mini|Das untere Schloss Das untere Schloss (auch Steinausches bzw. Münstersches Schloss genannt) in Euerbach war ein Sitz derer von Münster. Es stand in der Gemeinde Euerbach im oberen Werntal im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Es wurde 1592 erbaut und 1969 abgerissen. An dieser Stelle steht heute das denkmalgeschützte eingeschossige katholische Pfarrheim der Pfarrgemeinde St. Michael.

Geschichte Spätmittelalter (15. Jahrhundert) Als älteste Schlossanlage in Euerbach gilt das im Wiesengrund an der Euer gelegene Burgschloss. Es befand sich ursprünglich im Besitz der Herren von Münster. Im Jahr 1456 verkauften Andreas, Eberhard und Lorenz von Münster die Anlage an Jakob und Hanns von Steinau. Im 15. Jahrhundert ist von einem oberen Schloss die Rede. Hanns von Steinau kaufte auch das obere Schloss (auch Bibra’sches Haus genannt) dem Heinrich von Bibra zu Schwebheim ab. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts waren die Herren von Bibra und die Brüder Jakob und Hans von Steinau Besitzer von Euerbach und zugleich auch deren Vogtherren.

Frühe Neuzeit (16. bis 18. Jahrhundert) Während der Bauernkriege wurden die Herrensitze in Euerbach von aufständischen Bauern in Brand gesteckt. Das obere Schloss wurde dabei besonders zerstört. Sie wurden in den folgenden Jahren wieder aufgebaut. Das Burgschloss wurde im Jahr 1578 fertiggestellt.

Der Neubau des unteren Schlosses (1592) Im Jahr 1592 errichtete Hanns von Steinau, Bruder des Bernhard von Steinau, das sogenannte Mittlere Haus (später als Unteres Schloss bezeichnet). Grund für den Neubau war das Abbrennen seines halben Besitzanteils infolge von Unvorsichtigkeit sowie Streitigkeiten unter den Brüdern. Geographisch lag der Bau zwischen dem Burgschloss und dem Bibra’schen Schloss, woraus sich der Name „Mittleres Haus“ ableitete. Bautechnisch ruhte das Gebäude auf massiven Eichenpfählen, die bei Bauarbeiten im Jahr 1968 wieder freigelegt wurden.

Im historischen Euerbacher Gültbuch findet sich dazu folgendes:

„Das mittlere Haus, Neubau genannt, hat weiland Hanns von Steinau, Bernhardens von Steinau Herr Bruder, nachdeme sein halber Teil aus Unvorsichtigkeit abgebronnen und die herren gebrüder meisten teil in zwietracht gestanden, anno 1592 von grund auf neu erbaut, so auch Eigentum und in den Umgriff des Burgschlosses gehörig.“

Dies bezeugt ein Wappenstein mit der Jahreszahl 1592 und einem Schutzspruch, der nun im Eingang des neuen Pfarrheims eingefügt ist.

Einziges Herrschaftshaus und Gegenreformation 1604 erwarben die Herren von Steinau auch die Bibra`schen Besitzungen mit allen Rechten und waren damit allein in Euerbach vertreten. Parallel dazu geriet der Ort im Zuge der Gegenreformation unter den starken Einfluss der katholischen Pfarrei Geldersheim, die im Rahmen rekatholisierender Maßnahmen wiederholt Mönche nach Euerbach entsandte.

Dreißigjähriger Krieg mini|hochkant|Die barocke Kirche mit dem Schloss (1916) mini|Abbruch des unteren Schlosses (1969) Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) traf Euerbach schwer. Insbesondere im Zuge der Belagerung der nahegelegenen Reichsstadt Schweinfurt wurde das Dorf fast vollständig entvölkert und bis auf wenige Gebäude niedergebrannt. Diesen Verwüstungen fiel aller Wahrscheinlichkeit nach auch das alte Burgschloss zum Opfer, das in nachfolgenden historischen Dokumenten keine Erwähnung mehr findet. Das untere Schloss überlebte diese Verwüstung.1706 erwarb ein Graf von Ingelheim das Dorf. Dieses ging kurze Zeit später auf den Würzburger Fürstbischof Karl von Schönborn über. Im Rahmen eines Tauschgeschäftes kam 1740 der größte Teil des Dorfes wie auch das untere Schloss wieder an die Herren von Münster. 1742 ließen die Herren von Münster die barocke Schlosskirche St. Michael von dem Baumeister Balthasar Neumann erbauen.

