Manuel Palaiologos (; * 2. Januar 1455 wahrscheinlich in Mistra, Despotat Morea; † vor 1513 in Konstantinopel, Osmanisches Reich) war ein Prinz aus dem byzantinischen Herrschergeschlecht der Palaiologen. Der Neffe des letzten byzantinischen Kaisers Konstantin XI. war einer der wenigen Mitglieder seiner Familie, die sich nach dem Fall Konstantinopels 1453 mit den osmanischen Eroberern arrangierten und in ihr Stammland zurückkehrten.

Leben Manuel das jüngste von vier Kindern von Thomas Palaiologos (1409/10–1465), dem Bruders Konstantins XI., und seiner Frau Katharina Zaccaria (1411–1462), der Erbin des Fürstentums Achaia auf der Peloponnes. Thomas floh nach der osmanischen Eroberung Konstantinopels, bei der sein Bruder ums Leben gekommen war, nach Morea. Dort wurde zwei Jahre später Manuel geboren. Dessen ältere Geschwister waren sein Bruder Andreas sowie die Schwestern Helena und Zoë Sophia.

Infolge der osmanischen Invasion Moreas im Jahr 1460 brachte Thomas seine Familie zunächst auf der von Venedig beherrschten Insel Korfu in Sicherheit. Er selbst reiste weiter nach Rom, um Unterstützung für eine Rückeroberung Konstantinopels zu suchen. Er wie später auch sein ältester Sohn Andreas Palaiologos hielten an ihrem Herrschaftsanspruch und am Titel eines Kaisers von Byzanz fest. Nach dem Tod seiner Frau ließ Thomas seine Kinder nach Rom kommen, starb aber kurz nach deren Ankunft 1465 ebenfalls. Die Kinder wurden zunächst von Kardinal Bessarion betreut und von Papst Paul II. finanziell unterstützt.

Da Pauls Nachfolger Sixtus IV. diese Unterstützung nach und nach kürzte, verließ Manuel 1474 Rom, und versuchte ein Einkommen zu finden, indem er verschiedenen europäischen Fürsten seine militärischen Dienste anbot, darunter Galeazzo Maria Sforza von Mailand und Karl dem Kühnen von Burgund. Doch alle diese Versuche blieben erfolglos, und Papst Sixtus kürzte seine Bezüge und die seines Bruders noch weiter. Andreas, der ein verschwenderisches Leben führte, versuchte zu Geld zu kommen, indem seine Ansprüche auf den byzantinischen Thron nacheinander an mehrere Herrscher verkaufte, u. a. an König Karl VIII. von Frankreich und an die Katholischen Könige von Spanien.

Manuel dagegen reiste 1476 überraschend nach Konstantinopel, das er bis dahin nie gesehen hatte und unterwarf sich Sultan Mehmed II., der die Stadt 23 Jahre zuvor erobert hatte. Mehmed nahm Manuel großzügig auf und sprach ihm ein Landgut sowie eine jährliche Leibrente zu. Für den Rest seines Lebens führte der Neffe des letzten Kaisers ein luxuriöses Leben in Konstantinopel. Möglicherweise diente er in den osmanischen Seestreitkräften. Die Osmanen nannten ihn „el Ghazi“ („heiliger Krieger“), obwohl er seinen christlichen Glauben beibehielt. Er heiratete Malkhatoun Zulkadr von Kappadokien und hatte zwei Söhne: Johannes, der jung starb, und Andreas, der später zum Islam konvertierte und als Mehmed Pascha Karriere am Hof des Sultans machte.

Literatur Steven Runciman: Die Eroberung von Konstantinopel 1453. DTV, München 1977, ISBN 3-423-04286-9

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