Actros ist die Bezeichnung für eine Lkw-Baureihe der Marke Mercedes-Benz der Daimler Truck AG. Sie ist der Nachfolger des Actros von 1996. Im Jahr 2018 gab es umfangreiche Modellpflegemaßnahmen. Während der Hersteller diese Modelle jeweils als Neuen Actros bezeichnet, sind die Bezeichnungen Actros 4 (für das Modell 2011) und Actros 5 (für das Modell 2018) üblich.

New Actros (Neuer Actros)

Zum Modelljahr 2011 wurde unter dem eingeführten Namen eine weitgehende Neuentwicklung auf den Markt gebracht, die auch vom Hersteller selbst nur als Neuer Actros (werksintern SFTP, Strategic Future Truck Program) benannt wurde. Im Rahmen der Messe Trailer 2011 im belgischen Kortrijk wurde der neue Actros Ende November 2011 von einer internationalen Fachjury aus 24 europäischen Ländern zum Truck of the Year 2012 gewählt. Zur gleichen Zeit wurde der neue Actros mit dem Europäischen Transportpreis für Nachhaltigkeit 2012 ausgezeichnet.

Am 15. April 2011 gab Daimler in einer Pressemitteilung bekannt, der neue Actros werde ab dem 1. Juli 2011 verkauft. Am 21. Juni 2011 erfolgte auf der Messe in Brüssel die offizielle Präsentation des neuen Actros vor mehr als 500 internationalen Journalisten. Die Premiere in Deutschland erfolgte Anfang Juli 2011 im Rahmen des 26. Truck Grand-Prix am Nürburgring. Um Messebesuchern der 64. IAA Pkw die Technik moderner Lastwagen zu demonstrieren, hatte Mercedes-Benz den neuen Actros auf dem dortigen Freigelände ausgestellt. Besucher konnten sich vom 15. bis zum 25. September 2011 mit der Motorentechnik und anhand eines Schnittmodells (GigaSpace) mit den neuen Fahrerhäusern vertraut machen.Zahlreiche Foto- und Videoimpressionen im offiziellen . Berichterstattung: Stefan Cerchez: Mercedes-Benz Actros: Ein Großer unter den Kleinen. In: EuroTransport. 15. September 2011 HTML, sowie Markus Stier: Mercedes Actros auf der IAA: Unterschätzte Schwergewichte. In: Auto, Motor und Sport. 12. September 2011 HTML.

Am 12. November 2011 stellte Mercedes-Benz den neuen Actros bei den Händlern der Öffentlichkeit vor. Bereits seit den genannten öffentlichen Vorstellungen wurden Fahrzeuge der neuen Serie im Rahmen einer 30-tägigen Kundenerprobung an 36 Speditionsunternehmen und andere Lkw-Betreiber als Testfahrzeuge abgegeben und waren so schon vereinzelt im Straßenbild zu sehen. Es handelte sich bei den eingesetzten Fahrzeugen um Vorserienproduktionen, die jedoch bereits weitestgehend über Serienteile verfügten. Im Rahmen der Erprobung verpflichteten sich die beteiligten Unternehmen dazu, innerhalb eines Monats im Minimum 10.000 km mit den Testfahrzeugen zu absolvieren.Siehe dazu Lars Kruse: Getestet … und für 'sehr gut’ befunden. In: Mercedes-Benz Transport. 4, 2011, S. 6–11. Einige dieser Test-Lkw waren während der Erprobungsphase noch mit Tarnfolien beklebt. Seit Mitte November 2011 werden erste Fahrzeuge offiziell an Kunden ausgeliefert.

Im Gegensatz zu allen vorherigen Lkw-Baureihen von Mercedes-Benz wurde der neue Actros von Anfang an als reiner Fernverkehrs-Lastwagen konzipiert. Das Fahrzeug ist der erste Teil einer neuen Modellstrategie von Mercedes-Benz Trucks, die bis 2013 um zwei weitere Modelle ergänzt wurde. Diese decken die Einsatzbereiche im schweren Verteiler- (Baureihe Antos bis 2017) und Baustellenverkehr (Baureihe Arocs) ab und lösten zusammen mit dem Actros die bisherige Baureihe Axor ab. Die neue Modellpolitik ermöglicht den Fahrzeugentwicklern, Fahrerhäuser und Komponenten an das jeweilige Einsatzgebiet anzupassen.Siehe dazu die entsprechende Pressemitteilung der Daimler AG vom 29. Juni 2011, Absatz "Entwicklung und Erprobung". Seit Juli 2012 ist der Actros in zwei Spezialversionen erhältlich: Volumer mit drei Metern lichter Ausbauhöhe und Loader mit reduziertem Leergewicht (durch Entfall verschiedener Komponenten, etwa der Kühlerjalousie, ca. 350 kg leichter als der Standard-Actros).

