mini|Wajak 1 Als Wajak-Schädel (auch: Wadjak-Schädel) werden zwei hominine Fossilien bezeichnet, die 1888 („Wajak 1“) und 1890 („Wajak 2“) in der Nähe des Dorfes Wajak im Regierungsbezirk Tulungagung der Provinz Jawa Timur auf der Insel Java (damals: Niederländisch-Indien) entdeckt wurden.
Datierung Erstmals beschrieben und datiert wurden die Funde 1920 auf Niederländisch und 1922 auf Englisch von Eugène Dubois, der sie aufgrund ihrer Merkmale grob dem Pleistozän zuordnete,Eugène Dubois: The proto-Australian fossil man of Wadjak, Java. In: Koninklijke Akademie van Wetenschappen te Amsterdam (Hrsg.): Proceedings. Band 23, 1922, S. 1013–1051. was einem Mindestalter von rund 12.000 Jahren entspricht. 1995 ergab eine Datierung anhand der Beschleuniger-Massenspektrometrie ein mögliches Alter von nur 6.560 ± 140 Jahren und ein maximales Alter von rund 10.000 Jahren,Paul Storm: The evolutionary significance of the Wajak skulls. In: Scripta Geologica. Band 110, 1995, S. 148, Volltext (PDF). während 2013 eine Uran-Thorium-Datierung ein Alter zwischen 37.400 und 28.500 Jahren ergab.Paul Storm et al.: U-series and radiocarbon analyses of human and faunal remains from Wajak, Indonesia. In: Journal of Human Evolution. Band 64, Nr. 5, 2013, S. 356–365, doi:10.1016/j.jhevol.2012.11.002. Trotz der voneinander abweichenden Datierungen und ihrer recht massiven Knochen gilt es heute unter Fachleuten als gesichert, dass die Schädel von anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) stammen und nicht von Homo erectus.
Funde Der Schädel Wajak 1 wurde 1888 bei Vorbereitungen zum Abbau von Marmor in einer Gesteinsspalte entdeckt und zu Eugène Dubois geschickt, der 1889 auf Sumatra mit Dutzenden Helfern begonnen hatte, nach Überresten des von ihm dort vermuteten Missing Links zwischen Affe und Mensch zu graben. Der Schädel veranlasste Dubois 1890, dessen Fundstätte zu besuchen, wo er Fragmente eines zweiten Schädels, von homininen Knochen aus dem Bereich unterhalb des Schädels sowie zahlreiche Säugetierknochen aufsammelte. Nach Abschluss seiner Studien in Wajak blieb er auf Java, durchsuchte in der Nähe des Dorfes Trinil eine bekannte Fossilien-Fundstätte nach Überresten früher Hominini und entdeckte dort 1891 die ersten Belege für die sogenannten Java-Menschen, die heute Homo erectus zugeordnet werden. Vermutlich trug die wissenschaftliche Debatte um die Bedeutung der Trinil-Funde dazu bei,Paul Storm und Andrew J. Nelson: The Many Faces of Wadjak Man. In: Archaeology in Oceania. Band 27, Nr. 1, 1992, S. 37–46, doi:10.1002/j.1834-4453.1992.tb00281.x. dass Dubois sich erst 30 Jahre später erneut mit den Wajak-Funden befasste, nachdem der bereits 1884 in Australien entdeckte Talgai Skull (Talgai-Schädel) 1918 wissenschaftlich beschrieben worden war. Stewart Arthur Smith: The fossil human skull found at Talgai, Queensland. In: Philosophical Transactions B. Band 208, Nr. 348–359, 1918, S. 351–387, doi:10.1098/rstb.1918.0010.
Die genauen Fundumstände, insbesondere der Fundhorizont, wurden nicht mit heute üblicher Genauigkeit dokumentiert. Deshalb war die Einordnung der von Dubois auch als „Homo wadjakensis“ und als „proto-australisch“ bezeichneten Schädel in die Stammesgeschichte des Menschen von Beginn an umstritten. Beispielsweise wurden sie als evolutives Bindeglied zwischen dem javanischen Homo erectus und den australischen Aborigines interpretiert und galten als Beleg dafür, dass sich der anatomisch moderne Mensch unabhängig voneinander sowohl in Afrika als auch in Asien aus Homo erectus entwickelt habe (→ Hypothese vom multiregionalen Ursprung des modernen Menschen).
Der Schädel Wajak 1 ist größer und robuster als bei jüngeren Skeletten aus Java und hat markantere Augenbrauenbögen. Auch das Stirnfragment von Wajak 2 stammt von einem relativ großen und robusten Individuum. Diese Merkmale sind Peter Brown zufolge weltweit charakteristisch für Homo sapiens aus dem späten Pleistozän und dem frühen Holozän, da es im Laufe des Holozäns eine Tendenz zur Verringerung der Skelettrobustheit und der Körpermasse gab. Der australische Paläoanthropologe erläutert auf seiner Website ferner, dass der schlechte Erhaltungsgrad und nach dem Tod eingetretene Verformungen den Vergleich mit anderen homininen Fossilien erschweren. Beispielsweise sei der Schädel Wadjak 1 zwar relativ vollständig, aber die Gesichtsform sei durch Risse und Ausdehnungen verändert. Wajak 2 ist überdies wesentlich fragmentarischer, und die Schädelfragmente lassen sich nicht miteinander verbinden. Wadjak Homo sapiens. Beschreibungen und Abbildungen auf der Website des australischen Paläoanthropologen Peter Brown.
Siehe auch Liste homininer Fossilien
Literatur Eugène Dubois: De proto-Australische fossiele mensch van Wadjak (Java), I-II. In: Koninklijke Akademie van Wetenschappen te Amsterdam (Hrsg.): Proceedings. Band 19, 1920, S. 88–105 und S. 866–887. Arthur Keith: The Discovery of Fossil Remains of Man in Java, Australia, and South Africa. In: Nature. Band 106, 1921, S. 603–605, doi:10.1038/106603a0.
Belege
Kategorie:Hominines Fossil aus Asien Kategorie:Archäologie (Indonesien)