mini|Titelblatt der Finnländischen Rundschau, 2. Jahrgang, 1902 Die Finnländische Rundschau war eine deutschsprachige Zeitschrift über das politische, gesellschaftliche und kulturelle Leben Finnlands, die ab 1901 bei Duncker & Humblot in Leipzig erschien. Herausgeber war der deutsche Schriftsteller und Übersetzer Ernst Brausewetter. Die Zeitschrift trug den Untertitel Vierteljahrsschrift für das geistige, sociale und politische Leben Finnlands und wurde von Vertretern der finnischen konstitutionalistischen Opposition initiiert und finanziert. Als Reaktion auf die Russifizierung Finnlands sollte sie die öffentliche Meinung im deutschsprachigen Raum für die finnische Sache gewinnen. Neben politischen und gesellschaftlichen Fragen nahmen jedoch auch Literatur, Kunst und andere kulturelle Themen breiten Raum ein. Die Finnländische Rundschau umfasste zwei Jahrgänge mit insgesamt acht Heften.

Hintergrund mini|Ernst Brausewetter, Herausgeber der Finnländischen Rundschau (um 1902) Die Gründung der Finnländischen Rundschau stand im Zusammenhang mit den Bestrebungen der finnischen konstitutionalistischen Opposition um Leo Mechelin, während der ersten Russifizierungsperiode Unterstützung im europäischen Ausland zu gewinnen (→Geschichte Finnlands#Verfassungsstreit und erste Russifizierungsperiode). Einen frühen Höhepunkt dieser Tätigkeit bildete 1899 die internationale Pro-Finlandia-Adresse, mit der sich mehr als tausend europäische Vertreter aus Wissenschaft und Kultur gegen die Einschränkung der verfassungsmäßigen Stellung des Großfürstentums Finnland wandten. An ihrer Organisation waren unter anderem Leo Mechelin, E. N. Setälä und Arvid Neovius beteiligt.

Im September 1900 organisierten rund 70 Vertreter der konstitutionalistischen Opposition ihre Widerstandstätigkeit in einem von mehreren Komitees getragenen Netzwerk. Zu dessen Aufgaben gehörten die Finanzierung und Verbreitung von Widerstandsliteratur sowie die Öffentlichkeitsarbeit und die Pflege von Kontakten im Ausland. Dabei wurden eigene fremdsprachige Publikationen gegründet und Beiträge über die finnische Verfassungsfrage in ausländischen Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Mechelin publizierte zu diesem Zweck unter anderem in deutschen, französischen, englischen und russischen Periodika.

Die Herausgabe einer deutschsprachigen Zeitschrift wurde einem der sieben Komitees übertragen, das unter der Leitung des Literaturwissenschaftlers Werner Söderhjelm stand. Die Finnländische Rundschau war damit Teil der organisierten Öffentlichkeitsarbeit der konstitutionalistischen Opposition im Ausland.

Werner Söderhjelm brachte Ernst Brausewetter als deutschen Herausgeber der geplanten Zeitschrift ins Gespräch. Das erste Heft erschien 1901 bei Duncker & Humblot in Leipzig.

Die Zeitschrift umfasste zwei Jahrgänge mit jeweils vier Heften. Nach dem zweiten Jahrgang wurde sie eingestellt und der Vertrag mit Brausewetter aufgelöst. Jänicke führt die Einstellung vor allem auf wirtschaftliche Gründe zurück.

Redaktion und Ausrichtung Die redaktionelle Arbeit war zwischen Brausewetter und den finnischen Initiatoren aufgeteilt. Das hinter der Zeitschrift stehende finnische Komitee stellte die Finanzierung sicher, während Arvid Neovius über die Annahme der aus Finnland eingesandten Manuskripte entschied. Auf den Titelblättern erschien Brausewetter als alleiniger Herausgeber, verbunden mit dem Hinweis, die Zeitschrift werde „unter Mitwirkung in- und ausländischer Gelehrter und Schriftsteller“ herausgegeben.

Entsprechend ihrem Untertitel behandelte die Finnländische Rundschau neben politischen und gesellschaftlichen Fragen in erheblichem Umfang Literatur, Kunst und Kultur Finnlands. Zu den behandelten Schriftstellern gehörten Aleksis Kivi und Juhani Aho. Von Aho erschienen mehrere literarische Texte in deutscher Übersetzung; Brausewetter selbst steuerte einen Beitrag über ihn als „nationalen Dichter und politischen Satiriker“ bei. Otto Manninen stellte Kivi und dessen Werk dem deutschsprachigen Publikum vor. Auch kunsthistorische Themen waren vertreten, darunter ein zweiteiliger Beitrag Johan Jakob Tikkanens über finnische Textilornamentik.

Bereits während der Vorbereitung des ersten Heftes kam es jedoch zu Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung der Zeitschrift. Brausewetter schlug zahlreiche Änderungen an der ursprünglichen Konzeption vor und setzte sich insbesondere für einen größeren Anteil kultureller Themen ein. Dies stieß bei den finnischen Initiatoren auf Vorbehalte, da sie die von Söderhjelm hervorgehobene „politische Zielsetzung“ der Zeitschrift gefährdet sahen. Brausewetters Vorstellungen von einer breiteren thematischen Ausrichtung setzten sich weitgehend durch; dazu trug auch bei, dass die für politische Beiträge vorgesehenen Manuskripte aus Finnland teilweise verspätet eintrafen.

Trotzdem blieb die politische Zielsetzung deutlich erkennbar. Zu den Autoren gehörte Konni Zilliacus, der 1902 unter dem Pseudonym „Z. Konrad“ über die internationale Pro-Finlandia-Kampagne schrieb. Eine Besprechung des ersten Heftes in der Heidelberger Zeitung beschrieb die Aufgabe der Zeitschrift bereits 1901 darin, über das geistige und gesellschaftliche Leben Finnlands zu informieren und „der finnischen Sache neue Freunde [zu] gewinnen“.

Literatur

Weblinks

Digitalisat in der digitalen Sammlung der Finnischen Nationalbibliothek

Einzelnachweise

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