Morgenlandbande (auch Morgenland-Bande) ist die Selbstbezeichnung einer pädosexuellen Gruppierung um Andreas Robert Kuhrt, die in den 1980er Jahren in West-Berlin in der linksautonomen Szene und in besetzten Häusern agierte. Die Struktur wird in der zeitgeschichtlichen Forschung als Teil eines pädosexuellen Netzwerks eingestuft, das unter dem Deckmantel von „Kinderbefreiung“ und Antipädagogik die Entkriminalisierung und gesellschaftliche Akzeptanz sexueller Handlungen an Kindern und Jugendlichen anstrebte.

Hintergrund und ideologischer Kontext Die Gruppierung entstand im Kontext der organisierten pädosexuellen Lobbyarbeit in der Bundesrepublik Deutschland, die während der öffentlichen Pädophilie-Debatte ab den späten 1970er-Jahren gezielt versuchte, pädophile Positionen im linksalternativen, linksradikalen und parteipolitischen Spektrum (etwa bei den frühen Grünen) zu verankern. Die Morgenlandbande bewegte sich vorwiegend im Berliner Bezirk Kreuzberg.

Die ideologische Argumentation der Gruppe basierte auf einer radikalisierten Auslegung der Antipädagogik. In ihren Schriften wurde behauptet, dass die gesellschaftliche Institutionalisierung der Kindheit durch Familie, Schule und das Jugendamt eine „Unterdrückung von Minderjährigen“ darstelle. Sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern wurden dabei fälschlicherweise als Akte der Solidarität, „Zärtlichkeit“ und Unterstützung bei der Emanzipation von Kindern aus dem bürgerlichen Elternhaus umgedeutet.

Aktivitäten und Vernetzung Die Morgenlandbande agierte unter wechselnden Bezeichnungen, darunter auch Kinderfrühling. Der Personenkreis war eng mit anderen pädophilen Aktivisten und alternativen Kommunestrukturen vernetzt. Kooperationen und personelle Überschneidungen bestanden unter anderem zu Gruppierungen wie den Kanalratten in Berlin. Zudem bestand ein Austausch mit der pädosexuellen Indianerkommune in Nürnberg um Aktivisten wie Ulrich „Uli“ Reschke und dem pädophilen Journalisten Peter Schult. Zu den dokumentierten Aktivitäten gehörten: Gezielte Kontaktaufnahme: Die Ansprache von Kindern und Jugendlichen erfolgte strategisch in alternativen Jugendzentren und im Umfeld besetzter Häuser. Beherbergung von Ausreißern: Die Gruppe bot minderjährigen Heimentfliehenden und Ausreißern in offenen Wohnungen gezielt Unterschlupf und Fluchthilfe an, um sie den staatlichen Behörden zu entziehen und in die eigenen pädosexuellen Strukturen zu integrieren. Politische Agitation: Verbreitung von Flyern und Plakaten in der linken Szene mit Slogans wie „Pädos rein, Spießer raus!“, um pädophile Positionen als Teil des linksradikalen Befreiungskampfes darzustellen.

Im genannten Flugblatt mit dem Titel „Pädos rein, Spießer raus!“ formulierten die Autoren offen ihre pädosexuellen Ansichten. Sie protestierten „gegen die unterdrückung von kindern und pädofilen“ (Schreibweise im Original).

Publikationen: Der „Kinderfrühling“ Als Propagandamedium diente der Gruppierung und ihrem direkten Umfeld unter anderem die Broschüre bzw. der Rundbrief „Kinderfrühling“. Die im Do-it-yourself-Stil (Zines) gestalteten Hefte vermischten linkspolitische Systemkritik mit offener pädophiler Propaganda.

Darin wurden staatliche Gesetze gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern (insbesondere die damaligen Strafrechtsparagrafen §§ 174–176 StGB) als Repressionsinstrumente des Staates diffamiert, die angeblich darauf abzielten, „Liebe zu verhindern“. Gleichzeitig baten die Macher um finanzielle Spenden sowie logistische Hilfe (wie unregistrierte Schlafplätze) zur Absicherung ihrer Infrastruktur. Unter Begriffen wie „Pädo-Power“ fand eine systematische Verharmlosung und Romantisierung des sexuellen Kindesmissbrauchs statt.

Aufarbeitung, Archivbestände und Ermittlungen Über Jahrzehnte hinweg wurden die pädosexuellen Umtriebe der Gruppe innerhalb der linksalternativen Szene weitgehend verharmlosert oder durch Wegsehen toleriert. Eine kritische wissenschaftliche und gesellschaftliche Aufarbeitung setzte erst im 21. Jahrhundert ein, maßgeblich vorangetrieben durch die Berichte ehemaliger Betroffener und zeitgeschichtliche Forschungen.

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Vorstudie zu pädosexuellen Strukturen in Berlin-West der 1970er- und 1980er-Jahre (Auftraggeberin war die staatliche Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs) wurde das Netzwerk systematisch untersucht. Historische Dokumente und Propagandamaterialien der Gruppe gelangten über Schenkungen und Nachlässe auch in das Archiv des Schwulen Museums (SMU) in Berlin. Dort stießen die Forschenden in bis dahin unerschlossenen, ungesichteten Altbeständen auf zeitgeschichtliche Dokumente, die strafrechtlich relevantes Material enthielten. Die Forschenden informierten das Schwule Museum. Da bereits der Besitz von Missbrauchsdarstellungen strafbar ist, übergab der Vorstand des Schwulen Museums diese Materialien am 29. März 2019 offiziell an die Berliner Kriminalpolizei. Das Museum betonte in einer Erklärung die Notwendigkeit von Aufklärung und distanzierte sich von Versuchen, Homosexualität mit Pädosexualität gleichzusetzen.

Die Übergabe der Dokumente sowie die Veröffentlichung der Studie führten zu einer breiten Berichterstattung in überregionalen sowie queeren Medien, welche das jahrzehntelange Versagen linker und emanzipatorischer Netzwerke bei der Abgrenzung gegenüber pädophilen Unterwanderungsversuchen thematisierten. Das Schwule Museum widmete der historischen Aufarbeitung dieser Thematik und der Verflechtung von Emanzipationsbewegungen mit pädosexuellen Strömungen im Jahr 2021 eine eigene Sonderausstellung unter dem Titel „Aufarbeiten. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Zeichen von Emanzipation“.

Siehe auch Liste von Vereinigungen pädophiler Aktivisten

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation der Pädophilenbewegung Kategorie:Sexueller Missbrauch von Kindern