mini|Iheren: Straußenfamilie auf der Flucht. Unten: Menschen, wahrscheinlich aus anderer Epoche Die Felsbilder von Iheren und Tahilahi befinden sich in der Nähe von Iherir im Tassili n'Ajjer-Gebirge im Südosten Algeriens. Sie gaben ihren Namen für den Felsbild-Stil Iheren-Tahilahi. Charakteristisch sind ihre naturalistischen Darstellungen mit vielen Motiven und Details aus dem Alltag. Sie zeichnen ein informatives Bild der Welt der nomadischen Hirten und Jäger in der Sahara des 3. Jahrtausends v. Chr.
Verbreitung Die beiden bemalten Felsüberhänge Iheren und Tahilahi liegen etwa 50 km nördlich von Bordj El Haouas im zentralen Teil des Tassili n'Ajjer, etwa 20 km westlich der Oase Iherir. In dieser Gegend findet man weitere Fundstätten mit dieser Felsbildkunst: Tassakarot, Abanora, Oued Tikadiouine, Ikadnouchère. Zwei weitere Schwerpunkte liegt im Südosten des Tassili n'Ajjer in der Region nordöstlich von Djanet und im Nordwesten des Tassilis, östlich von Amguid. Weitere Felsüberhänge mit Malereien dieses Stils sind im Tadrart Acacus und im Immidir-Gebirge gefunden worden. Einzelne Darstellungen fand man auch auf dem Plateau von Djado und im Ahaggar-Gebirge.
Zeitliche Zuordnung Da es Fundstätten gibt, in denen Zeichnungen verschiedener Malstile überlappen, kann die relative Chronologie der Stile gut dokumentiert werden. Absolute Altersbestimmungen hingegen sind selten, da z. B. kaum mit Holzkohle gezeichnet wurde und Funde von organischem Material im Boden zu Füßen der Felsüberhänge nicht zwingend aus der gleichen Zeitepoche stammen müssen. Aber es gibt eine Altersbestimmung mit der Radiokarbonmethode aus der Fundstätte Iheren. Sie ergab ein Alter von 4850 ±110 Jahren, was etwa 3000 v. Chr. entspricht. Von den Forschenden wird angenommen, dass die Bilder vor etwa 4000 bis 5000 Jahren entstanden, in der Jungsteinzeit, zur Zeit der späten Hirtenkultur der Zentralsahara.
Darstellungstechnik Die Bilder sind kleinformatig, meist nicht größer als 50 cm. Charakteristisch ist das Bestreben, möglichst naturgetreu und mit vielen Details abzubilden. Ihre Darstellungen zeugen oft von ästhetischer Qualität. Die Kombination von Strichzeichnung und flächigen Farbtönen zeichnet diesen Stil besonders aus. Er ermöglicht es, die vielen Details zur Geltung zu bringen. Die Strichzeichnungen sind in Ocker gehalten, mit einem mineralischen Stäbchen, das wie ein Bleistift verwendet wurde, oder mit sehr schmalem Pinsel gezogen. Flecken und Flächen sind oft in hellerem Ocker gehalten, helle Flächen, z. B. bei Kühen, in Weiß. Es gibt Darstellungen von Nutztieren, wo auf engem Raum eine große Herde von Tieren zu erkennen ist, indem die Tiere am Rand ganz gezeichnet sind, während der innere Teil der Gruppe nur mit den Köpfen der Tiere gefüllt wurde.
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Bildmotive
Tierzeichnungen Bei den Wildtieren sind es verschiedene Antilopenarten, die sich gut unterscheiden lassen, z. B. Buschböcke, Damagazellen oder Oryxantilopen. Giraffen und Strauße kommen häufig vor, was dem zunehmend ariden Klima entspricht. Anderes Großwild gibt es nur in einzelnen Darstellungen: Elefanten sowie einige Löwen in Jagdszenen.
Bei den Nutztieren sind die Schafe am häufigsten vertreten. Sie sind von der Ovis-longipes-Rasse, bei der weibliche und männliche Tiere gehörnt sind, eine Rasse, die keine Wolle bildet und noch heute in der zentralen und südlichen Sahara gezüchtet wird. In der großen Lagerszene in Iheren wird die heimkehrende Herde von Ziegen angeführt. Man erkennt sie am Bart und den längeren, leicht gebogenen Hörnern. Das dritte domestizierte Tier ist der Ochse (Bos africanus) mit langen, eher schlanken Hörnern, oft in der Form einer Leier. Er wird auch als Transport- und Reittier dargestellt. Zum Reiten wird kein Sattel montiert, sondern oft ein rundlicher, manchmal verzierter Sack angezogen, der die nötige Polsterung enthält. Hunde sind in dieser Hirtenkultur sehr selten. Man kennt nur vier Darstellungen.