Seit der Markteinführung des Actros 1996 ist die 2011er Generation der erste Mercedes-Lkw, der neben neuen Motoren (nun Reihen- anstatt V-Motoren) auch neu entwickelte Fahrerhäuser und einen spezifischen Fernverkehrsrahmen mit breiterer Spur (834 mm statt zuvor 744 mm) erhält. Der neue Rahmen verfügt über ein 50-mm-Lochraster, der Aufbauherstellern die Montage erleichtert, und kann als Zwei- und Dreiachser (Fahrgestelle und Sattelzugmaschine) bestellt werden. Erhältlich sind vier (4×2-Sattelzugmaschine; 3550, 3700, 3850 und 4000 mm) bzw. elf verschiedene Radstände (4×2-Fahrgestelle; 3600 bis 6600 mm in 300-mm-Schritten). Die Aufsattelhöhe der 4×2- und 6×2-Sattelzugmaschinen liegt bei 1135 mm (Standardhöhe), bei niedrigem Rahmen bei 1017 mm und beim Lowliner bei 946 mm (letztere nur als 4×2). Für Fahrgestelle beträgt die Rahmenhöhe 973 mm (4×2 und 6×2 Standardhöhe) bzw. 885 mm (niedriger Rahmen).Vgl. zu den Maßen: lastauto omnibus 8/2011, S. 29.

Technik Die Technik dieses Modells wurde größtenteils neu entwickelt. Dies gilt sowohl für die Motoren als auch für die Auslegung des Rahmens und der Fahrwerkskomponenten. Verschiedene neue Nebenaggregate mit bedarfsabhängiger Steuerung senken den Kraftstoffverbrauch und Verschleiß.

Mit Blick auf eine saubere Führung der Hinterachse ersetzten die Entwickler die bislang verwendete Zweibalg-Luftfederung durch eine Vierbalg-Anlage. Sie erhöht die Tragfähigkeit der Achse und gewährleistet ein schnelleres und präziseres Ansprechen der Federung. Da die vier kleinen Bälge zudem weniger Platz beanspruchen als zwei große Bälge, konnte die Federspur vergrößert werden. Hinzu kommen die geänderten Wirklinien der Dreieckslenker, die sich nun weit hinter dem Differentialgehäuse schneiden und so die Querstabilität erhöhen.

Als Hinterachse kommt die vom Vorgänger übernommene Achse HL 6 (mit verändertem Hypoid-Satz) zum Einsatz, die jedoch für den neuen Actros überarbeitet und mit einer längeren Übersetzung (jetzt 2,611 : 1; zuvor 2,846 : 1) versehen wurde. Das senkt die Motordrehzahl bei Autobahntempo 85 km/h um etwa 100 Umdrehungen pro Minute. Wählbar sind Übersetzungen zwischen 2,533 und 3,077, für die Lowliner von 2,278 bis 2,733 (Serie 2,412). Die Vorderachse entspricht weitgehend der Vorgängerversion. Es sind nun Einblatt- und Zweiblatt-Parabelfederungen lieferbar. Die verwendete ZF-Lenkung wurde direkter übersetzt und besitzt nun eine verbesserte Kinematik. Diese Veränderungen gewährleisten ein exakteres Fahrverhalten und reduzieren die Zahl der notwendigen Korrekturen beim schnellen Spurwechsel.

Wie bisher stammt der Retarder von der Firma Voith, arbeitet nun allerdings nicht mehr mit Hilfe einer Ölfüllung, deren Abwärme über einen Wärmetauscher an die Fahrzeugkühlung abgegeben wurde. Der neue Sekundär-Wasser-Retarder nutzt das Kühlwasser des Motors als Schmierstoff und für das Bremsmoment. Im Vergleich zum Vorgänger ist der neue Retarder etwa 35 kg leichter (65 kg zu rund 100 kg) und leistungsstärker. Er bietet eine maximale Verzögerungsleistung von 750 kW bzw. 3500 Nm Bremsmoment.

Neben dem neuen Voith-Retarder verfügt der 2011er Actros über eine verstärkte Dekompressionsbremse (Motorbremse), die in drei Stufen arbeitet und eine maximale Bremsleistung von 400 kW (544 PS) innerhalb von 150 Millisekunden zur Verfügung stellt. Die Betriebsbremse des neuen Actros baut auf der 1996 erstmals eingeführten und kontinuierlich weiterentwickelten Vierscheiben-Bremsanlage mit Hochdrucksystem und elektronischer Regelung des Vorgängers auf.Für weitere Ausführungen zur Dekompressionsbremse siehe den Artikel zur Motorbaureihe 47x.

