mini|Casa Vasari in der Borgo Santa Croce 8 in Florenz, ehemaliges Wohnhaus von Giorgio Vasari Das Casa Vasari ist ein Gebäude in der Borgo Santa Croce 8 in Florenz. Von 1557 bis zu seinem Tod im Jahr 1574 war es die Wohnstätte des Malers, Architekten und Kunsthistorikers Giorgio Vasari. Im Wesentlichen erhalten geblieben ist der Große Saal (Sala Grande) im Piano nobile, der mit einem von Vasari und seinen Werkstattmitarbeitern geschaffenen Freskenzyklus verziert ist. Das Casa Vasari wurde bereits im 17. Jahrhundert als Sehenswürdigkeit besucht, wie aus dem Bericht von Francesco Cinelli aus dem Jahr 1677 hervorgeht. In der Forschung wird das Haus regelmäßig im Vergleich mit Vasaris Wohnhaus in Arezzo behandelt, in dem sich ebenfalls ein eigenständiger Freskenzyklus des Künstlers befindet.
Geschichte Das Gebäude geht in seiner Grundstruktur auf die Zeit um 1500 zurück, als im Viertel um Santa Croce Paläste neu errichtet oder mittelalterliche Reihenhäuser umgebaut wurden. Im Jahr 1548 wurde dem Florentiner Niccolò Spinelli das Haus entzogen, dem auch der benachbarte Palazzo Spinelli (Borgo Santa Croce 9) gehörte. 1557 überließ Herzog Cosimo I. de’ Medici das Gebäude Giorgio Vasari zur Miete und schenkte es ihm 1561 als Anerkennung für dessen Dienste, unter anderem für seine Arbeiten in der nahegelegenen Basilika Santa Croce. Nach dem Vorbild seines Geburtshauses in Arezzo ließ Vasari um 1572 mehrere Räume seines Florentiner Hauses ausmalen, wobei ihm unter anderem Jacopo Zucchi als Werkstattmitarbeiter zur Seite stand. Von dieser Ausstattung ist heute nur die Ausmalung des Großen Saals im ersten Obergeschoss weitgehend intakt erhalten. Im Jahr 1677 besuchte Francesco Cinelli das Haus und hinterließ eine detaillierte Beschreibung der Fresken sowie der damals dort aufbewahrten Kunstwerke, darunter Gemälde und Zeichnungen von Leonardo da Vinci, Ridolfo Ghirlandaio, Fra Bartolomeo, Albrecht Dürer, Santi di Tito, Parmigianino und Paolo Veronese.
Nach Vasaris Tod im Jahr 1574 ging das Haus an seine Erben über. Nach dem Aussterben der letzten Erbenlinie im Jahr 1687 wurde es einer Laienkongregation überschrieben und gelangte gegen Ende des 19. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Morrocchi. Walther Limburger vermerkte hingegen im Jahr 1910, dass das Haus von der Familie Ghelardi bewohnt werde, möglicherweise auf Mietbasis. Die genauen Besitz- und Nutzungsverhältnisse um 1900 sind nicht eindeutig geklärt.
Im Jahr 1901 wurde das Gebäude von der Generaldirektion für Altertümer und schöne Künste in die Liste der als nationales Kunstdenkmal einzustufenden Monumentalbauten aufgenommen. Seit 1933 steht er unter Denkmalschutz. 1942 erfolgte eine Restaurierung, bei der neuer Putz aufgebracht und ein Teil der Natursteinverkleidung der Fassade ersetzt wurde. 1995 wurden die Fassaden des Innenhofs restauriert. Der zuletzt in schlechtem Erhaltungszustand befindliche Große Saal wurde zwischen 2009 und 2011 auf Initiative der Eigentümerfamilie Umberto Baldinis und der Fondazione Horne sowie mithilfe eines Darlehens der Ente Cassa di Risparmio di Firenze restauriert.
Architektur mini|Giorgio Vasari und Mitarbeiter: Zeuxis wählt die schönsten Mädchen Agrigentums als Modelle, um 1572, Fresko, Sala Grande der Casa Vasari Die Fassade hat im Wesentlichen ihren Charakter aus dem 16. Jahrhundert bewahrt. Sie ist auf drei Achsen und fünf Geschosse gegliedert, wobei das oberste Geschoss einer Aufstockung aus dem 19. Jahrhundert entstammt. Die Fenster sind an Gurtgesimsen ausgerichtet und mit radial angeordneten Steinquadern (Bugnato) eingefasst. Diese treten im Bereich des Piano nobile (auf Höhe des Großen Saals) stärker hervor und schließen in den oberen Geschossen bündig mit dem Verputz ab. Eine ähnliche Gestaltung ist auch am benachbarten Palazzo Antinori Corsini (Nr. 6) zu finden. Bemerkenswert ist zudem ein kleines Kinderfenster, das sich unterhalb des zentralen Fensters im ersten Obergeschoss befindet.
