Die ehemalige Papiermühle im Quartier Winkeln der Schweizer Stadt St. Gallen ist in das Schweizerische Inventar der Kulturgüter von regionaler Bedeutung (Kategorie B) eingetragen,KGS-Nr.: 08317. sie wurde 1604 als Papiermühle der Fürstabtei errichtet.

Lage Die Mühle wurde am Chräzerenbach, einem Zufluss der Sitter, errichtet. Sie liegt an der Kräzernstrasse, die im 18. Jahrhundert von Abt Beda angelegt wurde und ist Teil des historischen Ortsbilds des ehemaligen «Oberkräzern».Denkmalpflege der Stadt St. Gallen: Kräzernstrasse 79. In: Bauinventar online; abgerufen am 26. August 2026.

Geschichte Die Papiermühle wurde 1604 von Zimmermeister Hans Sterbinger von Grund auf neu erbaut. Bauherr war Fürstabt Bernhard II., der an der Ostfront sein Wappen anbringen liess. Das Stickereiunternehmen Rittmeyer wandelte die Mühle 1854 in eine Maschinenwerkstätte um. Der Umbau zu einem Mehrfamilienhaus erfolgte 1948.

Das Bauwerk wurde aufgrund seines wirtschaftshistorischen Zeugniswerts und seiner «herausragenden architektonischen Qualität» sowie seiner «exponierten Lage» in das «Inventar der schützenswerten Bauten» der Stadt aufgenommen.

Beschreibung Das viergeschossige Hauptgebäude wirkt durch sein «stattliches und hochaufragendes Volumen». Das Erdgeschoss ist gemauert, die Obergeschosse sind in Riegelbauweise ausgeführt. Sie kragen jeweils eine Balkenbreite vor. Charakteristisch sind die verschiedenen Oberflächenmaterialien. Das sichtbare Mauerwerk des Sockelgeschosses war ehemals verputzt, das erste Obergeschoss ist im Osten verputzt, im Norden zeigt es Rieg, das zweite und die Dachgeschosse sind verschindelt. Das Steildach trägt Schlepplukarnen.

Das Erdgeschoss hat eine Ausdehnung von etwa 12 auf 15 Meter, laut Bauvertrag 40 mal 52 Schuh. Es ist aus Bruchsteinen und Flusskieseln aufgebaut. Die Gebäudeecken zeigen einen ausgeprägten Läufer-Binder-Verband aus groben Quadern. Eine Bohlen-Ständer-Konstruktion bindet die Obergeschosse geschossweise ab. Der Riegelbau mit verputzten Füllungen ersetzte wohl die ursprünglichen Wandbohlen. Der zweigeschossige Dachstuhl aus handbehauenem, russfreiem Nadelholz in stehender Konstruktion überdacht das Hauptgebäude.

Eine Kartusche zeigt unter dem Wappen Bernhards II. folgende Inschrift: BERNHARDVS • VON • GOTES • GN. ADEN • ABTE • DES • WIRDIGEN • GO TZHVS • S • GALLEN • 1 • 6 0 • 4

Im Inneren sind noch verschiedene spätbarocke Türen vorhanden. Die Treppe vom Erd- ins erste Obergeschoss sowie diverse Feldertäfer werden um 1900 datiert, während der Innenausbau in weiten Teilen von Wand- und Deckenverkleidungen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts dominiert wird.

Zur Gesamtanlage gehört noch ein Ketthaus und westseits angebaute, ineinander verschachtelte Nebenbauten vielfältiger Entstehungszeit und Nutzung. Das Ketthaus wurde in Massivbauweise erstellt. Von einem Tonnengewölbe überspannt, diente es der Unterbringung des unterschlächtigen Wasserrades, das später durch eine Turbine ersetzt wurde. Das daran schliessende zweigeschossige Nebengebäude wurde früher landwirtschaftlich genutzt und das Obergeschoss diente als Lager- und Wohnraum. Im Kern ist es ein Riegelbau in barocker Abbundmanier, der durch Anbauten fast vollständig verbaut ist.

Trotz mehrfacher Umbauten aufgrund der verschiedenen Nutzungsänderungen ist die Papiermühle «in einem guten Zustand» sowie auf St. Galler Stadtgebiet «formal einzigartig».

Siehe auch Liste der Kulturgüter in St. Gallen

Literatur Jost Kirchgraber: Stadt St. Gallen, Ortsbilder und Bauten. Geschützte Ortsbilder, Besondere Quartiere, Bauten ausserhalb der Altstadt. St. Gallen 1984. S. 132. Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons St. Gallen. Band 2. Die Stadt St. Gallen. Teil 1 (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 37). Basel 1957, S. 397–398.

Belege

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