Menschliche Darstellungen und kulturelle Elemente Die meisten Darstellungen zeigen Menschen der Art, wie sie im Mittelmeerraum leben, mit feinen Gesichtszügen und mit schlankem, nicht muskulösem Körper mit heller Hautfarbe. Man nimmt an, dass es Vorfahren der Berber waren, die aus dem Nordosten in die Zentralsahara eingewandertet waren und rasch die dominante Volksgruppe wurden. Die Männer tragen oft einen kurzen, dreieckigen Bart, wie er noch heute bei den Berbern Nordafrikas angetroffen wird. Die Körperbemalung ist charakteristisch für diesen Stil und betrifft vor allem Arme und Beine, bei den Männern auch das Gesicht. Meist ist es ein schwarzer Streifen, der senkrecht über die Stirn und den Nasenrücken gezogen ist. Statt einer Bemalung könnte es aber auch eine Tätowierung sein. Frauen werden oft mit voluminösen Frisuren mit weißen Haarschleiern abgebildet. Ihre Kleider bestehen aus gewebten Stoffbahnen, manchmal mit Leder-Applikationen verziert. Es sind lange Röcke, die bis zur Mitte der Wade reichen. Eine Art von Lendenschurz aus Ziegenfell, der manchmal zu sehen ist und auf verschiedene Arten getragen wird, wird nicht strichförmig, sondern vollflächig und dunkel gemalt. Auch die Männer tragen einen solchen Schurz, der enger geschnitten ist und auch die Brust bedecken kann, als eine Art von Weste. Kinder und Jugendliche gehen meist nackt. mini|Frauen haben sich um einen verzierten Keramiktopf (oder eine Kalebasse) versammelt, umgeben von Schafen und Ziegen. Kopie einer Felsmalerei im Iheren-Tahilahy-Stil Es sind viele Szenen ihres Alltags dargestellt, wie Zeltaufbau, Abbau des Lagers, unterwegs sein, Tätigkeiten im Lager, Viehhaltung, Schlachten, Jagen, Tanzen, Feiern, Kinderbetreuung, Menschen im Gespräch und ruhend. Auf einem Bild von 85 mal 110 cm Größe der Fundstätte Irekam Aharhar, nordöstlich von Bordj el Haouas, ist eine Herde von Rindern, Kälbern und Ziegen um eine Familienszene gruppiert. In der Mitte der Gruppe sitzt ein Mann mit einem Kleinkind in den Händen, das er eben aus einem Korb gehoben hat. Es ist vielleicht sein erstgeborenes Kind, das er nun seinen Nachbarn oder Verwandten vorstellt. Vorn rechts kauert eine Frau, wahrscheinlich die Mutter des oder der Kleinen. Sie hält eine Hand bereit, um das Kind aufzufangen, falls es dem Vater entgleiten sollte. Sie trägt eine gepflegte Frisur und ein weites Gewand mit einer Rüschelbordüre. Wie ihr Nachbar trägt sie Sandalen, sogar die Schnürsenkel wurden nicht vergessen.
In den Lagern dieser Nomaden stehen Zelte, die aus zusammengenähten Lederstreifen bestehen, von einem Gerüst aus gebogenen Stangen gehalten. Die Darstellungen lassen auch vermuten, dass in Kalebassen Flüssigkeiten mit pflanzlichen Zugaben vergoren wurden. Zum Trinken wurden Strohhalme verwendet.Es wurden große Mengen von Fruchtkernen des Europäischen Zürgelbaums (Celtis australis) in und in der Nähe von Keramik aus der Jungsteinzeit gefunden. Eine häufige Tanzszene zeigt Männer oder Frauen, die einander folgen, eine Hand erhoben und auf der Schulter der Person vor ihnen ruhend. Die Tuareg haben diesen Tanzstil übernommen.
Jagdszenen sind häufig. Oft haben die Jäger ein Tier dabei, einen Artgenossen, um das Wild anzulocken oder bei Raubtieren ein anderes Tier als Köder. Eine andere List war, dass sich die Jäger mit Tierfellen bekleideten. Es gibt auch Bilder von Kämpfern. In einer etwa 40 cm großen Darstellung der Fundstätte Iheren II sind vier männliche Figuren in lebhafter Bewegung, mit Stichwaffen (oder spitzen Wurfhölzern) bewehrt. Sie scheinen gegeneinander zu kämpfen, es könnte aber auch ein Kriegstanz sein. Im Immidir gibt es eine Darstellung mit 14 Bogenschützen, die in zwei Gruppen schussbereit einander gegenüberstehen. Die Szene zeigt vielleicht eine Auseinandersetzung zwischen zwei Clans. Einzelne sitzende Schützen könnten aber ein Hinweis sein, dass es sich um eine rituelle Auseinandersetzung handelt.
Bezug zu Grabmonumenten Die Wissenschaft vermutet mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass die Felskunstwerke im Iheren-Tahilahi-Stil von der gleichen Volksgruppe erstellt wurden, die auch die Schlüssellochgräber erbaut hatte.
Weblinks
U. & B. Hallier: The People of Iheren and Tahilahi Englisch, mit Fotos und Zeichnungen Kollektion Henri Lhote: Kopien von Felsbildern von Iheren
Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Felsbild Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Afrika