20. Jahrhundert bis heute mini|hochkant|Pfarrheim Im Jahr 1936 gab Oskar von Münster seinen Wohnsitz in Euerbach auf und veräußerte das untere Schloss. In den folgenden Jahrzehnten diente das Gebäude temporär als Kindergarten, Wohnung für Flüchtlinge, Kolonialwarenhandeln und Mietwohnhaus. Die katholische Kirchengemeinde Euerbach erwarb das untere Schloss nebst zugehörigem Park im Jahr 1961. Im Zuge der Umgestaltung des Ortskerns stimmte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege nach langen Diskussionen 1967/1968 dem Abbruch des historischen Baus zu. Die Genehmigung war jedoch an die gesetzliche Auflagedruck gebunden, dass aus städtebaulichen Gründen an gleicher Stelle ein adäquater Nachfolgebau errichtet werden musste. An dieser Stelle steht heute das eingeschossige Pfarrheim der katholischen Kirchengemeinde Euerbach. Das Pfarrheim als Nachfolgebau des unteren Schlosses wurde 2023 unter Denkmalschutz gestellt.

Beschreibung Architektur mini|Schloss vom Schlosspark aus fotografiert (1968) Das Untere Schloss war ein zweigeschossiges, adliges Wohngebäude. Es war im Stile der Renaissance gebaut mit einem für die Zeit typischen Giebel und 6 Fensterachsen an der Langseite. Der Zugang vom Park zum Hauptgebäude erfolgte über eine Freitreppe mit kunstvoller Steinbrüstung, die zu einem mit Wappen geschmückten Portal führte. Die Eingänge zum Schloss- und Gartenareal prägten wuchtige Torpfosten aus Sandstein, auf denen sich jeweils ein wappenhaltender Löwe befand. In der Mauer rechts neben der kleinen Pforte war ein Wappenstein mit der Inschrift „Wo Gott nit das Haus bauet, so bauet umsonst der dran bauet, und wo Gott das Haus nit bewachen tut, ist umsonst der Wächter huth“ eingelassen. Ein herausragendes kunsthandwerkliches Detail stellte das schmiedeeiserne Eingangstor dar, das von dem Würzburger Hofschlosser Johann Georg Oegg geschaffen wurde (der auch die Tore der Würzburger Residenz und des Schlosses Werneck fertigte).

Innenräume Im Inneren umfasste der Wohnbereich unter anderem sechs Stuben, sechs Kammern sowie Kellergewölbe. Eine breite Steintreppe mit kunstvoller Steinbrüstung führte im Gebäudeinneren in das erste Obergeschoss. 1936 wurde das gesamte Inventar versteigert, nachdem Baron Oskar Freiherr von Münster das Schloss verließ.

Wirtschafts- und Nebengebäude Die zweigeschossige Schlossanlage war von einer Mauer umgeben und umfasste im Laufe der Jahrhunderte umfangreiche Wirtschafts- und Nebengebäude. Dazu gehörten unter anderem ein Jägerhaus mit Backofen direkt am Tor, eine Pferdestallung für 12 Pferde, Ställe für Kühe und Schweine sowie eine Holz- und Heuscheune, ein Brauhaus mit Brauzeug und großem Kessel, einem Darrhaus, einem Fischbehälter, Kühlkammer und Malzboden.

Schlossgarten mini|Das Eingangstor von Oegg Der Schlossgarten war als französischer Park angelegt und mit vielen kunstvollen Steinfiguren ausgestattet. Nach außen hin war der Garten mit einem schmiedeeisernen Tor abgeschlossen, das von dem Kunstschmied Johann Georg Oegg geschaffen wurde. Die sandsteinernen Torpfosten trugen je einen Löwen mit Wappen. Das alte katholische Pfarrhaus stand im Garten. Das Baujahr kann nicht mehr genau ermittelt werden. Es wurde zusammen mit dem Schloss 1969 abgerissen. Ein neues Pfarrhaus wurde 1963 im Schlossgarten gebaut. Auch die Bäume wurden 1968 gefällt und das Holz verstrichen.

Literatur Dieter Brändlein, Wilhelm Brändlein: Euerbach – Geschichte eines fränkischen Ritterdorfes. 1984, hrsg. von Gemeinde Euerbach

Weblinks

Einzelnachweise

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