mini|300px|Antik römische Strukturen in Basel Basilia ist der lateinische Name der militärischen und zivilen römischen Besiedlung der Stadt Basel im schweizerischen Kanton Basel-Stadt. Basilia gehörte administrativ zunächst zum Heeresbezirk und der späteren Provinz Germania superior und in der Spätantike zur Provinz Maxima Sequanorum.
Lage, Geomorphologie, Geologie, Etymologie und Forschungsgeschichte
Die Fundstellen befinden sich inmitten des Stadtgebiets von Basel, zu beiden Seiten des Rheins, der in Stadt beim Rheinknie seine Fliessrichtung von Ost–West nach Süd–Nord ändert. Dort endet der Hochrhein und der Oberrhein beginnt. In diesem Bereich mündet von Südwesten her der Birsig und von Nordosten her die Wiese in den Rhein. Das Gebiet liegt im südlichen Bereich des Oberrheingrabens, der von drei Gebirgszügen umgeben ist: im Westen von den französischen Vogesen, im Südwesten, Süden und Südosten von den Ausläufern des französischen und schweizerischen Juragebirges und im Osten vom deutschen Schwarzwald. Geologisch sind die Berge von den Buntsandsteinen und Muschelkalken des Trias, sowie von den Kalken des Juras und der Kreide geprägt. Plattentektonische Prozesse im Oligozän besorgten die Erhebung des Schwarzwalds und der Vogesen, die Brüche des Juras, sowie den Einbruch des Rheingrabens. In Miozän und Pliozän kam es zu vulkanischen Aktivitäten am Kaiserstuhl und zu Faltungen im Faltenjura. Während der Eiszeiten des Pleistozäns blieb das unmittelbare Baseler Gebiet frei von Gletschern, auch wenn ein arktisches Klima herrschte. Felsen wurden durch Frostsprengung zerkleinert, Schotter durch Gletscher in der Nähe abgelagert. Im Laufe der Eiszeiten schnitt sich der Rhein immer tiefer in den Untergrund ein, lagerte verschiedene Schotter ab, die schließlich Hoch- und Niederterrassen bildeten. Der Siedlungsplatz Basel, am Übergang zwischen dem eng eingefassten Hochrhein und der weiten Oberrheinischen Tiefebene mit den Tälern der Birs, der Wiese und des Birsigs war als Verkehrsknotenpunkt und unter strategischen Gesichtspunkten optimal geeignet. Der Fluss stellte ein natürliches Annäherungshindernis dar und der rund sechs Hektaren umfassende Münsterhügel, der sich etwa 40 Meter über die Rheinebene erhebt und zum Birsig und Rhein hin steil abfällt, ist gleichsam eine natürliche Festung.Walter Drack, Rudolf Fellmann: Basel BS. Basilia. In: Dies.: Die Römer in der Schweiz. Theiss/Raggi, Stuttgart/Jona (SG) 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 354–360.Natur und Landschaft der Region Basel auf regionatur.ch, abgerufen am 22. August 2026.Rolf d’Aujourd’hui (Hrsg.), Monika Schwarz (Red.): Die Entwicklung Basels vom keltischen Oppidum zur hochmittelalterlichen Stadt. Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt, Basel 1990², ISBN 3-905098-05-9 (Digitalisat).
Die Namensform Basilia wird erstmals bei Ammianus Marcellinus für das Jahr 374 erwähnt,Ammianus Marcellinus: Res gestae, XXX, III, 1 Digitalisat englisch. es scheint jedoch nicht unwahrscheinlich, dass dieser Name schon in frühkaiserzeitlicher, wenn nicht sogar schon in keltischer Zeit bestand, zumal dieser Ortsname in Gallien häufiger vorkommt.
Die Forschungen in Basel standen lange im Schatten der Untersuchungen in Augusta Raurica. Erst ab dem frühen 19. Jahrhundert wurden römische Relikte auf Basler Stadtgebiet wahrgenommen. Insbesondere konnten zwischen 1837 und 1895 Abschnitte der Kastellmauer freigelegt, und dabei Spolien wie Grabsteine geborgen werden. Die wachsenden Erkenntnisse wurden von Franz Dorotheus Gerlach,Franz Dorotheus Gerlach: Basilia und Rauricum. In: Ders. et al. (Hrsg.): Schweizerisches Museum für historische Wissenschaften. Band 2. Beyel, Frauenfeld 1838, S. 334–350 (Google Books). Wilhelm Vischer, Theophil Burckhardt-Biedermann und Felix StaehelinFelix Staehelin: Das älteste Basel. Verlag der National-Zeitung, Basel 1922. publiziert. Emil Vogt war 1928 der Erste, der ausgusteische und tiberische Keramik (in der Bäumleingasse) nachweisen konnte, und 1944 wurden auf dem Münsterplatz frühkaiserzeitliche, aber auch spätantike Siedlungsbefunde entdeckt. In den 1950er bis 1970er Jahren wurden weitere frühkaiserzeitliche und spätantike Befunde untersucht, 1973 der Burgus auf der rechten Rheinseite entdeckt. Seit den 1980er Jahren zeichnet die Archäologische Bodenforschung Basel-StadtArchäologische Bodenforschung Basel-Stadt auf der offiziellen Webpräsenz des Kantons Basel-Stadt, abgerufen am 24. August 2026. für die Erforschung und PublikationArchiv der Jahresberichte der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt 1988 bis 2024 auf der offiziellen Webpräsenz der Universität Basel, abgerufen am 24. August 2026. (auch) der römischen Befunde verantwortlich.
