Li Tavor (* 1983 in Basel) ist eine Schweizer Künstlerpersönlichkeit, die in den Bereichen Architektur, Komposition, Performance sowie Audiovisuelle Medien arbeitet. Li Tavor lebt in Zürich. Die künstlerische Praxis bezieht sich auf die Beziehungen zwischen Klang, Architektur und deren Wahrnehmung. Charakteristisch für Li Tavors Arbeit sind grossflächige, hängende Installationen aus Latex.

Werdegang und Ausbildung Li Tavor studierte Architektur an der ETH Zürich, schloss mit einem Master ab und absolvierte parallel dazu ein Masterstudium in elektroakustischer Komposition an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Li Tavor war als wissenschaftliche Assistenz am Departement Architektur der ETH Zürich tätig und lehrte am RMIT in Melbourne. Derzeit hält Li Tavor eine Dozentur für den Bachelorstudiengang Fine Arts an der ZHdK in Zürich inne.

Zusammen mit Alessandro Bosshard, Matthew van der Ploeg und Ani Vihervaara wurde Li Tavor von der Schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia ausgewählt, den Schweizer Pavillon an der 16. Internationalen Architekturbiennale Venedig zu kuratieren.

Arbeit für Filmprojekte Seit 2024 schreibt Li Tavor Drehbücher, führt bei Filmproduktionen Regie und wirkt in der Filmmusik. Im Jahr 2024 wurde das das Special Affects Collective, ein in Basel ansässiger Produktionsverein für queere Film-, Video- und Medienkunstprojekte von Li Tavor gemeinsam mit Renée Steffen gegründet. Im Rahmen der Ausstellung In the Closet in der Stadtgalerie Bern (2025) kuratierte Tavor gemeinsam mit Renée Steffen das Filmprogramm Untitled (Promote Homosexuality).

Dene wos guet geit (Englischer Titel: Those who are fine) ist ein Spielfilm des Schweizer Regisseurs Cyril Schäublin aus dem Jahr 2017 unter Mitwirkung von Li Tavor. Der Titel des Films zitiert das Lied „Dene wos guet geit“ des Schweizer Chansonniers Mani Matter.

Die bekannteste Filmarbeit ist allerdings die Komposition des Soundtracks für den Spielfilm Unrueh (internationaler Titel: Unrest) des gleichen Regisseurs Cyril Schäublin der 2022 veröffentlicht wurde. Der Film wurde 2022 bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin uraufgeführt und erhielt internationale Anerkennung. Für den Film komponierte Tavor unter anderem das Stück Polyphonie Anarchiste. In Unrueh trat Li Tavor, zusätzlich zu ihrem Sound, in der Rolle der Mila Fuchs auf.

Arbeitsweise und Themen Die Arbeiten verhandeln das Verhältnis von Raum, Klang, Textil, Stimme und Licht und fragen nach der Wahrnehmung von Innen und Aussen sowie nach gesellschaftlichen Normierungen von Körpern und Räumen. In der Ausstellung In the Closet wurde die Metapher für geheimes Begehren, das «Closet», als begehbarer Schrank inszeniert: Latexvorhänge, private Videoaufnahmen, Fotografien fluider Körper und mit Epoxidharz gehärtete Textilien bilden einen Schutzraum zwischen Rückzug und Sichtbarkeit. Die Wandarbeit aus dem Kontext der Werkgruppe Studio Visit – ein über drei Meter breites Latex-Bandana – verweist auf den Hanky Code als queeres Zeichensystem und reflektiert zugleich über Produktionsbedingungen, Sichtbarkeit und Wertschöpfung im Kunstsystem.

Preise und Auszeichnungen

2018: Goldener Löwe (Golden Lion) für den besten nationalen Beitrag an der 16. Internationalen Architekturbiennale in Venedig für die Ausstellung Svizzera 240: House Tour im Schweizer Pavillon, zusammen mit Alessandro Bosshard, Matthew van der Ploeg und Ani Vihervaara. 2019: Nominierung für die Swiss Art Awards im Bereich Architektur, zusammen mit Alessandro Bosshard und Matthew van der Ploeg. 2022: Werkbeitrag Kanton Zürich 2022: Werkbeitrag Stiftung Landis & Gyr 2023: Beitrag Film- und Medienausschuss Basel 2025: Werkbeitrag Kunstkredit Basel-Stadt

Ausstellungsbeteiligungen und Auftritte

2018: Svizzera 240: House Tour, Schweizer Pavillon, 16. Internationale Architekturbiennale, Venedig 2018: HOW Museum, Shanghai; A4 Art Museum, Chengdu; NGV, Melbourne; The Architecture Foundation, London 2018: Tanzquartier Wien; Tanzfabrik Berlin; Kölnischer Kunstverein, Köln; Kunsthaus Bregenz, Bregenz 2021: SCHAUFENSTER #1, Zürcher Theater Spektakel, Zürich (zusammen mit Dimitri de Perrot) 2022: Talking Measures or How to Lose Track, Istituto Svizzero, Mailand (zusammen mit Nicolas Buzzi) 2022: Haus Konstruktiv, Zürich; Kunsthalle Fribourg, Fribourg 2022: Werkschau Kanton Zürich, Zürich 2024: Come as You Are, Kunsthalle Basel 2025: Spora, Swiss Institute New York 2025: In the Closet, Stadtgalerie Bern 2025 Werkschau Li Tavorhttps://www.kunstbulletin.ch/de/notebook/werkschau-2025-li-tavor 2025: ≈ 50 Hertz, ewz-Areal Herdern, Zürich 2026: Shirana Shahbazi. All at Once. An Interplay with Li Tavor, Kunstmuseum Luzern

Ausbildungen

2021 Master in Theorie und Komposition, Vertiefung Elektroakustische Komposition, ZHdK Zürcher Hochschule der Künste 2012 Master in Architektur ETH Zürich

Belege/Einzelnachweise

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