer der United Party (UP). Dort kam er mit juristischen und politischen Fragen in Berührung.
Politisches Wirken + Wahlkreis Banjul North Parlamentswahl Stimmen Stimmanteil 1982 229 5,82 %
Manneh wurde im Jahr 1980 für die Koalition der National Convention Party (NCP) und der United Party zum Mitglied des Stadtrats von Banjul (Banjul City Council) gewählt. Seine Tätigkeit im Stadtrat brachte ihn unmittelbar mit der lokalen politischen Elite und den Problemen der Verwaltung in Kontakt. Manneh trat als unabhängiger Kandidat bei den Parlamentswahlen im Mai 1982 im Wahlkreis Banjul North an. Mit 5,82 % der Stimmen unterlag er den Kandidaten der People’s Progressive Party (PPP) Ibrahima B. A. Kelepha-Samba, der 61,34 % der Stimmen erlangte. Im Juli 1982 trat er als Mitglied des Stadtrats zurück.
Journalistisches Wirken In den frühen 1980er Jahren begann Manneh verstärkt journalistisch zu arbeiten. Ein bibliografisches Verzeichnis gambischer Zeitungen führt Hibarr auf, eine von Sanna A. Manneh herausgegebene und redigierte Wochenzeitung. Der entscheidende Schritt folgte anschließend mit The Torch. Nach einer historischen Übersicht über die gambische Presse wurde The Torch 1984 gegründet; Sanna Manneh fungierte als Herausgeber. Eine wissenschaftliche Darstellung der westafrikanischen Presse nennt die Zeitung als unabhängiges Blatt mit Sitz in Banjul und Sanna Manneh als Editor. Unter Mannehs Leitung entwickelte sich The Torch zu einer ausgesprochen kritischen Zeitung. Sie stellte nicht nur politische Fragen, sondern griff insbesondere Korruption und Misswirtschaft innerhalb der Regierung auf. Manneh wurde deshalb zunehmend als unbequemer Journalist wahrgenommen. Eine spätere Darstellung der gambischen Mediengeschichte bezeichnet seine Arbeit als einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung von Journalismus und öffentlicher Rechenschaftspflicht im Land. Damit wurde Manneh zu einem Vertreter der damals noch relativ kleinen unabhängigen Presse Gambias.
The Torch-Korruptionsaffäre Besonders bekannt wurde ein Artikel vom 6. Oktober 1988 mit dem Titel: „Cabinet Reshuffle Inevitable“ (dt. Umbildung des Kabinetts unvermeidlich) darin erhob The Torch schwere Korruptionsvorwürfe gegen mehrere Regierungsmitglieder von Präsidenten Dawda Jawara. Zu den Beschuldigten gehörten unter anderem: Saihou S. Sabally, damaliger Landwirtschaftsminister, Landing Jallow Sonko, Minister für Local Government and Lands, Lamin K. Saho, Minister für Information und Tourismus und Momodou C. Cham, Minister für öffentliche Arbeiten und Kommunikation. Die Vorwürfe bezogen sich unter anderem auf angebliche Unregelmäßigkeiten bei Reisgeschäften und den Umgang mit ausländischer Hilfe.
Nach einer Untersuchung erhob Generalstaatsanwalt Hassan Bubacar Jallow Anklage gegen Manneh wegen strafrechtlicher Verleumdung von Sabally, Saho und Sonko, nicht jedoch von Cham. Der Prozess, der breite mediale Aufmerksamkeit erregte, begann im November vor dem Amtsgericht Banjul und endete im April 1989. Richter Wallace G. Grante befand Manneh der Verleumdung Sonkos für schuldig, nicht aber der von Sabally und Saho. Manneh wurde im Fall Sonko verwarnt und freigesprochen. Jallow (und Jawara) hielten das Urteil für schwerwiegend fehlerhaft und Grante für parteiisch gegenüber der Regierung. Sie legten Berufung beim Obersten Gerichtshof ein. Saho wurde im Mai 1990 aus dem Kabinett entlassen, weil er gegen ihn erhobenen Korruptionsvorwürfe nicht widerlegen konnte. Auch Cham wurde im Juni 1990 aus dem Kabinett entlassen. Im Mai 1990 hob Oberster Richter E. O. Ayoola Grantes Urteil auf und befand Manneh der Verleumdung aller drei Männer für schuldig. Manneh legte daraufhin Berufung beim Berufungsgericht ein, das im Dezember 1991 aus formalen Gründen entschied, dass Grantes ursprüngliches Urteil Bestand haben sollte. Jallow riet Jawara davon ab, beim Judicial Commitee of the Privy Council Berufung einzulegen. Obwohl Mannehs Freispruch auf formalen und nicht auf inhaltlichen Gründen beruhte, berief sich Sheriff Dibba auf den Fall, als er im Repräsentantenhaus ein Misstrauensvotum im Mai 1992 gegen die Regierung Jawara beantragte. Überraschenderweise, angesichts seiner früheren Handlungen, oder um ihn aus dem Weg zu räumen, sorgte die Jawara-Regierung dafür, dass Manneh 1993 in Malaysia studieren konnte (Sabally beglich seine Mietrückstände). Seine Bewerbung wurde jedoch von der malaysischen Universität abgelehnt, und er musste nach Hause zurückkehren.
Der Prozess machte ihn landesweit bekannt. Laut einem zeitgenössischen Bericht wurde er durch die öffentliche Unterstützung während des Prozesses sogar zu einer Art Volksheld und erhielt den Ruf beziehungsweise Beinamen eines „accuser of corruption“. Die Kosten des Verfahrens belasteten Manneh und seine Zeitung finanziell so stark, dass The Torch 1989 vorübergehend beziehungsweise schließlich vollständig eingestellt werden musste.
Windhoeker Erklärung Er war Beteiligter der Windhoeker Erklärung für eine unabhängige Privatpresse in Afrika 1991. Die Windhoek-Konferenz wurde zu einem historischen Bezugspunkt für die internationale Bewegung für eine freie, unabhängige und pluralistische Presse in Afrika.
Weiteres Leben Ein verärgerter Manneh unterstützte den Putsch im Juli 1994 und gab im März 2006 bekannt, dass er der Partei Alliance for Patriotic Reorientation and Construction (APRC) beigetreten war.
Er starb 2009 im Alter von 62 Jahren.
Literatur
Einzelnachweise
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