Die deutsche Bundesregierung hat am 19. November 2025 die erste nationale Weltraumsicherheitsstrategie (WRSS) verabschiedet, um die Handlungsfähigkeit im Weltraum zu sichern und Bedrohungen zu begegnen.
Zielsetzung
Die WRSS der Bundesregierung verankert den Weltraum als sicherheitspolitische Dimension, um kritische Infrastrukturen wie Kommunikations- und Satellitensysteme zu schützen, und sieht hierfür Investitionen von rund 35 Milliarden Euro bis 2030 vor. Diese waren von Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Weltraumkongress des Bundesverbandes der deutschen Industrie im September 2025 angekündigt worden. Die WRSS und ihre Umsetzungsmaßnahmen folgen der Analyse, dass Deutschland stark von Weltraum-gestützten Diensten abhängig ist, bislang jedoch viel zu wenig zum Schutz dieser Dienste und Systeme getan wurde.
„Nur gemeinsam können wir Regeln und Normen für eine friedliche, verantwortungsvolle und nachhaltige Nutzung des Weltraums entwickeln und durchsetzen“, heißt es im von Verteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul verfassten Vorwort der Strategie.
Aufbau und Struktur Die Strategie gliedert sich in vier Kapitel:
Der Weltraum als sicherheitspolitische Dimension Der erste Abschnitt analysiert die Ausgangslage für die Strategie, zeigt die normativen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf, beschreibt die Relevanz der Weltraumnutzung für die Sicherheit Deutschlands und definiert Weltraumsicherheit als gesamtstaatliche Aufgabe.
Strategische Handlungsfelder Das zweite Kapitel beschreibt drei strategische Handlungsfelder, nämlich Gefahren und Bedrohungen zu erkennen (Weltraumlage), Handlungsoptionen zu entwickeln und dabei internationale Kooperation und nachhaltige Ordnung im Weltraum zu fördern sowie Abschreckung aufzubauen und Wehrhaftigkeit und Resilienz zu stärken.
Aufbau einer nationalen Weltraumsicherheitsarchitektur Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Aufbau einer gesamtstaatlichen Handlungsfähigkeit im Weltraum. Satellitenarchitekturen sollen resilient und redundant gestaltet werden. Statt einzelner, teurer Großsatelliten setzt man auf „Multi-Orbit-Konstellationen“ aus vielen kleineren Satelliten auf verschiedenen Umlaufbahnen. Fällt einer aus, übernehmen andere. Härtung von Bodenstationen sowie Führungs- und Kommunikationsverbindungen gegen Cyberattacken und elektronische Störsender (Jamming) soll Systeme schützen. Die dafür notwendige Forschung und Entwicklung sowie militärischer Schutz und Verteidigung wird aufgezeigt. Angestrebt ist eine aktive Verteidigung: Schrittweiser Aufbau eigener Fähigkeiten der Bundeswehr, feindliche Störungen im Orbit abzuwehren und im Bedarfsfall militärische Operationen im All zu unterstützen.
Umsetzung Drei Tabellen, gegliedert nach den drei genannten strategischen Handlungsfeldern, beschreiben in 65 einzelnen Handlungslinien, welche Maßnahmen die Bundesregierung zur Umsetzung vorsieht. Die Handlungslinien liegen in unterschiedlichen Detaillierungen vor, von der „Förderung von Partnerschaften mit dem Ziel einer friedlichen und nachhaltigen Nutzung des Weltraums durch alle Akteure“ (Tabelle II, 6) bis zu sehr konkreten Maßnahmen wie der „Etablierung eines European Space Component Command (ESCC)“ (Tabelle II, 11) oder einer Weltraumakademie (Tabelle III, 4).
Die WRSS wurde von Verteidigungsminister Boris Pistorius und Raumfahrtministerin Dorothee Bär (BMFTR) im Paul-Löbe-Haus des Bundestags im Anschluss an die Kabinettssitzung der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie wurde neben Deutsch auch auf Englisch („German Space Safety and Security Strategy“) und Französisch („Stratégie de sécurité spatiale“) veröffentlicht, was die Absicht unterstreicht, international wahrgenommen zu werden.
Rezeption Die WRSS wurde in der Fachwelt überwiegend positiv aufgenommen, die Wissenschaftlerin Juliana Süß von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) sprach von einem „Ambitionierter Aufbruch“, der Berliner Tagesspiegel schrieb „Viel Applaus für die Weltraumsicherheitsstrategie“ und der Bonner Generalanzeiger „Bonner Experte lobt Weltraumstrategie der Bundesregierung“.
Erstellungsprozess Die WRSS wurde bereits in der Ampel-Koalition begonnen und in der Raumfahrtstrategie von 2023 als zukünftiges Projekt erwähnt, nach Verzögerungen aber nicht mehr vor dem Koalitionsbruch fertiggestellt. 2024 hatte es zur Strategie auch eine Anhörung im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestag gegeben. Die neue Koalition aus CDU/CSU und SPD, nahm die WRSS 2025 in ihren Koalitionsvertrag („Eine nationale Weltraumsicherheitsstrategie werden wir im ersten Regierungsjahr veröffentlichen.“) auf, und setzte damit das Projekt der Vorgängerregierung fort. Der Erstellungsprozess fand unter Federführung des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) und des Auswärtigen Amts statt, die Redaktion wurde durch die Abteilung Politik (Pol II 1) des BMVg wahrgenommen.
Vergleichbare Strategien Etwa zur gleichen Zeit stellte Frankreich seine „Stratégie nationale spatiale 2025-2040“ vor, die USA haben bereits seit 2020 eine vergleichbare Strategie für Weltraumsicherheit.
Einzelnachweise
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