Archäologische Befunde und historische Entwicklung Vorrömische Besiedlung
Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet beiderseits des Rheins bereits in der Späten Bronzezeit, etwa ab dem Jahr 1100 v. u. Z. besiedelt war. Rechtsrheinisch wurden verschiedene Fundstellen am Kleinbasler Ufer festgestellt. In dem stark bewaldeten Umland kam dem Rhein eine wichtige Rolle als Verkehrs- und Transportweg zu. So entstand am Rheinufer auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils St. Johann vielleicht schon um das Jahr 1100 v. u. Z., spätestens in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung eine große keltische, städtisch geprägte Handelssiedlung von überregionaler Bedeutung. Die Bebauung aus Holz und Lehm stand auf großen Parzellen mit Gärten und Silogruben. Das Fundmaterial belegt Wohlstand und intensive Handelskontakte zum Mittelmeerraum, was durch die Funde von Gold-, Silber- und Buntmetallmünzen, sowie Fragmenten von Weinamphoren belegt ist. In der Siedlung wurde Feinkeramik produziert. Zwei Gräberfelder und Einzelbestattungen zeugen von komplexen Bestattungsritualen. Im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung legten die nach der Schlacht bei Bibracte auf Basler Gebiet zurückkehrenden und dort siedelnden Rauriker auf dem Münsterhügel zudem ein stark befestigtes Oppidum an.Andrea Hagendorn, Eckhard Deschler-Erb: Auf dem Münsterhügel. Die ersten Jahrtausende. Archäologische Bodenforschung des Kantons Basel-Stadt, Basel 2013 (Digitalisat).
Römische Besiedlung Spätrepublikanische / Frühkaiserzeitliche Phase mini|Statue des Lucius Munatius Plancus im Rathaus (1580) Spätestens im Jahr 50 v. u. Z., zum Ende des Gallischen Kriegs war das Basler Gebiet Bestandteil des Imperium Romanum. Die jüngere Forschung nimmt an, dass unter dem Statthalter Lucius Munatius Plancus das römische Basel um 44/43 v. u. Z. zunächst zum Hauptort der Civitas Rauricorum wurde. Um die Mitte des dritten Jahrzehnts v. u. Z. besetzten die Römer den Münsterhügel und errichteten dort im Kontext der Vorbereitungen der Augusteischen Alpenfeldzüge ein erstes Kastell, das sich vom keltischen Murus Gallicus in Höhe der Bäumleingasse bis etwa zum Anfang der Martinsgasse erstreckte. Im Zentrum, im Bereich des späteren Münsters, stand ein rund 33 m langer Holzbau, der als Mannschaftsbaracke oder Exerzierhalle interpretiert wird. Südlich des Lagers entstand ein Kastellvicus, die Zivilsiedlung des Kastells, in dem sich die Angehörigen des Trosses niederließen. Die Bebauung des Vicus entsprach der typischen Bauweise in den Nordwestprovinzen entsprechend aus Streifenhäusern, die im ersten Jahrhundert in Fachwerkbauweise, ab dem zweiten Jahrhundert auch aus Stein errichtet wurden. Nach dem Tod des Drusus (9 v. u. Z.) scheint das Militärlager aufgelassen worden zu sein, während das zivile Lagerdorf weiterhin Bestand hatte. Dies änderte sich erst wieder mit der defensiven Ausrichtung der römischen Germanenpolitik unter Tiberius und der damit verbundenen Einrichtung einer Kastellkette an Hoch- und Oberrhein. In diesem Zusammenhang wurde zwischen den Jahren 17 und 20 u. Z. ein neues Kastell errichtet. Sein südliches Ende entsprach dem des ersten Lagers, während seine nördliche Begrenzung durch einen Römischer Spitzgraben östlich des Rathauses nachgewiesen werden konnte. Der zentrale Holzbau wurde durch ein massives Steingebäude ersetzt, dessen Keller partiell noch heute unter dem Münster erhalten sind. Der Vicus erblühte wieder, worauf entsprechende Befunde und Funde verweisen. Im Bereich der Birsigmündung befand sich vermutlich eine Schiffsanlegestelle. Die Nekropole dieser Zeit lag südlich der Siedlung zwischen den heutigen Strassen Aeschenvorstadt und Elisabethenstrasse.Gräberfeld Aeschenvorstadt weitläufig um Bedingt durch die rechtsrheinische Okkupationen durch die Römer ab der frühclaudischen Zeit verminderte sich zusehends die strategische Bedeutung der Befestigungsanlage. Ein Zerstörungshorizont im Vicus verweist vermutlich auf die Ereignisse des Vierkaiserjahres 69 u. Z. In der flavischen Zeit scheint der Münsterhügel vom Militär geräumt worden zu sein, wobei einige Bauwerke des Kastells aufgelassen wurden. Nach dem Abzug der Truppen entwickelte sich das Lagerdorf zu einem regulären Vicus, der sich auch nach Norden auf das Gebiet des vormaligen Kastells und nach Osten entlang der Straße nach Augusta Raurica ausdehnte, jedoch aufgrund seiner verkehrsgeographisch ungünstigen Lage abseits der römischen Fernstraßen keine größere Bedeutung erlangte.Markus Asal, Dagmar Bargetzi, Andrea Hagendorn, Sven Straumann: Die römische Zeit. In: Guido Lassau, Peter-Andrew Schwarz (Hrsg.): Stadtgeschichte Basel, Band 1: Auf dem langen Weg zur Stadt. 50 000 v. Chr. – 800 n. Chr. Christoph Merian, Basel 2024, ISBN 978-3-03969-001-5, S. 146–231 (Digitalisat).
Zeit der Soldatenkaiser, Spätantike und Übergang zum Mittelalter