Sicherheits- und Komfortausstattung mini|Interieur des neuen Actros in der BigSpace-Fahrerkabine

Erstmals gibt es für den Actros einen multifunktionalen Fahrzeugschlüssel (Sonderausstattung), der dem Fahrer den Abfahrtscheck (Scheinwerferprüfung, Anzeige von Reifendruck, Füllstände und Achslasten) aus der Entfernung ermöglicht. Der Schlüssel verfügt über ein 4,6 cm großes TFT-Farbdisplay. Die Stromversorgung erfolgt über einen Lithium-Ionen-Akku, der während der Fahrt über das Zündschloss aufgeladen wird. Zum Starten führt der Fahrer den Schlüssel in das elektronische Zündschloss ein und betätigt einen Start-Stopp-Knopf (vergleichbar mit dem Keyless-Go-System der Mercedes-Benz Cars). Der Multifunktionsschlüssel besitzt eine Reichweite von bis zu 100 Metern und übersteht einen Sturz aus maximal drei Metern Fallhöhe.

Der neue Schlüssel umfasst dabei folgende Funktionen:Siehe zur Übersicht die Informationen im Mercedes-Benz LKW-Konfigurator. Niveauregulierung, Radio, Zusatzheizung ein/aus, Standklima ein/aus, Lampen-Check, Arbeitsscheinwerfer, Ver-/Entriegeln Türen, Seitenfenster, Dachluke, Ladebordwandentriegelung, Steuerung Innenbeleuchtung (Nacht- und Innenlicht), Ambientebeleuchtung (optional), Statusanzeige Türen/Klappen (i. V. m. Alarmanlage) Anzeigbare bzw. einstellbare Funktionen: Anzeige Außen-/Innentemperatur, Gesamtkilometer, Tageskilometer, Betriebsstunden, Achslasten, Füllstände Kraftstoff, AdBlue, Anzeige Funkverbindung, Reifendruckkontrolle, Vorratsdruck Kreis 1 + 2, Batteriestatus, Türen- und Klappenkontrolle bei Alarmanlage, Fahrzeugbatterie, Schlüsselbatterie, Status Soft-/Hardware, Sprachen, Einstellung Display-Helligkeit, Einheiten (z. B. Grad Fahrenheit (F)), Timings (z. B. Stand-by-Modus) Mechanischer Schlüsselbart als entnehmbarer Notschlüssel integriert und gegen Verlieren oder Vergessen durch Sensierung und Anzeige geschützt

Daneben steht serienmäßig ein normaler Fernbedienungschlüssel zur Steuerung der Komfortschließanlage zur Verfügung. Er arbeitet wie der Multifunktionsschlüssel richtungsunabhängig, besitzt jedoch nur eine Reichweite von 30 Metern. Optional ist für beide Varianten eine Alarmanlage lieferbar.

Beim neuen Actros ist ein Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) Teil der Serienausstattung (bisher gegen Aufpreis erhältlich). Ebenso wird serienmäßig bei einer Notbremsung automatisch die Warnblinkanlage aktiviert. Wie bisher bietet Daimler Truck auch im neuen Modell eine Vielzahl verschiedener Sicherheitssysteme. Inzwischen sind elf aufpreispflichtige Systeme erhältlich. Neu ist etwa der Abstandshalte-Assistent mit Stop-&-Go-Funktion, die das Fahrzeug bei weniger als 2 Sekunden Stillstand selbsttätig wieder anfahren lässt. Zudem ist der Assistent nun nicht mehr mit dem Retarder gekoppelt. Daneben sind im Neuen Actros folgende Sicherheitssysteme als Sonderausstattung erhältlich:Vgl. zur Übersicht: lastauto omnibus 8/2011, S. 33.

Aktive Sicherheit Reifendruckkontrolle (auch für Trailer) Active Brake Assist (Notbremsassistent) Spurhalteassistent Wankregelassistent

Assistenz Sensierte Sattelkupplung mit Statusanzeige im Zentraldisplay Abstandshalteassistent mit Stop- -Go-Funktion für Staus (in den Mercedes-Benz PKW auch als Distronic bekannt) Regen- und Lichtsensor Rangierfunktion Spiegel (Spiegel fährt auf Knopfdruck um 10° nach außen) Abbiegelicht

Bremsen Neue Motorbremse mit max. 300/350/400/475 kW Bremsleistung (bei OM 936/OM 470/OM 471/OM 473) Neuer Wasserretarder mit max. 3500 Nm Bremsmoment (Sekundärretarder)

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