Right Now… and Then ist ein Musikalbum der Charles Tolliver All Stars. Die am 2. Juli 1968 in den Town Sound Studios, Englewood, New Jersey entstandenen Aufnahmen erschienen zunächst 1971 unter dem Titel „Charles Tolliver and His All Stars“ auf den Labels Polydor und Black Lion Records. Es wurde 2026 in erweiterter Form auf Strata-East Records in Kooperation mit Mack Avenue Records als Download wiederveröffentlicht.
Hintergrund In den späten 1960er- und frühen 70er-Jahren herrschte die Ansicht vor, Jazz werde vom Fusion verdrängt, während die zugleich Improvisation in Formaten, die die neuen Technologien und Stilmittel von Pop, Funk und Soul aufgriffen, eine neue Ausdrucksform fand, notierte Liam Noble. Doch „abseits des Rampenlichts“ habe eine Fülle an Musik existiert, die mit einem traditionellen akustischen Setup arbeitete. Die Musiker hatten die Erkundung der in den frühen 60er-Jahren eröffneten Welten noch nicht abgeschlossen; Miles Davis’ Quintett mit Tony Williams übte dabei einen großen Einfluss aus, ebenso wie viele der neuen Avantgarde-Musiker auf Blue-Note-Platten, darunter Bobby Hutcherson, Andrew Hill und Grachan Moncur III.
Der Trompeter Charles Tolliver gründete 1970 das Label Strata-East zusammen mit dem Pianisten Stanley Cowell und führte es weiter, nachdem Cowell sich zurückgezogen hatte, um sich seiner eigenen Musik zu widmen. Strata-East veröffentlichte mehrere LPs von Tolliver, Cowell und anderen, angefangen mit Tollivers Meisterwerk „Music Inc.“, schrieb Michael Toland. Bevor er Strata-East ins Leben rief, hatte er sein Debütalbum „Charles Tolliver and His All Stars“ eingespielt, das erst 1971 beim britischen Label Black Lion Records erschien. (Die LP wurde 1975 in den USA bei Arista Freedom unter dem Titel „Paper Man“ veröffentlicht.) Tolliver hatte dafür eine All-Star-Band zusammengestellt, zu der Gary Bartz am Altsaxophon, Herbie Hancock (Piano), Ron Carter (Bass) und Joe Chambers am Schlagzeug gehörten. Die Edition von 2026 enthält zwei Versionen des bisher unveröffentlichten Stücks „Repetition“.
Titelliste Charles Tolliver and His All Stars (Polydor 2460 139, Black Lion Records BLP 30117)
A1 Earl’s World 4:23 A2 Peace with Myself 9:37 A3 Right Now 5:47 B1 Household of Saud 6:06 B2 Lil’s Paradise 7:05 B3 Paper Man 6:11
Charles Tolliver All Stars: Right Now… and Then (Strata-East SES-19681) Earl’s World 4:23 Peace with Myself 9:29 Right Now 5:49 Lil’s Paradise 7:05 Paper Man 6:10 Household of Saud 6:06 Repetition (Take 2) 6:11 Repetition (Take 1) 6:13
Die Kompositionen stammen von Charles Tolliver.
Rezeption mini|Gary Bartz im Miles Davis Septett, 1971 Charles Tolliver mag nicht jedem ein Begriff sein, doch sein Spiel sei ebenbürtig mit dem von gefeierten Musikern wie Freddie Hubbard und Eddie Henderson, meint Liam Noble in UK Jazz News. Eine „All-Star“-Rhythmusgruppe mit Herbie Hancock, Ron Carter und Joe Chambers könnte den Eindruck erwecken, sie sei dazu da, den Status des Bandleaders zu erhöhen, doch er sei ihnen hier absolut ebenbürtig. Man könnte leicht vergessen, dass viele heute als ikonisch geltende Aufnahmen ganz beiläufig an einem einzigen Tag entstanden und für viele Musiker einfach nur ein weiterer Arbeitstag waren. Während Labels wie Blue Note ihre Veröffentlichungen oft als essentielle Kapitel der Musikgeschichte verewigen, hätte dieses auf Tollivers eigenem Label Strata East veröffentlichte Album (das er gemeinsam mit dem leider viel zu wenig beachteten Pianisten Stanley Cowell betrieb) damals wohl deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten. Hoffentlich lenke diese Neuveröffentlichung die Aufmerksamkeit auf die Musik, die zwischen den Zeilen der Geschichtsbücher entstand und in der eine persönliche Synthese der vielfältigen Einflüsse jener Zeit Musik von wahrer Kühnheit und Fantasie hervorbringen konnte.
Pianist Herbie Hancock, Bassist Ron Carter und Schlagzeuger Joe Chambers waren bereits als Bandleader und Sidemen etabliert; Saxophonist Gary Bartz war ebenfalls ein junges Talent, habe sich aber so nahtlos eingefügt, als wäre er schon immer dabei gewesen, meint Michael Toland (The Big Takeover). Beeindruckend sei Bartz' geschmeidiges Solo in „Lil’s Paradise“, gefolgt von Hancocks unverkennbarer melodischer Improvisation, und wie er Tollivers melancholische Melodie vollends zur Geltung bringe. „Peace with Myself“ und „Right Now“ würden durch brillante Trompetenläufe und mitreißende Soli des Bandleaders beeindrucken, während Chambers und Carter den Groove immer wieder aufs Neue verzaubern. „Paper Man“ greife zwar auf Akkordwechsel von Hancock und anderen Hardbop-Größen der Sechzigerjahre zurück, entwickle sich aber zu einem zeitlosen Stück mit durchweg starken Soli. Die rasanten Harmonie-Riffs und der kraftvolle Swing von „Household of Saud“ erinnere daran, dass die Ursprünge des Bebop mit dem Wort „be“ („sein“) begannen. Auch wenn das Album nicht den unverwechselbaren Stil einfange, den Tolliver ab „Music Inc.“ später in seine Musik einbringen sollte, sei das unerheblich. Selbst wenn Tolliver den hier beschriebenen geradlinigen Hard-Bop-Weg weiterverfolgt hätte, wäre er trotz seines Könnens unvergessen geblieben, unabhängig vom großen Durchbruch.
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Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album 1971