Der italienische Architekturhistoriker Marco Bini wies darauf hin, dass die vor allem im 19. Jahrhundert vorgenommenen Umbauten den ursprünglichen Zustand des Hauses aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nur noch hypothetisch rekonstruierbar machen. Die zweiläufige gerade Treppe, die Erweiterung des Zugangsportals und die Aufstockung um ein Geschoss zur Straße hin dürften demnach erst nach Vasaris Tod entstanden sein.
Im kleinen Innenhof, der über eine lange Eingangshalle erreichbar ist, zeugen zwei mächtige Pfeiler von der Bausubstanz des 14. Jahrhunderts. An der Rückwand des Hofs befindet sich eine stark verblasste Wandmalerei mit zwei allegorischen Figuren neben einem heute weitgehend zerstörten Wappen. Walther Limburger schreibt dieses Wappen der Familie Guidotti zu. Diese Zuschreibung ist jedoch als Interpretation Limburgers zu kennzeichnen und nicht als gesicherte Tatsache zu werten. Die Malerei wird ebenfalls in das späte 16. Jahrhundert datiert.
Fresken im Großen Saal mini|Freskendekoration der Sala Grande der Casa Vasari, um 1572; dargestellt sind Allegorien der Künste und Szenen aus der Geschichte der Malerei Der Freskenzyklus im Großen Saal, entstanden um 1572 in Zusammenarbeit mit Vasaris Werkstatt, thematisiert die Künste im Allgemeinen und den Vorrang der Malerei im Besonderen. Das Bildprogramm greift Episoden aus dem Leben antiker Maler auf, die auf Herodot und Plinius den Älteren zurückgehen. Es verbindet diese mit Allegorien der Künste und zeigt im oberen Fries Bildnisse bedeutender Maler aus Vasaris Vite. In der Forschung wird Vincenzo Borghini, ein Freund Vasaris, als Urheber des ikonografischen Programms vermutet, ein gesicherter Nachweis hierfür liegt jedoch nicht vor.
An der Ostwand befindet sich ein Kamin aus Pietra serena mit einer von Vasari selbst gemalten Büste zwischen Putten, die Wappen, Vorhänge und Urnen halten. Rechts daneben ist der Ursprung der Malerei dargestellt. Ein Junge zeichnet den Schattenumriss seines Gesichts an eine Wand nach. Auf derselben Seite befinden sich auch die Allegorien der Skulptur und der Dichtung.
An der Südwand sind die Geschichten des Apelles dargestellt. Der legendäre griechische Maler verbirgt sich hinter einem seiner Werke, um die Urteile der Betrachter zu hören. Zunächst übernimmt er den Vorschlag eines Schusters, die Schuhform zu korrigieren. Als dieser sich jedoch ermutigt fühlt, auch die Anatomie der Beine zu kritisieren, weist Apelles ihn zurück, da Kritik Sachkenntnis voraussetzt. An dieser Stelle befindet sich die Tür, die zur Treppe führt. Über ihr sind die Wappen der Medici und von Christine von Lothringen sowie die Allegorie der Musik angebracht. Letztere wurde erst im 19. Jahrhundert gemalt, als an dieser Stelle eine Tür geschlossen wurde. mini|Freskendekoration einer Wand der Sala Grande der Casa Vasari, um 1572, mit Allegorien der Künste und Szenen aus der Geschichte der Kunst An der Westseite wird die Geschichte des Zeuxis von Kroton (bzw. Herakleia; in der Vorlage bei Vasari wird er als Zeuxis aus Syrakus bezeichnet) dargestellt. Um die ideale Darstellung der Artemis zu erschaffen, ließ er mehrere der schönsten Frauen der Stadt in sein Atelier kommen und wählte jeweils das schönste Detail von ihnen aus. Im Hintergrund ist eine an das zeitgenössische Alltagsleben angelehnte Werkstattszene zu sehen. Unten rechts sind zwei Frauenköpfe dargestellt, die möglicherweise Vasaris Frau und Mutter zeigen. Diese Zuordnung ist als Vermutung der kunsthistorischen Literatur zu verstehen, nicht als gesicherte Identifizierung. Die Allegorien dieser Seite stehen für Architektur und Malerei.
