Wilhelm Mannhardt (* 29. Januar 1800 in Altona; † 31. Dezember 1890) war ein deutscher Waldbauer, Gründer einer Landesbaumschule sowie Gründer und Leiter einer privaten Internatsschule in Hanerau im damaligen Herzogtum Holstein.
Leben und Familie Wilhelm Mannhardt wurde am 29. Januar 1800 in Altona geboren. Seine Eltern waren der Gutsbesitzer, Theologe und Landwirt Johann Wilhelm Mannhardt (1760–1831) und die Altonaer Reederstochter Anna, geborene van der Smissen (1771–1843). Sein älterer Bruder Hinrich Gysbert (1791–1872) wurde Nachfolger des Vaters als Erbherr auf Gut Hanerau. Wilhelm heiratete 1831 Charlotte Amalie Höpfner (1809–1884), Tochter des Uetersener Klosterpredigers Dietrich Leberecht Höpfner (1778–1843) und seiner Ehefrau Charlotte Amalie, geborene Hudtwalcker (1789–1864). Das Paar hatte mehrere Kinder, darunter den Augenarzt und Diplomaten Julius Leberecht (1834–1893), den Gymnasiallehrer Johannes (1840–1909) sowie den Augenarzt Franciscus (1846–1927).
Als weichender Erbe baute Wilhelm Mannhardt sich mehrere Standbeine auf.
Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Waldfriedhof Hanerau.
Hanerauer Knabenerziehungsinstitut mini|Mannhardtstraße 67 in Hanerau: 1803 bis 1813 – in Teilen noch bis in die 1840er Jahre – Leinenweberei, 1848 oder 1838 bis 1909 Mannhardtsches Knabeninstitut, heute Alten- und Pflegeheim Im Jahre 1848 – nach Max Suhr bereits 1838 – gründete Wilhelm Mannhardt in der vormaligen, 1803 von seinem Vater erbauten und betriebenen Leinenweberei in der Nähe des elterlichen Gutes das Hanerauer Knabenerziehungsinstitut – auch Mannhardtsches Knabeninstitut –, eine internationale private Internatsschule für Jungen, die auch von Schülern – den Externen – aus den umliegenden Dörfern besucht wurde. Wegen ihrer Unterbringung in einer ehemaligen Fabrik wurden die Internatsschüler im Dorf die Fabrickers genannt. Neben Schülern aus dem Ausland besuchten vor allem die Söhne Holsteiner Gutsbesitzer und wohlhabender Hamburger Kaufmannsfamilien das Institut. Unterrichtet wurde nach den Plänen des Gymnasiums, des Realgymnasiums und der Realschule als Vorbereitung für den Eintritt in die obersten Klassen.
Nach mehreren Anstellungen als Gymnasiallehrer – u. a. in Husum und Bielefeld – übernahm Mannhardts Sohn Johannes das Institut 1876. Er baute es aus und leitete es mit seiner Frau Helen Mary, geborene Vavasseur (1850–1922), bis zu seinem Tode 1909. Danach wurde die Schule geschlossen.
Bekannte Absolventen waren Johannes Lührsen, August Jauch und Hans Treplin.
Das Gebäude gehört zu den Kulturdenkmalen der Gemeinde Hanerau-Hademarschen. Landesbaumschule Wilhelm Mannhardts besonderes Interesse galt der Natur. Ihn besorgte die damalige großflächige Entwaldung des Landes und die damit einhergehende verminderte Tier- und Pflanzenwelt.
Im März 1846 gründete Mannhardt südlich von Hanerau bei Oeverdiek eine sogenannte Landesbaumschule, deren Ziel die Aufforstung der ausgedehnten Heide- und Ödlandfächen Schleswig-Holsteins war. Die Baumschule wurde ein Vorreiter des 1871/72 von Carl Emeis ins Leben gerufenen ersten Haide-Cultur-Vereins für Schleswig-Holstein, dem weitere Heidekulturvereine folgten. Aus der Landesbaumschule entwickelte sich der Mannhardtsche Wald, der nach vier Generationen im Familienbesitz auf ca. 50 Hektar angewachsen ist. Im Wald erinnert ein Gedenkstein an den Gründer und eine steinerne Sitzbank an seinen Sohn und Nachfolger Johannes Mannhardt.
Veröffentlichungen Schleswig-Holsteinische Landes-Baumschulen. In: Rudolph Mettler (Hrsg.): Neue allgemeine deutsche Garten- und Blumenzeitung. Eine Zeitschrift für Garten- und Blumenfreunde, für Kunst- und Handelsgärtner. Band 1. G. Heubel’s Buch- und Kunsthandel, Hamburg 1845–1846, S. 446–456.
Literatur Walter Hase: Abriß der Wald- und Forstgeschichte Schleswig-Holsteins im letzten Jahrtausend. In: Schriften des Naturwissenschaftlichen Vereins Schleswig-Holstein. Band 53, Dezember 1983, S. 83–124. (Online)
Einzelnachweise
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