Die Nordseite, die zugleich die letzte Wand ist, weist die Fensteröffnungen auf, darunter ein zugemauertes Kinderfenster aus der Zeit der Besitzer nach Vasaris Tod. Hier beginnt der Fries mit den dreizehn Künstlerporträts, die sich an den Holzschnitten der zweiten Ausgabe der Vite von 1568 orientieren, jedoch farbig ausgeführt sind. Von links nach rechts sind an der Nordseite und über die Westseite hinweg folgende Künstler dargestellt: Cimabue, Giotto di Bondone und Masaccio, dann Raffael (als Imago Christi dargestellt), Michelangelo, Leonardo da Vinci und Andrea del Sarto sowie Donatello, Filippo Brunelleschi, Perino del Vaga, Giulio Romano, Rosso Fiorentino und Francesco Salviati.
Literatur Walther Limburger: Die Gebäude von Florenz: Architekten, Strassen und Plätze in alphabetischen Verzeichnissen. F. A. Brockhaus, Leipzig 1910, Nr. 708. Walter Bombe: Giorgio Vasaris Häuser in Florenz und Arezzo und andere italienische Künstlerhäuser der Renaissance. In: Belvedere. Band 13, 1928, S. 55–59. Matthias Winner: Die Quellen der Pictura-Allegorien in gemalten Bildergalerien des 17. Jahrhunderts zu Antwerpen. Dissertation, Universität zu Köln, Köln 1957. Detlef Heikamp: À Florence, la maison de Vasari. In: L’Œil. Nr. 137, 1966, S. 2–9, 42. Mazzino Fossi: Documenti inediti vasariani. In: Antichità Viva. Band 13, Heft 3, 1974, S. 63–66. Alessandro Cecchi: La casa del Vasari a Firenze; Marco Bini: Note al rilievo della casa fiorentina del Vasari. In: Giorgio Vasari. Ausstellungskatalog, Arezzo, 26. September – 29. November 1981. Edam, Florenz 1981, S. 37–43 und 45–47. Alessandro Cecchi: Nuove ricerche sulla casa del Vasari a Firenze. In: Gian Carlo Garfagnini (Hrsg.): Giorgio Vasari tra decorazione ambientale e storiografia artistica. Olschki, Florenz 1985, S. 273–283. Juerg Albrecht: Die Häuser von Giorgio Vasari in Arezzo und Florenz. In: Eduard Hüttinger (Hrsg.): Künstlerhäuser von der Renaissance bis zur Gegenwart. Waser, Zürich 1985, S. 83–100. Alessandro Cecchi: Le case del Vasari ad Arezzo e Firenze. In: Roberto Paolo Ciardi (Hrsg.): Case di artisti in Toscana. Pizzi, Cinisello Balsamo 1998, S. 29–77. Michiaki Koshikawa: Apelles’s Stories and the “Paragone” Debate: A Re-Reading of the Frescoes in the Casa Vasari in Florence. In: Artibus et Historiae. Band 22, Nr. 43, 2001, S. 17–28. Umberto Baldini, Pietro Alessandro Vigato: The Frescoes of Casa Vasari in Florence: An Interdisciplinary Approach to Understanding, Conserving, Exploiting and Promoting. Polistampa, Florenz 2006. Liana De Girolami Cheney: The Homes of Giorgio Vasari. Lang, New York 2006. Tiziana Landra: Il rebus di casa Vasari a Firenze: note a margine dell’Inventione per la decorazione del salotto. In: Émilie Passignat, Antonio Pinelli (Hrsg.): Reverse Engineering: un nuovo approccio allo studio dei grandi cicli rinascimentali. Carocci, Rom 2007, S. 139–144. Liana De Girolami Cheney: Le dimore di Giorgio Vasari. Lang, New York 2011. Elisabetta Nardinocchi: Casa Vasari a Firenze. Specchio e sintesi dell’opera di un artista. In: Cristina Acidini, Giacomo Pirazzoli (Hrsg.): Ammannati e Vasari per la città dei Medici. Polistampa, Florenz 2011, S. 138–146. Elisabetta Nardinocchi: Casa Vasari. Giorgio Vasari. In: Cristina Acidini, Giacomo Pirazzoli (Hrsg.): Ammannati e Vasari per la città dei Medici. Polistampa, Florenz 2011, S. 223–224.
Weblinks
Casa Vasari (Florenz) – Beschreibung im Repertorio delle architetture civili di Firenze von Palazzo Spinelli Angaben der Opera di Santa Croce zu Casa Vasari und Museo Horne
Einzelnachweise
Casa Vasari Casa Vasari Casa Vasari Kategorie:Erbaut im 16. Jahrhundert Kategorie:Wohnhaus einer berühmten Person Kategorie:Giorgio Vasari